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Becherbach/Pfalz

Arsenal in Becherbach: Pulver-Kurt nimmt sich Rechtsanwalt

Die hochexplosiven Substanzen sind gesprengt, die Evakuierung ist aufgehoben. Und langsam kehrt in das 550 Einwohner kleine Becherbach bei Meisenheim Ruhe ein. Nun dreht sich alles um Militaria-Fan Kurt N. (62) aus dem 15 Kilometer entfernten Hundsbach. "Pulver-Kurt" befindet sich derzeit in stationärer Behandlung. Mittlerweile nahm er sich einen Rechtsanwalt, der Akteneinsicht beantragte.

Becherbach/Pfalz – Die hochexplosiven Substanzen sind gesprengt, die Evakuierung ist aufgehoben. Und langsam kehrt in das 550 Einwohner kleine Becherbach bei Meisenheim (Kreis Bad Kreuznach) Ruhe ein. Nun dreht sich alles um Militaria-Fan Kurt N. (62) aus dem 15 Kilometer entfernten Hundsbach. Er legte über Jahre hinweg in einer 90 Quadratmeter großen Scheune im Becherbacher Oberdorf die bundesweit wohl größte private Waffen- und Munitionssammlung an.

Am Freitagmorgen hatten Polizeiermittler das Lager entdeckt, das zweite innerhalb einer Woche. "Pulver-Kurt" befindet sich derzeit in stationärer Behandlung. Mittlerweile nahm er sich einen Rechtsanwalt, der Akteneinsicht beantragte. Solange ist nicht damit zu rechnen, dass sich Kurt N. zu dem Fall äußert, vermutet Oberstaatsanwalt Paul Scheidner.

Der Bürgermeister von Becherbach, Manfred Denzer, wirkt jetzt deutlich entspannter als in den vergangenen Tagen. Denzer berichtet: "Die sehr große Anspannung ist inzwischen weitgehend verflogen. Die Bewohner und ich selbst sind erleichtert. Nicht auszudenken, was in unserem Dorf hätte passieren können. Dies wird uns von Tag zu Tag klarer." Der 57-Jährige rät: "In den Dörfern sollten aus den Geschehnissen Lehren gezogen werden. Wenn leer stehende Gebäude vermietet werden, sollte der Eigentümer prüfen, was eingelagert werden soll und wird."

Auch Ministerpräsident Kurt Beck und Innenminister Karl Peter Bruch (beide SPD) appellieren an die Bevölkerung, grundsätzlich aufmerksam zu sein und der Polizei umgehend eventuelle Auffälligkeiten zu melden. Beck: "Ein solches Waffenarsenal und eine solche Anhäufung von Munition sind kein Kavaliersdelikt."

"Das war schlimm", fassen die Becherbacherinnen Inge Neubrech und Ursel Gabbert die Stimmung im Dorf noch Tage nach der Evakuierung zusammen.

"Wir wussten ja nicht, was jetzt passiert, von einem auf den anderen Moment mussten wir unsere Häuser verlassen." Gar nicht ausmalen möchten sie sich, was hätte passieren können. So wie vor zwei Jahren, als eine Silvesterrakete eine Scheune im benachbarten Gangloff in Brand steckte. "Was, wenn das mit dem Waffenlager in Becherbach passiert wäre?", fragen sie sich sorgenvoll. mz/kd

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