Archivierter Artikel vom 24.08.2010, 08:22 Uhr
Mainz

Mediziner: „Keine 100-prozentige Garantie“

Obwohl auch die niedergelassenen Mediziner meist nicht mehr wussten als die Öffentlichkeit – viele Eltern von kleinen Uni-Kinderklinikpatienten wandten sich am Montag besorgt an ihre Kinderärzte: Ist mein Kleines im Krankenhaus sicher? Kann sich eine Katastrophe wie die der bakterienverseuchten Infusionen wiederholen?

Die Zentralapotheke der Universitätsmedizin in Mainz: In deren Reinraum  wurden seit dem Jahr 2000 mehr als 90 000 Infusionslösungen hergestellt –  bis Samstag gab es nie Probleme.
Die Zentralapotheke der Universitätsmedizin in Mainz: In deren Reinraum wurden seit dem Jahr 2000 mehr als 90 000 Infusionslösungen hergestellt – bis Samstag gab es nie Probleme.

Mainz. Obwohl auch die niedergelassenen Mediziner meist nicht mehr wussten als die Öffentlichkeit – viele Eltern von kleinen Uni-Kinderklinikpatienten wandten sich am Montag besorgt an ihre Kinderärzte: Ist mein Kleines im Krankenhaus sicher? Kann sich eine Katastrophe wie die der bakterienverseuchten Infusionen wiederholen?

Von unserer Redakteurin Brigitte Specht

„Wo Menschen arbeiten, sind Fehler nie ausgeschlossen„, sagt Dr. Hubert Holz, der als Hygienebeauftragter am Katholischen Klinikum Mainz (KKM) über die Sicherheit von Medikamenten und Medizinprodukten wacht. Anders als bei der Universitätsmedizin kommen beim KKM allerdings nur fertige Infusionen zum Einsatz. „Bei korrekter Anwendung, also desinfizierten Händen und sofortiger Verwendung nach Öffnung, ist damit die Wahrscheinlichkeit einer Verunreinigung extremst gering.“

Auch bei selbst zubereiteten Flüssigkeiten, wie sie die Apotheke der Universitätsmedizin für Patienten individuell anfertigt, sei das Infektionsrisiko „sehr gering„, meint Holz. Dennoch, auch bei engmaschigen Qualitätskontrollen, wie sie in beiden Häusern üblich sind: „Eine 100-prozentige Garantie gibt es nicht.“ Zumal eine Verkeimung unter Umständen erst Tage nach der Herstellung – und damit auch nach der Verwendung – des Präparats erkennbar ist.

Ähnlich sieht das Professor Markus Knuf, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche in den Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK). Auch hier werden einige kleine Patienten durch Infusionen ernährt – jeden Tag im Durchschnitt zehn. Als Einrichtungen der Maximalversorgung diagnostizieren und behandeln beide Häuser alle Krankheiten von Kindern und Jugendlichen, die es gibt. Entsprechend stellen auch die HSK individuelle Medikamente und Ernährungslösungen für bestimmte Patienten her.

In Wiesbaden allerdings funktioniert dies anders als in Mainz: „Wir haben bei unseren Intensivstationen sterile Werkbänke„, berichtet Knuf. Nach Maßgabe der so genannten Reinraumtechnik werden dabei unter sterilen Bedingungen in verglasten Boxen individuelle Arzneien zubereitet – räumlich und zeitlich nah am Gebrauch.

Diese dezentrale Zubereitung ist sehr personalintensiv. „Werden in einer Zentralapotheke sämtliche Präparate zubereitet, verpackt, mit Schläuchen versehen und verteilt, ist das rationeller und damit auch kostengünstiger“, erklärt Knuf, der das Mainzer Verfahren aus einer früheren Tätigkeit in der Universitätsmedizin kennt. Der Nachteil ist dabei: Gibt es Hygieneprobleme, betreffen diese gleich mehrere Arzneien und damit Patienten, so Knuf.

„Das soll aber keineswegs bedeuten, dass eine Zentralapotheke eine Sollbruchstelle bei der individuellen Medikamentenherstellung ist„, betont der Professor. Vielmehr hänge es von den lokalen Bedingungen ab, welche Methode geeigneter sei. Für den Mediziner steht fest: Beide Häuser arbeiteten „mit größtmöglicher Sterilität“. Dass nun in Mainz eine Charge „hunderttausendfach verwendeter Infusionen„ verunreinigt war, „macht mich tief betroffen“.