Archivierter Artikel vom 10.01.2014, 01:30 Uhr
Las Vegas

Haushalt 2.0: Der vernetzte Alltag

Die CES in Las Vegas ist die wichtigste Computermesse in den USA. Immer mehr Alltagsdinge werden von der digitalen Revolution erfasst – vom automatisch fahrenden Auto bis zur Schokoladenkugel, die in der Küche künftig aus dem 3 D-Drucker kommt.

Lenovo zeigt auf der CES in Los Angeles einen erschwinglichen 4K-Monitor – das Bild ist viermal so hochauflösend wie Full HD.
Lenovo zeigt auf der CES in Los Angeles einen erschwinglichen 4K-Monitor – das Bild ist viermal so hochauflösend wie Full HD.
Foto: Lenovo

Unser Digitalchef Marcus Schwarze nimmt eine Auswahl dieser Neuheiten unter die Lupe.

Der große Trend aber sind 3 D-Drucker, mit denen sich beispielsweise auch eine Schokokugel herstellen lässt.
Der große Trend aber sind 3 D-Drucker, mit denen sich beispielsweise auch eine Schokokugel herstellen lässt.
Foto: Marijn Roovers

Lebensmittel wie gedruckt

Daneben erobern künftig Apps das herkömmliche Autoradio, sodass man auch unterwegs im Wagen aufs Internet zugreifen kann.
Daneben erobern künftig Apps das herkömmliche Autoradio, sodass man auch unterwegs im Wagen aufs Internet zugreifen kann.
Foto: Google

Neuartige 3 D-Drucker können sogar Lebensmittel verarbeiten. Mithilfe einer entsprechenden Vorlage am Computer druckt ein spezieller Drucker dreidimensionale Objekte – wie einen Globus aus verschiedenen essbaren Bestandteilen (Foto rechts). Äußerlich ist die Miniatur- Weltkugel mit Schokolade bestückt, im Inneren warten andere Süßigkeiten. Erstellt hat das merkwürdige Gebäck Marijn Roovers aus den Niederlanden – mithilfe eines 3 D-Druckers für Lebensmittel.

Ein weiterer Höhepunkt: die Pebble Steel, eine Uhr mit Netzzugang.
Ein weiterer Höhepunkt: die Pebble Steel, eine Uhr mit Netzzugang.
Foto: Pebble

4 K-Fernsehen

Und: die Zahnbürste, die künftig Kontakt mit dem Handy aufnimmt. Dabei werden Daten übermittelt, sodass man kontrollieren kann, wie gut die Zähne geputzt werden.
Und: die Zahnbürste, die künftig Kontakt mit dem Handy aufnimmt. Dabei werden Daten übermittelt, sodass man kontrollieren kann, wie gut die Zähne geputzt werden.
Foto: dpa

Wer dachte, mit HD-Fernsehen sei bei der Auflösung von Fernsehern auf viele Jahre der Standard gesetzt, der irrt: Im größeren Stil werden nun sogenannte 4 K-Fernseher gezeigt. Von Lenovo gibt es etwa bereits einen 28-Zoll-Bildschirm mit der 4 K-Auflösung für 799 Euro. „4 K“ bedeutet dabei 3840 x 2160 Pixel. Zum Vergleich: Herkömmliches Full HD verfügt über 1920 x 1080 Pixel. Die neuen Bildschirme sind also viermal so hochauflösend wie HD.

Das Ergebnis sind nochmals geschärfte, klarere Videobilder – als würde man aus dem Fenster blicken und dort eine professionell ausgeleuchtete Landschaft sehen. Doch wird 4 K nicht automatisch der Standard: Die Internationale Fernmeldeunion hat stattdessen Ultra High Definition TV als künftiges Videoformat bezeichnet, das entweder mit 4 K oder gar 8 K Auflösung erscheint (7680 x 4320 Pixel). Das Problem bei diesen neuen Formaten sind die mangelnden Inhalte – noch gibt es kaum Filmmaterial in dieser Qualität. Und zum Ausstrahlen taugen die wenigen verfügbaren Spielfilme lediglich per Internet- Stream.

So plant der US-Sender Netflix, zwei Episoden „House of Cards“ in 4 K per Internet zu senden, und in Japan will ein Kanal ab 2016 in 8 K via Satellit senden. In hiesigen Elektronikmärkten sind UHDFernseher bereits von Samsung und Co. zu sehen – in einer Preisklasse ab 3000 Euro.

Gebogene Fernseher

Neben der besseren Auflösung rücken die Größe und die Eigenschaften neuer Fernseher in den Vordergrund: LG zeigt einen Fernseher mit einer Diagonale von 2,65 Metern (105 Zoll) und einer Auflösung von 5120 x 2160 Pixeln – und der Besonderheit, dass das Display in Richtung Betrachter gebogen ist. Damit wird der Betrachtungswinkel an den Rändern des Bildes verbessert.

Den Preis ließ das Unternehmen bisher offen – „Computer- Bild“ spekuliert über den Preis eines Kleinwagens.

3 D-Drucker mit Top-Qualitäten

In Baumärkten auch in Deutschland sind sie längst Realität: 3 D-Drucker erstellen aus Dateien und schlauchförmig aufgewickeltem Rohmaterial dreidimensionale Objekte vom Schlüsselanhänger bis zum Baumaschinenersatzteil.

Künftig werden diese Geräte Massenware: Auf der CES zeigt beispielsweise Makerbot einen „Replicator Mini“, der für 1375 Euro aus digitalen Vorlagen Objekte herstellt. Plastik ist dabei das hauptsächlich verwendete Material, das im Gerät verflüssigt und dann Schicht für Schicht millimetergenau aufgetürmt wird. Auch Metall und Keramik sind als Grundstoff denkbar sowie Lebensmittel. Der italienische Pasta- Hersteller Barilla will Köchen laut einem Bericht der „WAZ“ einen solchen Drucker als Hilfsgerät anbieten, mit dem sie Pizza- und Pasta- Formen generieren können, die es heute noch nicht gibt.

