Archivierter Artikel vom 03.06.2013, 07:00 Uhr
Johannes XXIII

Johannes XXIII.: Ein leutseliger Reformer

gilt heute als „guter Papst“, der leutselig auf Menschen auch jenseits der katholischen Kirche zuging und umfassende Reformen in der katholischen Kirche einleitete. Als erster Pontifex erkannte er die Gültigkeit der Menschenrechte für die katholische Kirche an. Mit der Enzyklika „Pacem in terris“ legte er die Grundlagen für Friedensengagement aus katholischem Geist.

Jahrestag: Am 3. Juni 1963 starb der Papst, der nur drei Monate nach seiner Wahl das Zweite Vatikanische Konzil einberief
Jahrestag: Am 3. Juni 1963 starb der Papst, der nur drei Monate nach seiner Wahl das Zweite Vatikanische Konzil einberief

Über den Aufbruch der Kirche in das moderne Zeitalter gerieten seine äußerst konservativen Grundeinstellungen etwa in Frauenfragen in Vergessenheit. Er starb am 3. Juni 1963. Der Abt der römischen Basilika St. Paul vor den Mauern, Edmund Powers, lud in den vergangenen Jahren Vertreter anderer Kirchen gern zum „ökumenischen Aperitif“ in einen Saal gegenüber dem Refektorium ein.

An diesem Ort berief Johannes XXIII. am 25. Januar 1959 – knapp drei Monate nach seiner Wahl zum Papst – das Zweite Vatikanische Konzil ein. Zu den grundlegenden Reformen der Versammlung von Bischöfen aus aller Welt gehörten die Anerkennung der Religionsfreiheit und die Öffnung für den Dialog mit anderen Kirchen. Ohne das vom Papst gewünschte Konzil hätte es den regelmäßigen ökumenischen Aperitif und das daran anschließende gemeinsame Abendessen im Refektorium mit schweigenden Benediktinermönchen nicht gegeben.

Bis heute herrscht in der katholischen Kirche Uneinigkeit darüber, ob das von Johannes XXIII. einberufene Konzil einen Bruch mit Traditionen der Vergangenheit bedeutet oder sämtliche Lehren unverändert ließ. Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, verkörpert der damalige Papst wie kein anderer bis heute miteinander im Konflikt befindliche Widersprüche. Nicht unähnlich seinem aktuellen Nachfolger Franziskus war Johannes wegen seines bescheidenen Auftretens beliebt, mit dem er die Kirche von verkrusteten Strukturen zu befreien schien.

Im Alter von fast 77 Jahren wurde er 1958 als Kompromisskandidat zum Nachfolger von Pius XII. gewählt, dem umstrittenen Papst der Hitlerzeit. Für den mittlerweile verstorbenen Kardinal Silvio Oddi war Johannes der „sturste Konservative, den Gott je auf Erden erschaffen hat“. Der ehemalige Kurienkardinal notierte in seinen Memoiren, wie Papst Johannes XXIII. die Forderung, die Tracht von Ordensfrauen zeitgemäßer zuzuschneiden, als Versuch einer Zerstörung der Kirche ablehnte.

„Um kirchlichen Vorstellungen zu genügen, aß er nie mit seiner Schwester zu Mittag, denn einem Priester stand es nicht an, mit einer Frau am Tisch zu sitzen. Er ließ sie lieber in der Küche mit den Hausangestellten die Mahlzeiten einnehmen.“ Der 1881 in Sotto il Monte („Unter dem Berg“) bei Bergamo geborene Angelo Roncalli wuchs als Sohn einer Bauernfamilie auf, bevor er zunächst in seiner Heimatstadt und später in Rom Theologie studierte.

Während des Ersten Weltkriegs war der 1904 zum Priester geweihte Sekretär des damaligen Bischofs von Bergamo Sanitäter und Militärgeistlicher. In den 20er-Jahren begann seine Karriere im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls in Bulgarien. Für den späteren Papst zielten Ökumene und interreligiöser Dialog jedoch auf die Bekehrung der Gesprächspartner zum katholischen Glauben ab. In seiner Rede zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils nannte Johannes es daher äußerst schmerzhaft, „dass bisher der größte Teil der Menschheit noch nicht von den Quellen der göttlichen Gnade lebt, die in der katholischen Kirche fließen“.

In Begegnungen mit US-Präsidenten und dem Schwiegersohn von Nikita Chruschtschow bemühte er sich um politische Neutralität und Offenheit zugleich. In der Kuba-Krise von 1962 trug der ehemalige Vatikan- Diplomat mit seinem Friedensappell an die USA und die UdSSR zu einer Abwendung des atomaren Bedrohungsszenarios bei.

Ein Jahr später legte Johannes mit seiner Enzyklika „Pacem in terris“ die katholische Kirche auf ihr heutiges Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit fest. Der Mensch habe „Rechte und Pflichten, die unmittelbar und gleichzeitig aus seiner Natur hervorgehen“, hieß es darin.