Archivierter Artikel vom 13.06.2017, 18:36 Uhr
Brüssel

Neuregelung hat viele Fallstricke

Menschen mit Fernbeziehung und ungünstigem Handyvertrag haben sich womöglich zu früh gefreut: Zwar schafft die EU zum 15. Juni die Extragebühren für die Handynutzung im EU-Ausland weitgehend ab, Gespräche ins EU-Ausland kosten aber so viel wie zuvor.

„Das bleibt ein großes Ärgernis“, klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung – „das kann durchaus mal 2 Euro die Minute kosten“.

Wer also mit dem Autovermieter auf Mallorca verhandeln will oder die polnische Nummer der Liebsten in Warschau wählt, sollte die Bestimmungen seines Vertrags gut kennen. „Die Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte schauen“ – trotz der grundsätzlich verbraucherfreundlichen Roaming-Neuregelung, warnt Buscke. Die soll dafür sorgen, dass Anrufe und mobile Internetnutzung beim Aufenthalt in anderen EU-Ländern nicht teurer ausfallen als daheim.

Die Änderung kann kuriose Folgen haben: Wer mit deutschem Handyvertrag aus Deutschland in Spanien oder Polen anruft, zahlt unter Umständen mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Spanien oder Polen oder einem beliebigen anderen EU-Land führt. „Das ist das Knifflige und das Unbefriedigende an der Neuregelung“, sagt Buscke.

Unklar ist auch, ob wirklich alle Handykunden in den Genuss der neuen Vorgaben kommen, oder ob besondere Vertragsklauseln das verhindern. „Wir machen keine Unterscheidung“, versichert Andreas Middel von der Deutschen Telekom. Ähnlich verspricht seine Vodafone-Kollegin Sarah Roetzer: „Alle Consumer Kunden werden ab 15. Juni von den regulierten Bedingungen in der EU automatisch und uneingeschränkt profitieren und keine Roaminggebühren mehr zahlen.“ Jörn Borm von Telefónica (O2) kann hingegen nicht sagen, wie hoch der Anteil jener Kunden sein wird, die „zum 15.06. reguliert werden“. Im Mai hatte der Konzern seinen Umsatzrückgang des vergangenen Jahres unter anderem auf die gesenkten Roaming- und Durchleitungsentgelte zurückgeführt: Das Unternehmen habe wegen der Regulierung rund 35 Millionen Euro weniger eingenommen als 2015. Verbraucherschützer erwarten, dass die Anbieter sich überlegen, wie sie die neuen Regeln anwenden.

Und dann ist da noch die sogenannte Fair-use-Regelung. Die soll verhindern, dass sich Verbraucher einfach den billigsten Anbieter in Europa aussuchen und mit dessen SIM-Karten grenzenlos günstig telefonieren. Vodafone behalte sich Aufschläge gemäß dieser Regelung vor, erklärt Sprecherin Roetzer.

Die drei wichtigsten Tipps für den Auslandsaufenthalt

So sparen Sie Geld, wenn Sie mit dem Handy im Ausland unterwegs sind. Die drei wichtigsten Tipps.

1 Wer nur wenige Tage außerhalb der EU unterwegs ist, sollte das Roaming abschalten und ausschließlich dann telefonieren und surfen, wenn ein WLAN-Netz im Hotel, Restaurant oder in der Nähe öffentlicher Gebäude vorhanden ist.

2 Eine aktivierte Mailbox kostet Geld. Der Anruf wird nämlich erst im Gastland empfangen und dann wieder auf die heimatliche Mailbox zurückgeleitet. Deshalb diese Anrufweiterleitung unbedingt vor der Abreise abschalten.

3 Wer länger unterwegs ist, seinen Urlaub in Indonesien oder auf Kuba gebucht hat oder in den USA bummeln geht, sollte sich eine SIM-Karte für das jeweilige Land besorgen. Diese kann man in Deutschland kaufen. Es gibt sie für einzelne Länder, aber auch für Verbindungen aus aller Welt. Ein Preisvergleich lohnt sich. Doch dann ist man nicht mehr unter der bekannten Handynummer erreichbar. Tipp: Nehmen Sie ein altes Handy zum Telefonieren mit heimischer SIM-Karte mit und surfen mit der Card für das Gastland. Detlef Drewes

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