Ingenieure der technischen Universität in Eindhoven arbeiten daran. Dann gibt es Lasagne in Herzform oder Pizza als schiefer Turm von Pisa. Günstigere Geräte für den Hausgebrauch arbeiten nur mit Kunststoff. Die abgebrochene Schraube am Gartensprenger oder die ungewöhnliche Lampenskulptur lässt sich damit durchaus herstellen – vorausgesetzt, man verfügt über die entsprechende 3 D-Dateivorlage. Die Nutzungsrechte für solche Dateivorlagen stehen auf einem anderen Blatt: Eigene Lego-Bausteine etwa wird man sich nicht einfach zusammenstellen und drucken können.

Doch dürften die großen 3 D-Drucker durchaus den Ersatzteilhandel beflügeln.

Zahnbürste kontaktiert Handy

Wo alles mit jedem vernetzt wird, sind auch skurrile Verbindungen möglich: Die Zahnbürste nimmt künftig Kontakt mit dem Handy auf. In einer App werden dabei die Daten der elektrischen Zahnbürste ausgewertet – und Informationen über Dauer und Häufigkeit des Zähneputzens gespeichert. Anschließend kann man auswerten, wie gut die Zähne geputzt werden. Das hat allerdings seinen Preis: Die Technik kostet rund 180 Dollar.

Computer im Auto

Eine Allianz von Autoherstellern und IT-Konzernen hat sich in Las Vegas zusammengefunden, um bessere Computertechnik ins Auto zu bringen. General Motors, Hyundai, Audi und Honda wollen gemeinsam mit Google und Nvidia das Betriebssystem Android funktionstüchtig unter der Windschutzscheibe bereitstellen.

Android läuft bisher auf Handys und Tablet-PCs sowie vereinzelt als Fernseher- Software. Künftig will man im Auto das ganze Spektrum der digitalen Unterhaltung und Information bereitstellen. Neben Musik und Videos für Mitreisende ist an eine bessere Vernetzung mit Stauinformationen gedacht. Als vollwertiges Internetgerät werden die einstigen „Autoradios“ zum Vorleseprogramm für E-Mails, Nachrichten und zum Terminkoordinator.

Damit der Fahrer nicht zu sehr von Facebook und Co. abgelenkt wird, werden mehr und mehr Techniken für das selbst fahrende Auto serienreif. Selbstständiges Einparken in eine Parklücke gelingt schon heute. Gepaart mit der Navigationssoftware im Auto, dem Abstandhalter sowie dem Tempomat fürs Beibehalten einer gleichmäßigen Geschwindigkeit entsteht so neuer Freiraum für den Fahrer. Und mit speziellen Prozessoren verarbeitet das Auto ständig in Echtzeit Liveaufnahmen aus der Umgebung des Autos, überwacht tote Winkel und erkennt Straßenschilder und Fußgänger.

Apple hat eine ähnliche Allianz mit BMW, Daimler, Ferrari und Audi im Sommer 2013 vorgestellt: „iOS in the Car“ soll das Apple- System ins Auto bringen. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ arbeitet Google außerdem mit dem Autozulieferer Continental zusammen, um Verkehrsdaten gemeinsam in Rechenzentren auszuwerten und neue Dienste bereitzustellen.

Computer am Handgelenk

Früher nannte man es Uhr, heute ist es ein mit zahllosen Funktionen ausgestatteter Computer, den man sich ans Handgelenk binden kann – und der in der IT-eigenen Sprache als „wearable technology“ präsentiert wird. Diese „tragbare Technik“ besteht aus einem Minibildschirm und ein paar Tasten am Rande der neuen Digitaluhren. Die „Pebble Steel“ war eine der am meisten beachteten neuen Uhren. Damit lassen sich dank neuer Apps Präsentationen fernsteuern, der eigene Schlaf kann überwacht werden, oder eine E-Mail wird angezeigt.

Ein eigener App Store macht es möglich, neue Software auf die Uhr aufzuspielen. Mittels Kabel, das magnetisch festgehalten wird, lässt sich die Verbindung zum Computer oder Ladegerät einrichten. Insbesondere das Laden hat die 249 Dollar teure Uhr dringend nötig: Berichten zufolge hält der Akku wenig länger als einen Tag. In Deutschland kommt die Pebble Steel zunächst nicht auf dem Markt.

Und wer sich die Uhr in den USA bestellt, bekommt wahrscheinlich Probleme mit dem deutschen Zoll, weil die Bluetooth-Funktechnik der Uhr, für die hierzulande eine besondere Konformitätserklärung notwendig ist, nicht ausreichend dokumentiert wird.

Computer in der Hosentasche

Von den zahlreichen Neuheiten auf der US-amerikanischen Messe sticht eine als Trend heraus: Nach Samsung und HTC hat auch Sony eine neue verkleinerte Version seines Top-Smartphones vorgestellt. Das Xperia Z1 Compact ist der kleine Bruder seines etablierten großen Sony-Handys Z und Z1. Der Bildschirm misst 4,3 statt 5 Zoll und zeigt eine geringere HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel statt 1920 x 1080 Pixel). Dafür läuft in dem Smartphone ein Computer mit 2,2 Gigahertz und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher – fast wie in einem etwas älteren Tisch-PC. Enthalten ist eine Kamera mit erstaunlichen 20,7 Megapixeln. Der Preis soll 499 Euro betragen.