Archivierter Artikel vom 20.12.2011, 07:00 Uhr
Pjöngjang

Schüchtern und ohne Erfahrung

Auf Kim folgt Kim. Der dritte Sohn des gestorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, Kim Jong Un, gilt als neuer starker Mann in dem kommunistischen Land. Er soll die Kim-Dynastie an der Macht in dritter Generation fortsetzen.

Lang hat man vergeblich nach Fotos von Kim Jong Un gesucht: Zuletzt trat er aber häufiger an der Seite seines Vaters auf.
Lang hat man vergeblich nach Fotos von Kim Jong Un gesucht: Zuletzt trat er aber häufiger an der Seite seines Vaters auf.
Foto: dpa

Pjöngjang – Auf Kim folgt Kim. Der dritte Sohn des gestorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, Kim Jong Un, gilt als neuer starker Mann in dem kommunistischen Land. Er soll die Kim-Dynastie an der Macht in dritter Generation fortsetzen.

Politisch weist Kim Junior kaum Erfahrungen auf. Doch steht er trotz seines vergleichsweise jungen Alters – er soll unter 30 sein – schon seit drei Jahren im Mittelpunkt von Spekulationen um die Nachfolgeregelung in dem abgeschotteten Staat. Seit seiner Beförderung zum Viersternegeneral und seiner Aufnahme in die Führungsriege der herrschenden Arbeiterpartei im vergangenen September war klar: Damit hatte ihn Kim Jong Il auch praktisch zum „Kronprinzen“ ernannt.

Kim Jong Un soll bis 1998 unter anderem Namen in der Schweiz die International School of Berne besucht haben. Sonst ist nur wenig über ihn bekannt. Die Familienverhältnisse der Kims sind in dem Land ein Tabu.

Das Schweizer Wochenmagazin „L'Hebdo“ berichtete im März 2010, dass Kim die Schule im Alter von 15 Jahren ohne Abschluss verlassen hat. Seine Mitschüler beschrieben ihn als schüchtern und introvertiert. Er fuhr gern Ski und interessierte sich für Basketball. Zudem galt er als großer Bewunderer des US-Basketballstars Michael Jordan und des Actionfilmschauspielers Jean-Claude Van Damme.

Nach einer Fotografie des erwachsenen Kim Jong Un hatte man im Ausland lange vergeblich gesucht. Seit dem vergangenen Jahr zeigten die Staatsmedien Kim Jong Un regelmäßig an der Seite seines Vaters. Er begleitete ihn auf Inspektionsreisen durchs Land und nahm mit ihm Militärparaden in Pjöngjang ab.

In einem Buch schreibt der frühere Koch Kim Jong Ils unter dem Namen Kenji Fujimori, dass der dritte von drei bekannten Söhnen seinem Vater am meisten gleicht – sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Charakters. Kim Jong Un soll früh einen Sinn für Autorität und Macht entwickelt haben, schrieb die südkoreanische Zeitung „The Korea Herald“.

Noch mehr ähnelt Kim Jong Un seinem Großvater Kim Il Sung, der bis zu seinem Tod 1994 das Land diktatorisch regiert hatte. In Südkorea wurde spekuliert, dass sich Kim Jong Un kosmetischen Operationen unterzogen haben könnte, um die Ähnlichkeit deutlicher hervortreten zu lassen.

Jong Un wurde um das Jahr 1983 geboren. Seine Mutter war die dritte Frau Kim Jong Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Ko starb Medienberichten zufolge vor mehr als sechs Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Von Dirk Godder