Archivierter Artikel vom 29.04.2014, 06:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Warum G8 in Rheinland-Pfalz erfolgreich ist

Von den 149 Gymnasien in Rheinland-Pfalz führen 19 Gymnasien als G8GTS zum Abitur. Das heißt: Die kürzere, achtjährige Schullaufbahn (G8) ist verpflichtend mit einer Ganztagsschule (GTS) verknüpft. Das Are-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Kreis Ahrweiler) gilt als Musterbeispiel für G8GTS.

Foto: picture alliance

Von unserer Redakteurin Birgit Pielen

Montags bis donnerstags ist Unterricht von morgens 7.55 Uhr bis nachmittags um 16 Uhr, freitags endet die Schule um 13 Uhr. „Bei uns gibt es keine Hausaufgaben“, sagt Schulleiter Hans-Dietrich Laubmann. „Wenn ein normal begabter Schüler nach dem Unterricht nach Hause fährt, kann er die Schule hinter sich lassen.“ Die Übungsphasen, die dem Verfestigen des Schulstoffs dienen, werden im Unterricht beziehungsweise in den Lernzeiten erledigt. Diese Übungsphasen leiten die Fachlehrer selbst. Laubmann: „Das heißt zum Beispiel: Statt vier Mathestunden verbringt der Lehrer einer Klasse fünf fünf Stunden mit den Schülern.“

Das Are-Gymnasium begann 2008/09 als eine der ersten Schulen mit G8GTS. „Wir haben den Unterrichtsstoff entrümpelt und unsere eigenen Arbeitspläne entwickelt“, sagt Laubmann. „Wir fangen nicht in der Jahrgangsstufe fünf oder sechs mit dem komprimierten Stoff an, sondern erst in der sieben. Das heißt: Wir belasten die Kinder erst später.“ In der Unter- und Mittelstufe schreiben die Kinder vier statt fünf oder sechs Klassenarbeiten.

Jetzt, mit sechs Jahren Erfahrung, stellt Laubmann fest: „Wir sind auf einem hervorragenden Weg. Unsere Schüler kommen, wenn sie in der Oberstufe sind, gut mit dem Pensum zurecht. Sie sind es gewohnt, ihre Arbeit in der Schule zu erledigen.“

Ein Zeichen des Erfolgs ist auch die hohe Schülerzahl, die der demografischen Entwicklung trotzt: „2003 hatten wir 740 Schüler, aktuell sind es knapp 1100“, sagt Laubmann. Das Gymnasium in Bad Neuenahr ist attraktiv – auch baulich. Zum einen hat die Mainzer Landesregierung die G8GTS-Schulen finanziell unterstützt, zum anderen hat der Kreis Ahrweiler als Schulträger viel Geld in die Modernisierung gesteckt.

Viel Lob für die Ministerin

Während andere Bundesländer über G8 klagen, atmet die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen auf (SPD). „Ich war schon immer fest überzeugt, dass G8 nur mit einem ausgereiften und gut vorbereiteten Ganztagsschulkonzept funktionieren kann, für das sich Schulen und Eltern frei entscheiden können.“ Aber damals, als 15 Bundesländer flächendeckend G8 einführten, sei das ein starker Druck und eine ihrer schwierigsten Entscheidungen gewesen. Die Bildungsgewerkschaft GEW ist voll des Lobes für Ahnens Kurs: „Die Geradlinigkeit bei G8 rechnen wir ihr hoch an“, sagt der rheinland-pfälzische Vorsitzende Klaus-Peter Hammer. Und der Philologenverband erkennt an: „Rheinland-Pfalz hat aus dem achtjährigen Gymnasium kein Sparprogramm gemacht, sondern es nur sehr behutsam eingeführt“, sagt Malte Blümke.

Alle Gymnasien mit G8GTS haben Konzepte entwickelt, in denen sich durch eine Neueinteilung des Schultages Lern-, Übungs- und Entspannungsphasen so abwechseln, dass es für die Schüler, aber auch für die Lehrkräfte gut zu bewältigen ist. Im Vorfeld wurden die Lehrpläne bereits an G8 angepasst. Sie bekomme durchweg gute Rückmeldungen, sagt Ahnen. „Die 19 G8-Ganztagsgymnasien machen eine engagierte Arbeit und erfreuen sich guter Akzeptanz.“ Anders als in anderen Bundesländern gibt es in Rheinland-Pfalz keinen Trend, G8GTS aufzugeben. „Den Wunsch nach einer Rückkehr zu G9 habe ich aus noch keinem der G8-Gymnasien gehört“, sagt die Bildungsministerin. „Grundsätzlich wäre das in einem etwas längeren Prozess möglich, aber die Frage stellt sich uns nicht.“

Der Bad Neuenahrer Schulleiter Hans-Dietrich Laubmann ist überzeugt: „G8GTS ist keine Überlastung der Schüler. Natürlich ist es eine Belastung, aber das ist G9 auch. Abitur zu machen, geht nun mal nicht zum Nulltarif.“