Archivierter Artikel vom 13.11.2015, 21:29 Uhr

Zehn Tipps: Wie Unternehmen auf demografische Herausforderungen reagieren

An gutem Rat für Unternehmen, die auf die demografische Herausforderung reagieren wollen, mangelt es nicht. Unter demographie-netzwerk.de oder demografie. rlp.de finden sich viele Hinweise. Hier eine Zusammenstellung von Tipps, die Kerstin Wiertalla den Unternehmen gibt. Sie ist Referentin für Personalentwicklungsberatung im Team Fachkräftesicherung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz.

Symbolbild: dpa
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1 „Das Thema Gesundheitsmanagement ist nicht neu in den Unternehmen“, sagt Wiertalla. „Manche reagieren aber erst, wenn etwas passiert ist.“ Früher sei es üblich gewesen, Gesundheitsprogramme nur für bestimmte Gruppen anzubieten – etwa jene, die bereits Rückenprobleme haben. Unternehmen sollten auch auf präventive Maßnahmen setzen.

2 Weil es weniger Schulabgänger und Absolventen gibt, wird der Wettbewerb um Nachwuchskräfte intensiver. Die Unternehmen müssen deshalb auch in das eigene Ansehen investieren. Die Vorzüge als Arbeitgeber herauszustreichen, fällt aber vielen noch schwer, beobachtet Wiertalla: „Das ist total schade.“ Sie rät, die positiven Seiten in Stellenanzeigen oder auf der Firmen-Internetseite zu vermarkten.

3 Firmen können bisher unzureichend genutzte Potenziale erschließen: Frauen in Teilzeitarbeitsverhältnissen, die gern mehr arbeiten würden, Personen ohne Berufsabschluss, Menschen mit Migrationshintergrund. Wiertalla erwähnt auch ungewöhnliche Beispiele: Autisten können etwa für IT-Unternehmen hervorragend geeignet sein.

4 Damit Wissen in Firmen nicht „mit in Rente geht“ oder veraltet, sind Lösungen für den Wissenstransfer nötig. Die Mittel dazu sind da, „aber sie werden zu selten angewendet“, meint die IHK-Expertin. Sie warnt davor, den Punkt zu unterschätzen: Wenn die Babyboomer in Rente gehen, scheiden in kurzer Zeit sehr viele Wissensträger aus dem Unternehmen aus.

5 Jung und Alt sollten intensiv zusammenarbeiten. Die Firma Wirtgen in Windhagen (Kreis Neuwied) beispielsweise hat ein Mentoring-Programm eingeführt: Den Verantwortlichen auf Schlüsselpositionen wird weit vor dem Renteneintritt ein Azubi an die Seite gestellt. Er „saugt“ das Wissen auf, das es zu erhalten gilt.

6 Ältere Beschäftigte lernen nicht generell langsamer, aber anders: Sie greifen auf ihr Erfahrungswissen zurück, das junge Menschen noch nicht haben, und können manches leichter einordnen. „Am besten ist es, beim Lernen nie aus der Übung zu kommen“, sagt Wiertalla.

7 Jede Altersgruppe besitzt Stärken, die es intelligent zu nutzen gilt. Talentförderung sollte ganz verschiedene Mitarbeitergruppen mit einschließen.

8 Unternehmen sollten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf generell fördern. Die Firma Hevert-Arzneimittel (Nußbaum, Kreis Bad Kreuznach) beispielsweise hat hier einiges investiert – und profitiert jetzt davon, dass weibliche Mitarbeiter dem Unternehmen treu bleiben.

9 Immer mehr Beschäftigte haben den Wunsch, sich um pflegebedürftige Familienangehörige zu kümmern. „Ich brauche Hilfe“ zu sagen, fällt aber vielen Mitarbeitern schwer. Unternehmen sollten sich hier offen zeigen.

10 Unterstützung können Firmen etwa bei der Berufsgenossenschaft oder der Krankenkasse bekommen. Auch die Kinderbetreuung im Unternehmen wird unter Umständen gefördert. Zudem wirken Rentenversicherung und Kammern beratend.