Archivierter Artikel vom 04.06.2014, 08:32 Uhr

Neubeginn mit „Grüne Hölle“: Festivalmacher setzen auf Teamgeist

Am Nürburgring wird gerade für „Rock am Ring“ aufgebaut — ab 2015 spielt die Musik dann in der „Grünen Hölle“. Unsere Umfrage dazu: Wie ist der Name — gut oder nicht gut?

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

„Wir haben mit DEAG einen Vertrag über fünf Jahre abgeschlossen“, sagt Carsten Schumacher, Geschäftsführer der capricorn Nürburgring GmbH auf der Pressekonferenz zur Zukunft der Musikevents auf dem Nürburgring.

Sascha Ditscher

Nach dem Aus für „Rock am Ring“ in der Eifel hat der Betreiber des Nürburgrings einen neuen Partner für ein neues Musikfestival an der Rennstrecke gefunden. Die DEAG soll künftig dort veranstalten, wo bislang Marek Lieberberg das traditionsreiche Mega-Event „Rock am Ring“ ausrichtete.

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Blick aufs Podium: Nürburgring-Pressesprecher Pietro Nuvoloni, Ring-Chef Carsten Schumacher, DEAG-Chef Peter Schwenkow, Promoter Stuart Galbraith und Musikveranstalter Ossy Hoppe. Foto: M. Eckhardt – Sascha Ditscher

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Capricorn-Geschäftsführer Schumacher kritisierte Rock am Ring-Veranstalter Lieberberg: Der behaupte in den Medien, in den vergangenen Jahren kaum Geld am Ring verdient zu haben. Tatsache aber seien Millionen von Euro, so Schumacher wörtlich.

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Das Medieninteresse an der Zukunft des Nürburgrings als Veranstaltungsort für große Musikevents iststark.

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Der Nürburgring soll das Mekka für Rockmusikfans in Europa bleiben. Dazu will auch Musikveranstalter Ossy Hoppe beitragen, der schon mit Deep Purple um die Welt gezogen ist.

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“Wir machen 350 Konzerte im Jahr. Haben ein breites Spektrum an Künstlern„, sagt Hoppe den Journalisten. “Wir freuen uns auf die neue Aufgabe am Ring„.

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Gemeinsam wollen die Partner capricorn und Deag (v.l. DEAG-Chef Peter Schwenkow, Promoter Stuart Galbraith und Musikveranstalter Ossy Hoppe) den Nürburgring weiterentwickeln. Ein Crash zweier Festivals am selben Termin wäre allerdings ein schwerer Start in die “Grüne Hölle„. Man hört von neuen Plänen...

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Nürburgring-Pressesprecher Pietro Nuvoloni: “Es handelt sich bei dem Vertrag um eine strategische Partnerschaft„.

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DEAG-Chef Peter Schwenkow: “Die Preise sollen nicht steigen, mindestens stabil bleiben„, verspricht Schwenkow. “Wenn wir in der Lage sind, den Preis um 20 oder 30 Euro zu senken, werden wir uns gemeinsam als Partner dazu entschließen.„

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DEAG-Chef Peter Schwenkow: “Musikalisch wird das Festival in der Eifel zu 80 Prozent so bleiben wie bisher„, berichtet Schwenkow.

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Promoter Stuart Galbraith: Er soll dafür sorgen, daß musikalisch am Ring alles beim Alten (Rock) bleibt.

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Man sei schon in der konkreten Planung, versprechen die neuen Manager: “Erste Künstler für 2015 stehen schon unter Vertrag, werden aber heute noch nicht genannt„, so Schwenkow.

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Zwei, von denen die erfolgreiche Zukunft des Nürburgrings nicht unwesentlich abhängen wird: Nürburgring-Investor Robertino Wild (r., capricorn) mit Stuart Galbraith (CEO Kilimanjaro Live) planen das “Gruene Hoelle„-Rockfestival, das ab dem kommenden Jahr an Stelle von “Rock am Ring„ stattfinden soll.

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Nürburg — Während auf den Campingplätzen rund um den Nürburgring die ersten Musikfans ihre Zelte aufschlagen, um ab Donnerstag das letzte Rock am Ring an der Rennstrecke zu feiern, wird in einem Saal im Ring-Boulevard der Anbruch einer neuen Ära für die Rockmusik in der Eifel ankündigt:

Die neuen Betreiber des Rings, die Capricorn Nürburgring GmbH, präsentieren die Deutsche Entertainment AG (DEAG) als neuen Veranstalter für ein Musikspektakel, das Rock am Ring nach fast 30 Jahren ablöst: Ab 2015 spielt die Musik in der „Grünen Hölle“ – so der Titel des neuen Rockfestivals am Nürburgring, womit der bisherige Spitzname für den Ring und insbesondere die Nordschleife mit einem Male zum offiziellen Titel avancieren.

Neuer Name, neuer Veranstalter – das sollen laut Peter Schwenkow, Geschäftsführer der DEAG, für die Musikfans auch schon die wesentlichen Veränderungen sein.

