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Koblenz

Bilanz der Befürchtungen und Hoffnungen: Die meisten Buga-Träume wurden wahr

Schuldenfalle, Millionengrab, Blümchenschau für Rentner – oder doch Konjunkturprogramm, Leitmotiv und Großchance für die Stadtentwicklung? Im Vorfeld war die Entscheidung, die Bundesgartenschau nach Koblenz zu holen, sehr umstritten. Entsprechend eng fiel das Abstimmungsergebnis im Stadtrat aus. Was waren die Befürchtungen der Gegner, was waren die Hoffnungen der Befürworter – und was wurde daraus?

Koblenz. Schuldenfalle, Millionengrab, Blümchenschau für Rentner – oder doch Konjunkturprogramm, Leitmotiv und Großchance für die Stadtentwicklung? Im Vorfeld war die Entscheidung, die Bundesgartenschau nach Koblenz zu holen, sehr umstritten. Entsprechend eng fiel das Abstimmungsergebnis im Stadtrat aus. Was waren die Befürchtungen der Gegner, was waren die Hoffnungen der Befürworter – und was wurde daraus?

Das waren die Befürchtungen

Vier Sorgen wurden von Skeptikern und Gegnern der Gartenschau in der Diskussion besonders häufig angeführt:

  • Die Buga wird ein wirtschaftlicher Flop für die Stadt.

Die Beispiele vieler Buga-Vorgänger ließen kaum auf Gewinne hoffen. Tatsächlich hat die Buga rund 13 Millionen Euro mehr erwirtschaftet, als ihre Vorgabe war. Es bleiben die Zuschüsse vom Land (49 Millionen Euro) und der Eigenanteil der Stadt (28 Millionen Euro), die sich nicht wegdiskutieren lassen. Aber: Das Geld ist gut angelegt, wurde in die Infrastruktur und in die touristischen Glanzlichter der Stadt gesteckt und lässt diese jetzt richtig strahlen.

Fazit: Von einem wirtschaftlichen Flop kann keine Rede sein.

  • Mit der Buga erstickt die Stadt im Verkehrschaos.

Millionen von Besuchern, die sich zusätzlich mit Autos und Bussen durch die Stadt quälen? Da ist doch Chaos programmiert, meinten die Gegner. Und noch vor der Buga, mit vielen Baustellen in der Stadt und der Teilsperrung der hochfrequentierten Europabrücke, schien sich das auch zu bewahrheiten. Während der Buga selbst aber lief es reibungslos auf den Straßen.

Fazit: Das Verkehrschaos blieb während der Buga aus.

  • Für die Anwohner wird es gar keine Parkplätze mehr geben.

Schon vor der Gartenschau waren freie Parkplätze in der Stadt eine Rarität. Mit der Umgestaltung fielen weitere weg. Demgegenüber stehen neue Parkplätze in der Tiefgarage Schloss – aber mit den damit verbundenen Kosten.

Fazit: Für Anwohner ist die Parkplatzsuche tatsächlich noch schwieriger geworden.

  • Die Buga kommt – und für alles andere in der Stadt wird der Geldhahn zugedreht.

Das Millionen-Budget mit hohem städtischen und Landesanteil weckte bei Skeptikern große Sorgen. Und Tatsache ist, dass an neue Großprojekte – neben denen, die bereits laufen – nicht zu denken ist. Das liegt auch an den Kosten der Buga, aber wahrlich nicht nur. Und die notwendigsten Dinge laufen trotzdem weiter. Zu berücksichtigen ist: Viele der Baumaßnahmen im Zuge der Gartenschau waren ohnehin lange überfällig – und nur mit der Buga möglich. Und die Aufbruchstimmung in Koblenz ist für sich auch ein hoher Wert, wenn auch nicht in einer nüchternen Bilanzrechnung.

Fazit: Die Kosten der Buga drücken auf den Haushalt der Stadt, es hat sich aber gelohnt.

Das waren die Hoffnungen

Letztlich behielten die Befürworter der Buga im Stadtrat die Oberhand. Sie knüpften folgende vier Hoffnungen an die Schau:

  • Die Buga wird das Leitmotiv, das Koblenz verändert.

Diese Idee stand für den wichtigsten Fürsprecher, Alt-Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann, am Anfang aller Überlegungen. Und tatsächlich ist die Stadt kaum wiederzuerkennen. Besonders eindrucksvoll ist aber auch, wie sich das Lebensgefühl und die Beziehung der Koblenzer zu ihrer Stadt verändert haben.

Fazit: Die Hoffnung hat sich erfüllt.

  • Die Buga wird ein Konjunkturmotor für die Stadt.

Deutschland mitten in der Finanzkrise – und in Koblenz waren die Auftragsbücher der Firmen voll wie nie. Es wurde nicht gejammert, es wurde gebaggert, es wurde gebaut und gepflanzt. Und es wurde investiert – und zwar nicht nur mit öffentlichen Mitteln. Für jeden Euro aus dieser Kasse kamen nach Einschätzung der Landesregierung fünf aus Privatinvestitionen in der Region hinzu.

Fazit: Die Buga kam als Investitionsprogramm zur rechten Zeit.

  • Die Buga wird helfen, Altlasten zu beseitigen.

Die Rheinpromenade? In die Jahre gekommen. Der Schlossvorplatz? Ein Parkplatz. Der Schlosspark? Ein Angstareal und Junkietreff. Das Schloss selbst? Ein reiner Behördensitz. Für diese und viele weitere Stellen wäre die Bestandsaufnahme vor der Buga wenig schmeichelhaft ausgefallen. Jetzt wurden die wichtigsten touristischen Leckerbissen richtig aufgemöbelt.

Fazit: Vieles ist mit der Buga sehr viel schöner geworden.

  • Wer zur Buga nach Koblenz kommt, der kommt wieder.

Die Rückmeldungen und Befragungen der Besucher zeigen, dass sich das Ansehen der Stadt bei vielen Besuchern deutlich gewandelt hat. Und auch vorher schon waren Koblenz und sein Umland beliebte Reiseziele. Auch wenn ein Blick in die Zukunft natürlich nicht möglich ist: Für den Tourismus war die Buga sicher ein riesiger Anschub.

Fazit: Die Gartenschau als Spitzen-Werbung: Alles andere als steigende Besucherzahlen wäre eine echte Überraschung.

Eine Analyse von unserem Koblenzer Redaktionsleiter Ingo Schneider

Bundesgartenschau 2011
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