Archivierter Artikel vom 10.04.2010, 08:30 Uhr
Polch

Griesson: Der Kunde lässt sich nicht austricksen – RZ-Interview

Griesson-de Beukelaer gehört mit einem Umsatz von 481 Millionen Euro zu den größten Süßwarenherstellern in Deutschland. Vor allem in dieser Branche haben die Hersteller viele Verpackungsgrößen geändert. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Firmensprecher Peter Gries, warum die Macher der Prinzen-Rolle Gewichtsänderungen nicht grundsätzlich ausschließen.

Keine Schrumpf-Rolle geplant: Griesson behält die Maße vorerst bei.
Keine Schrumpf-Rolle geplant: Griesson behält die Maße vorerst bei.

Polch – Griesson-de Beukelaer gehört mit einem Umsatz von 481 Millionen Euro zu den größten Süßwarenherstellern in Deutschland. Vor allem in dieser Branche haben die Hersteller viele Verpackungsgrößen geändert.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Firmensprecher Peter Gries, warum die Macher der Prinzen-Rolle Gewichtsänderungen nicht grundsätzlich ausschließen.

Hat Griesson-de Beukelaer in den vergangenen zwölf Monaten seine Größen verändert?

Nein, weil es dafür keine Notwendigkeit gab. Aber natürlich muss man schauen, was der Markt verlangt, und wenn beispielsweise Singlehaushalte kleinere Größen bevorzugen, kann es auch die 100-Gramm-Packung statt 250 Gramm sein. Krumme Gewichtszahlen wie 96,4 gibt es aber nicht.

Würde sich der logistische Aufwand für die Umstellung auf leicht reduzierte Gewichte überhaupt lohnen?

Es lohnt sich letztlich gar nicht, die Verpackungen zu ändern, nur um eine leicht verbesserte Preisstellung zu erreichen. Entscheidend ist, wie mein Produkt im Markt angesiedelt ist und welche Preisschwellen ich beachten muss.

Das heißt konkret?

Für den Verbraucher spielt es laut Marktforschung schon eine Rolle, ob ein Produkt 99 Cent oder über einen Euro kostet. Wenn ein Produkt also auf beispielweise 1,05 Euro kalkuliert ist, sollte man überlegen, ob man weniger hineinpackt, um unter die Ein-Euro-Grenze zu kommen.

Das heißt, in Zukunft könnten die Gewichte bei gleichem Preis reduziert werden?

Durch höhere Rohstoffpreise und Inflation wird eine Preiserhöhung irgendwann sicher nötig. Dies über die Füllmenge statt über den Endpreis abzufangen, wäre eine praktikable Lösung. Natürlich muss das Preis-Leistungs-Verhältnis auch bei dieser Veränderung weiterhin stabil bleiben. Aus Studien wissen wir, dass der Verbraucher eine Gewichtsreduzierung in Kauf nimmt, wenn er dafür denselben Preis zahlt.

Die Verbraucherzentralen werfen einigen Lebensmittelherstellern hingegen vor, mit neuen Packungsgrößen verdeckte Preiserhöhungen durchgeführt zu haben.

Das muss man im Einzelfall prüfen. Die Liberalisierung der Packungsgrößen pauschal mit verdeckten Preiserhöhungen zusammenzubringen, greift sicherlich zu kurz.

Wie viel Transparenz kann man von Herstellern zu Größen und Preisen verlangen?

Die Verbraucher wollen heute ganz genau wissen, wie viel und vor allem was in einem Produkt drinsteckt. Deshalb gehen wir damit sehr offen um: Alle Daten sind auf unseren Packungen schnell und gut lesbar, weitere Informationen dazu gibt es im Internet. Zudem ist in den Läden auch immer der Grundpreis angegeben.

Wollen Sie Preisänderungen ebenso transparent machen?

Der Konsument ist alles andere als dumm, und deshalb sollte man ihn auch nicht dafür halten. Letztlich ist außerdem das Vertrauen zwischen einer Marke und deren Verbraucher sehr wichtig. Tricksereien wären deshalb langfristig sehr schädlich.

Das Gespräch führte Peter Lausmann