Archivierter Artikel vom 12.02.2013, 06:00 Uhr
Berlin

Politik zollt Papst großen Respekt für Rücktritt – Bundeskanzlerin würdigt Benedikt XVI. als großen Denker

Mit Überraschung und Bedauern haben deutsche Politiker in Berlin auf die Ankündigung Benedikts XVI. reagiert, zum Monatsende als Oberhaupt der katholischen Kirche zurückzutreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einer eilends einberufenen Pressekonferenz am frühen Nachmittag, sie zolle ihm „den allerhöchsten Respekt“ für seine Entscheidung.

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Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Bundestag 2011
Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Bundestag 2011
Foto: DPA

Seinen Besuch im Bundestag am Rande seines Deutschlandbesuchs 2011 bezeichnete die evangelische Christdemokratin als „eine Sternstunde unseres Parlaments“. Bundespräsident Joachim Gauck, der Benedikt XVI. erst vor wenigen Monaten im Vatikan besucht hatte, sagte: „Sein Glaube, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich tief beeindruckt.“

Am Rosenmontag herrscht normalerweise auch im preußischen Berlin Ausnahmezustand. Das Regierungsviertel ist weitgehend wie leer gefegt, wichtige Entscheidungen werden auf die Zeit nach Aschermittwoch verlegt. Deshalb dauerte es zunächst eine Weile, bis die ersten Spitzenpolitiker sich zum Papstrücktritt erklärten.

Die Bundeskanzlerin würdigte Papst Benedikt XVI. auch als großen Intellektuellen. Er sei einer „der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit“. Auch Bundespräsident Joachim Gauck bescheinigte dem Papst, seine hohe theologische Bildung mit einer einfachen Sprache verbunden zu haben. Die stellvertretende CDUBundesvorsitzende Julia Klöckner bezeichnete den Rücktritt als „eine Zäsur“ in der Geschichte der katholischen Kirche, die sich in turbulenten Zeiten befinde. Damit habe Papst Benedikt einen eigenen Akzent im Umgang mit Alter und Krankheit gesetzt.

„Er setzt ein bemerkenswertes Zeichen in unserer älter werdenden Gesellschaft“, sagte Klöckner, die Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist. „Der Rücktritt hat eine versöhnliche Botschaft: dass man auch loslassen und dazu stehen kann, wenn man gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist. Das ist eine tröstliche Botschaft für ein würdevolles Altwerden, keiner muss perfekt sein.“Für Klöckner zeigt sich in der Entscheidung des Papstes dessen „Größe und Verantwortungsbewusstsein zum Wohle seiner Kirche“.

Fast alle führenden Politiker äußerten sich lobend über die knapp achtjährige Amtszeit des deutschen Papstes. „Er ist mit aller Überzeugung dafür eingetreten, dass der christliche Glaube nicht nur Bekenntnis fordert, sondern auch Vernunft und Verantwortung“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sein Wirken nannte sie „herausragend“.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezeichnete Benedikt XVI. als einen „profilierten Pontifex, der seine Kirche engagiert geführt hat und dabei auch kritischen Diskussionen nicht aus dem Weg ging“. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle stellte fest: „Die Menschen in Deutschland, auch diejenigen, die nicht katholischen Glaubens sind, hatten während seines Pontifikats das Gefühl: ,Wir sind Papst'.“ Kritische Töne zum Wirken von Benedikt XVI. kamen von den Grünen. Der parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck bezeichnete das Pontifikat als „verpasste Chance“. Seiner Ansicht nach ist die katholische Kirche in der Amtszeit des deutschen Papstes wieder hinter frühere Erneuerungen „zurückgefallen“.

Von unserer Berliner Korrespondentin Rena Lehmann