Archivierter Artikel vom 28.01.2013, 09:17 Uhr
Mainz

Und beschütze mich vor den Daten, Amen

Heute ist der Europäische Datenschutztag. Damit soll daran erinnert werden, wie wichtig es ist, das zu schützen, was in der amerikanischen Verfassung so schön das „Recht auf Alleinsein“ heißt.

Zeichnung: Klaus Wilinski
Zeichnung: Klaus Wilinski

Besonders kluge Sprachdenker wenden ein, dass das Wort eigentlich Unfug ist, weil es bei „Datenschutz“ nicht um den Schutz von Daten, sondern um den von Menschen geht. Stimmt. Aber unser Leben ist voll solchen Macken. Auch „Zitronenfalter“ können mit ihren spindeldürren Beinchen nur in Ausnahmefällen Zitronen falten. Und „Brüderle“ hat mit „Brüderlichkeit“ nur den Wortstamm gemeinsam, wie man in der vergangenen Woche wieder mal beobachten konnte.

Das Recht auf Alleinsein ist wirklich wichtig (nicht nur, wenn man in die Gesellschaft klebrig zudringlicher Spitzenkräfte aus Politik oder Wirtschaft gerät), gerade in Zeiten wild wuchernder Internet- und sonstiger Medien, in denen Facebook, Payback und Konsorten uns am liebsten pausenlos beobachten würden. Vielleicht wird ja gerade ein App gebastelt, das ständig Blutdruck, Herzfrequenz und Hirnströme des Besitzers misst und jeweils passend zur daraus errechneten Verrichtung Nützliches anbietet. Beim Sport poppen Reklamefenster für Funktionswäsche oder Energieriegel auf, beim Sex für Kondome und Hilfsmittel und bei extremen Ausschlägen der Herz- und Hirnwerte Angebote von nahegelegenen Bestattern und Notaren.

Kein Zweifel, wir brauchen Datenschutz. Aber wir brauchen auch den Schutz vor Daten, vor all dem Unnützen, mit dem wir ständig traktiert werden. Man übersieht schnell, dass uns die Medienflut ohne Pause in die Arbeitsspeicher und Hirnwindungen schwappt und dabei riesige Mengen unnützen Krams zurücklässt. Was nützt mir, dass ich jetzt weiß, dass man mit dem Verzehr (oder besser: dem Schlucken) von Buschschweinsperma Dschungelcampkönig werden kann? Deshalb bin ich für die Einführung eines europäischen Tags der Datenlöschung.

Löschen ist beim Computer noch recht einfach, beim Kopf viel schwieriger. Meiner ist zum Beispiel voll nutzloser Dinge, die nicht im Spam-Filter hängen geblieben sind und die ich partout nicht in den Papierkorb bugsieren kann. Zum Beispiel: Heute vor acht Jahren, also am 28. Januar 2005, hat es in der Sahara geschneit.

Büb Käzmann alias Markus Höffer-Mehlmer ist Kabarettist und lebt gerne in Mainz ( www.bueb-kaezmann.de)