Archivierter Artikel vom 06.03.2010, 20:26 Uhr
Rheinland-Pfalz

Robuster Asphalt ist noch zu teuer

Forscher beschäftigen sich seit Jahren mit neuen Verfahren, um Straßen gegen Frostschäden immun zu machen. Wir fliegen zum Mond, wir klonen Tiere, warum erfinden wir nicht endlich einen Straßenbelag, der nach dem Winter keine Löcher aufweist?

Robuster Asphalt ist noch zu teuer
Die lange Kälteperiode und Temperaturwechsel haben die Straßen in Rheinland-Pfalz gesprengt. Autofahrer müssen den Löchern ausweichen, um Schäden am Fahrzeug zu verhindern.
Foto: Jens Weber

Der strenge Winter hat den Straßen in ganz Deutschland arg zugesetzt. Mit bis zu viermal so teuren Reparaturkosten im Vergleich zu den Vorjahren rechnet der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Und die Schlagloch-Geplagten fragen: Kann man nicht einfach mal Straßen bauen, die Frost und Nässe schadenfrei überstehen?

Nicht der Straßenbelag an sich, sondern Städte und Gemeinden selbst sind Schuld an den löchrigen Verkehrswegen, findet der Deutsche Asphaltverband. „Die Städte und Gemeinden müssen dringend mehr in die Straßenerhaltung investieren“, sagt Verbandssprecher Bernd Hinrichs. Denn die jetzt sichtbar gewordenen Schäden seien vor allem auf unterlassene Erhaltungsmaßnahmen in der Vergangenheit zurückzuführen. „Einem intakten Straßenbelag kann ein Winter mit seinen Frösten, dem folgenden Tauwetter und den verwendeten Tausalzen nichts anhaben“, erklärt Hinrichs. „Wenn aber infolge unterlassener Erhaltungsmaßnahmen Vorschädigungen, zum Beispiel Risse, vorhanden sind, kann Wasser eindringen.“ Das gefriert, dehnt sich aus und sprengt aus kleinen Rissen große Schlaglöcher.

Kommunen sollen zahlen

Die hohen Kosten, die zur Wiederherstellung der Straßen jetzt auf die Kommunen zukommen, wären bei zeitgerechter Erhaltung vermeidbar gewesen. Hinrichs: „Die Kommunen müssen dringend Erhaltungsprogramme für ihre Straßen erarbeiten und die dafür erforderlichen Investitionsmittel bereitstellen.“ - Oder endlich den richtigen Straßenbelag benutzen.

Den versucht die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) auf ihren zwei Modellstraßen zu finden. In einer Halle in Bergisch Gladbach wurden dafür zwei Straßen im Maßstab 1:1 nachgebaut. Auf 38 Metern können dort unterschiedlichste Materialien und verschiedene Straßenkonstruktionen auf ihre Belastbarkeit getestet werden.

„Zur Simulation des Schwerverkehrs fahren wir mit Maschinen, sogenannten Impulsgebern, über die Modellstraßen“, erklärt Andreas Wolf, Ingenieur bei der BASt im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das sind Rahmenkonstruktionen mit großen Stahlplatten, die eine Radlast von 5 Tonnen simulieren.“ Ungefähr 200 in die Modelle eingelassene Sensoren zeichnen dabei jede Dehnung und Verformung der Straße auf, verraten den Ingenieuren so, welcher Belag der widerstandsfähigste, welche Straßenkonstruktion die belastbarste ist.

Mit bloßem Auge sind die Auswirkungen der Lkw-Simulation nicht immer ersichtlich, im Querschnitt der Modellstraße erkennen die Ingenieure später jedoch genau, wie sehr das Material gelitten hat. Absenkungen, Rillen und Risse, selbst in den unteren Schichten, sind der Anfang vom Ende der Straße.

So weit muss es aber gar nicht erst kommen, wenn es nach Hartmut Beckedahl, Professor für Straßenbau an der Universität Wuppertal geht. In seinem Labor hat er schon die unterschiedlichsten Asphaltmischungen ausprobiert und auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Die für ihn entscheidende Zutat beim Straßenbau: Kunststoffpolymere. Sie werden unter anderem auch zur Herstellung von Autoreifen oder Schuhsohlen verwendet.

Polymere als Asphaltfestiger

„Man muss sich Asphalt vorstellen als ein Gemisch aus vielen kleinen Steinen und dem Bindemittel Bitumen, einer Verbindung aus Kohlenwasserstoffen, das die einzelnen Steine zusammenhält“, erklärt uns Beckedahls Assistent Jens-Peter Müller. „Verwendet man polymermodifiziertes, also mit Polymeren versetztes Bitumen, macht dies das Asphaltgemisch widerstandsfähiger und so langlebiger.“

Die Stadt Wuppertal hat Beckedahls Asphalt sogar schon getestet. Auf einer 200 Meter langen Busspur wurde sein Rezept im Jahr 2005 verbaut. Die angrenzende Fahrbahn bekam eine Decke aus normalem Asphaltgemisch - und musste schon nach drei Jahren saniert werden. Der Abschnitt mit polymeremodifinanzierten Bitumen weist bis heute kaum Schäden auf.

Durchgesetzt haben sich Beckedahls Forschungen in der Praxis bis heute aber nicht. Der Grund: Das mit Polymeren versetzte Bitumen ist zu teuer. „Deshalb wird es nicht großflächig in Deutschland eingesetzt“, erklärt BASt-Ingenieur Andreas Wolf. „Wenn man dieses Bitumen einbaut, dann nur auf schwer befahrenen Straßen mit viel Schwerlastverkehr.“

Schade, findet das Forschungsteam um Hartmut Beckedahl. Schließlich sei der polymeremodifizierte Asphalt viel wirtschaftlicher, weil weniger oft Reparaturkosten entstünden. Das gesteht auch der Experte der BASt ein: „Natürlich, ein Asphalt mit Polymeren ist hochwertiger und langlebiger. Aber ob er gegen Frostschäden hilft - ich würde sagen: jein. Die Straße geht zwar weniger schnellkaputt, aber wenn sie kaputt geht, dann muss auch sie schnellstmöglich repariert werden.“ Sonst hilft eben auch der beste Asphalt nicht gegen Schlaglöcher.

Von Anna Lampert