Archivierter Artikel vom 09.01.2012, 08:23 Uhr

Schlagabtausch: Pflege nur mit Abitur?

Wer ab 2015 Krankenschwester oder Hebamme werden will, muss nach Plänen der EU zwölf Jahre lang zur Schule gegangen sein. In Deutschland ist dies auf breite Ablehnung gestoßen. Dagegen begrüßt Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Pflegeberufe, den Vorstoß. Auf Ablehnung stößt er bei Judith Lauer vom Verdi-Bundesverband.

Bald nur noch mit Abitur möglich? Die EU-Kommission will ab 2015 die Regel durchsetzen, dass Pflegekräfte zwölf Jahre lang die Schulbank gedrückt haben müssen. Viele Politiker in Deutschland halten dies angesichts des drohenden Fachkräftemangels für den falschen Schritt.
Bald nur noch mit Abitur möglich? Die EU-Kommission will ab 2015 die Regel durchsetzen, dass Pflegekräfte zwölf Jahre lang die Schulbank gedrückt haben müssen. Viele Politiker in Deutschland halten dies angesichts des drohenden Fachkräftemangels für den falschen Schritt.
Foto: dpa

Wer ab 2015 Krankenschwester oder Hebamme werden will, muss nach Plänen der EU zwölf Jahre lang zur Schule gegangen sein. In Deutschland ist dies auf breite Ablehnung gestoßen. Dagegen begrüßt Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Pflegeberufe, den Vorstoß. Auf Ablehnung stößt er bei Judith Lauer vom Verdi-Bundesverband.

Berlin. Patienten würden von einer Anhebung der Zugangshürden für Pflegeberufe deutlich profitieren. „Je besser qualifiziert die Pflegefachpersonen sind, umso weniger Komplikationen bis zum Tod treten bei Patienten auf“, schreibt Gertrud Stöcker, Vizechefin des Berufsverbandes der Pflegeberufe, in einem Beitrag für unsere Zeitung.

Deshalb unterstützt die Expertin Pläne der EU-Kommission, dass Krankenschwestern oder Hebammen zwölf statt bisher zehn Jahre die Schulbank drücken müssen. „Damit wird Deutschland gezwungen, eine mehr als 100 Jahre alte systemische Benachteiligung des Frauenberufs Pflege zu beenden.“ Dadurch werde der Pflegeberuf attraktiver.

Dagegen befürchtet Verdi-Expertin Judith Lauer, dass der ohnehin drohende Fachkräftemangel in der Pflege durch die EU-Pläne verschärft wird. „Eine Anhebung der Zugangsvoraussetzungen entspricht nicht dem Grundsatz der Durchlässigkeit und fördert soziale Selektion.“ Von den etwa 40 000 Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege verfügten nur etwa 15 000 über eine zwölfjährige Schulbildung. „Der Großteil der Bewerber würde so ausgeschlossen werden“, sagt Lauer.

Von unserem Redakteur Christian Kunst