Ähnliches Bühnenprogramm wie bei Rock am Ring geplant

Der Konzertveranstalter will im Programm der „Grünen Hölle“ ähnlich wie die Macher von Rock am Ring auf international große Rockbands setzen – entsprechende Kontakte hat er. „Wir bauen hier auf einer fast 30-jährigen Festivaltradition auf. Wir sind uns des Erbes bewusst“, sagt Schwenkow. Was wohl auch bedeutet, dass für das neue Festival ähnliche Preise verlangt werden, die auch in den Vorjahren für Rock am Ring fällig wurden: Das waren für drei Tage Livemusik auf drei Bühnen etwa 180 Euro. „Vielleicht werden wir 20, 30 Euro günstiger sein“, sagt Schwenkow. Er gab aber zu bedenken, dass der genaue Ticketpreis erst genannt werden könne, wenn die letzten Verhandlungen mit Künstlern abgeschlossen seien. Im September soll das gesamte Programm für die „Grüne Hölle“ publik gemacht werden.

Offenkundig sind die Veranstalter und die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) in Person von Geschäftsführer Carsten Schumacher darauf bedacht, inhaltlich nicht allzu viel am traditionell rockenden Ring zu verändern. Gleichwohl machten beide Seiten deutlich, dass sie einen anderen Wind ins Geschäftsgebaren rund um das Rockfestival bringen: „Unsere Partnerschaft basiert auf Fairness und Transparenz“, betonten beide mehrfach – Schlagworte, die in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Festivalveranstalter Marek Lieberberg laut CNG-Chef Schumacher nicht zugetroffen haben.

Er hatte mit Lieberberg seit April über eine höhere Beteiligung an den Gewinnen von Rock am Ring verhandelt, nachdem der alte, noch mit der Nürburgring GmbH abgeschlossene Vertrag aus EU-rechtlichen Gründen gekündigt werden musste. „Wir haben statt bislang 35 Prozent Anteil eine Beteiligung in Höhe von 45 Prozent von Lieberberg verlangt, der in den vergangenen Jahren Millionen am Ring verdient hat“, erklärt Schumacher.

Eine solche Veranstaltung wie Rock am Ring müsse sich für beide Seiten rechnen, insbesondere, da seitens des Nürburgrings Etliches an Logistik gestellt werde. Unter anderem habe die CNG dafür zu sorgen, dass 1000 Dixie-Toiletten auf dem Gelände aufgestellt werden. 450 Tonnen Müll müssen nach dem Festival entsorgt werden. Dass Capricorn parallel zu den Verhandlungen mit Lieberberg Gespräche mit anderen Veranstaltern geführt hat, bezeichnet Schumacher als legitimen Prozess. „Das ist das Prinzip des Wettbewerbs.“ Der fiel letztlich zugunsten der DEAG aus – die sich die Gewinne aus dem Festival teilen. Schwenkow: „Wir machen es einfach: fifty-fifty.“

Zwei Konzertmanager sind mit im Boot

Umfrage
Umfrage: Name “Grüne Hölle„ – gut oder nicht gut?

Der neue Name für das neue Festival am Ring – sagen wir mal: er “polarisiert". Deshalb fragen wir hier ganz einfach: Ist er gut?

Ja
33%
117 Stimmen
Nein
59%
208 Stimmen
Weiß noch nicht...
8%
26 Stimmen

Damit es am Ring künftig in der „Grünen Hölle“ ordentlich rockt, hat sich der Konzertveranstalter zwei Partner aus der Branche zur Seite geholt: Ossy Hoppe, Geschäftsführer der Konzertagentur Wizard Promotions, die er mit Sohn Oliver Hoppe leitet, stellt der DEAG-Chef als „Mister Hardrock“ vor. Schließlich sei Hoppe der Wegbereiter des Hardrocks in Deutschland, er hat Bands wie Black Sabbath oder Metallica unter Vertrag – letztere waren bei Rock am Ring quasi Dauergäste auf der Bühne und sind auch jetzt bei der letzten Auflage des Festivals am Ring wieder gebucht.

Hoppe freut sich darauf, die „lange Tradition an Rockmusik hier in der Eifel fortführen zu können“, wie er sagt. Dass er parallel dazu noch geschäftliche Verbindungen zu Marek Lieberberg unterhält, kommentiert er mit einem Schulterzucken. „Wir sind Profis, damit müssen wir umgehen.“

Von einem neuen Kapitel, das in der langen Geschichte eines Rockfestivals am Ring aufgeschlagen wird, spricht auch Stuart Galbraith, einer der führenden Konzertveranstalter Großbritanniens. Seine Agentur Kilimanjaro Live ist vor Kurzem eine Partnerschaft mit der DEAG eingegangen. Galbraith ist routiniert darin, große, mehrtägige Festivals zu veranstalten – ein Know-How, auf das Konzertveranstalter DEAG gern zurückgreift: Schließlich, so betont Peter Schwenkow, wollen „wir die neue Herausforderung namens ,Grüne Hölle' im Team bewältigen“.