Archivierter Artikel vom 15.10.2012, 08:33 Uhr
Mainz

Wir gratuliiiieren . . .

„Liebe Festgemeinde! Wir sind heute hier zusammengekommen, um nach 25 Jahren die silberne Hochzeit von Mainzer und Rhein-Zeitung zu feiern. Ich möchte das Hochzeitsmotto der Beiden in den Mittelpunkt meiner kleinen Ansprache stellen. Alle Menschen machen Fehler, aber Verheiratete merken es schneller.“

Zeichnung: Klaus Wilinski
Zeichnung: Klaus Wilinski

Oh, ich bin wohl eingenickt und hab‘ geträumt. Hab‘ gerade über 25 Jahre Mainzer Rhein-Zeitung nachgedacht. Wie alles anfing. 1987: Ein Medien-Hammerjahr. An Neujahr sendete die ARD Helmut Kohls Ansprache vom Vorjahr noch einmal. Im September moderierte Thomas Gottschalk, so ein großer Blonder, der damals recht intelligente Fernsehunterhaltung machte, zum ersten Mal ‚Wetten, dass …?‘. Und im Oktober erschien die erste Ausgabe der Mainzer Rhein-Zeitung. Ein Grund zum Feiern.

Den hat auch die Bekassine. Der NABU hat die Schnepfe zum Vogel des Jahres 2013 gewählt. Weil die Männchen bei ihren Balz-Sturzflügen die Schwanzfedern meckernd tröten lassen, wird der vom Aussterben bedrohte Sumpfvogel auch „Himmelsziege“ genannt. Deshalb nimmt die Schnepfe neben dem Esel, der falschen Schlange und der Spinatwachtel im Olymp der zoologischen Schimpfwörter einen festen Platz ein.

Und noch mehr Schampus. Wir sind Nobel. Die EU bekommt den Friedensnobelpreis. Für sechs Jahrzehnte Frieden. Das ist verdient und passt. Jetzt wird in Brüssel und den Hauptstädten der EU wie verrückt trainiert. Für die Preisübergabe am 10. Dezember in Oslo. Als Choreografen hat die EU den italienischen Schauspieler Roberto Benigni geholt, der vor Jahren bei seinem Oscar einen immer noch legendären Auftritt hingelegt hat. Ich freu mich schon, wenn Angela Merkel und die übrigen Regierungschefs kreischend aufspringen und mit den Armen rudernd über die Rückenlehnen der Sitze vor ihnen nach vorne balancieren.

Die deutsche Kanzlerin überlegt, ob sie sich für ihre Dankesrede bei Grace Kelly bedient. Als die Fürstin der Herzen und Lesezirkel 1955 den Oscar bekam, hat sie gesagt: „Das ist eine jener Nächte, in denen ich wünschte, ich würde rauchen und trinken.“

Büb Käzmann alias Markus Höffer-Mehlmer ist Kabarettist und lebt gerne in Mainz ( www.bueb-kaezmann.de)