Archivierter Artikel vom 25.08.2012, 14:14 Uhr
Berlin

Honecker zweifelte nie an sozialistischen Idealen

Stur und ohne Zweifel hielt Erich Honecker an seinen Sozialismus-Idealen fest. „Eine Diktatur, wie man sie der DDR unterstellt, hat so nicht existiert“, notierte der einstige SED-Chef und Vorsitzende des Staatsrates nach Mauerfall und Wiedervereinigung im Berliner Untersuchungsgefängnis.

Geisen

Horst Haitzinger

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Mit 81 Jahren starb der schwer kranke Honecker 1994 in Santiago de Chile.

Vor 100 Jahren, am 25. August 1912, wurde er im saarländischen Wiebelskirchen geboren. Es ist zu erwarten, dass sich aus diesem Anlass seine Witwe Margot (85), früher DDR-Volksbildungsministerin, im Exil wieder mit ihren chilenischen Genossen trifft und die Erinnerung hochhält. In Deutschland erschien hingegen der Band „Es war einmal ein Generalsekretär“. Einer der Witze darin: Warum will Honecker nach Australien? Um zu sehen, wie man mit leeren Beuteln große Sprünge machen kann.

Schon mit zehn Jahren war Honecker bei den Roten Jungpionieren aktiv. Nach der Machtübernahme der Nazis tauchte der kommunistische Funktionär und Dachdeckergehilfe unter. 1935 wurde er verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Kriegsende machte der Mann mit der eisernen Selbstdisziplin in der DDR schnell Karriere.

Am Ende wurde er gestürzt

Zunächst Chef des Jugendverbandes Freie Deutsche Jugend (FDJ), übernahm er 1971 vom entmachteten Walter Ulbricht die Spitzenämter in der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und der DDR-Regierung. Die Flucht Zehntausender DDR-Bürger im Sommer 1989 ließ Honecker kalt. Er tönte, die Mauer werde noch in 100 Jahren stehen. Im Oktober 1989, wenige Wochen vor dem Mauerfall, wurde der reformunwillige Honecker von seinen eigenen Genossen gestürzt.

Nach der Wiedervereinigung wurde der Ex-Spitzenfunktionär mit fünf weiteren SED-Genossen wegen der Todesschüsse auf DDR-Flüchtlinge angeklagt. Zuvor mussten die Honeckers ihre letzte Fluchtstation Moskau verlassen – er wurde nach Berlin gebracht, sie flog nach Chile. Im November 1992 begann der als historisch eingestufte Prozess in Berlin. Zum Auftakt reckte der greise Honecker die geballte Faust in die Höhe. Er sah sich ohne juristische und moralische Schuld.

Doch schon bald ging es nur noch um die medizinischen Probleme des Angeklagten. Zu einer Bewertung der Rolle Honeckers kam das Landgericht nicht mehr. Anfang 1993 verfügte das Berliner Verfassungsgericht die Einstellung des Prozesses gegen den krebskranken Politrentner. Nach 169 Tagen U-Haft verließ er am 13. Januar Deutschland für immer und flog zu seiner Frau sowie zu Tochter Sonja und den Enkeln nach Chile.

Ein kritisches Nachdenken gab es offenkundig nicht bei Honecker. „Die BRD ist kein Rechtsstaat, sondern ein Staat der Rechten“, schrieb er in seinem letzten Tagebuch im Berliner Gefängnis Moabit. Die DDR habe keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Dass an der Grenze auf Menschen geschossen wurde, sei doch nichts Besonderes gewesen.

Honeckers langjähriger Butler, der Ex-Stasi-Hauptmann Lothar Herzog, berichtet in seinem Anfang August erschienenen Buch „Honecker privat“ von einem einsamen Mann. „Manche Wahrheit ließ er nicht mehr an sich heran.“ Honecker sei zudem ungern weit gereist.

Fremde verunsicherten ihn

Am liebsten sei er abends nach Wandlitz zurückgekehrt, in die abgeschottete Wohnsiedlung der SED-Führungsriege. „Die Fremde und Fremde verunsicherten ihn.“ Bei Honecker habe sich im Laufe der Jahre die Bescheidenheit verloren, befindet der Ex-Personenschützer heute. Ob löslicher Nescafé oder Honig von Langnese – alles sei beschafft worden. Nur wenn Honecker in der sowjetischen Botschaft mal Wodka trank, sei er aus sich herausgegangen. Ansonsten galt: „EH zeigte nie Gefühle.“