Archivierter Artikel vom 13.03.2011, 14:03 Uhr

KOPIE_ID_217886/Kommentar: Der Anfang vom Ende der Atomenergie

Die Folgen der Katastrophe in Japan werden anhaltend ausstrahlen. Für Rhein-Zeitung-Chefredakteur Christian Lindner wird deutlich, dass die Atomkraft nicht verantwortbar ist – und daher damit Schluss gemacht werden muss, wie er kommentiert.

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Autor: Christian Lindner

Die Folgen der Katastrophe in Japan werden anhaltend ausstrahlen. Für Rhein-Zeitung-Chefredakteur Christian Lindner wird deutlich, dass die Atomkraft nicht verantwortbar ist – und daher damit Schluss gemacht werden muss, wie er kommentiert.

Das Erdbeben in Japan erschüttert die Welt. Rund um den Erdball haben Beben und Tsunamis Betroffenheit ausgelöst. Und die Folgen der Katastrophe werden anhaltend ausstrahlen: Weil das Beben den Menschen die Kontrolle über gleich mehrere japanische Atommeiler entrissen hat, dürfte die Entladung der Erdkräfte das Ende des Atomzeitalters beschleunigen. Und das ist gut so.

Der Glaube an die friedliche Nutzung der Kernenergie hat sich als einer der größten Irrtümer der Menschheit erwiesen – für viele schon vor dem Fiasko von Fukushima. Wer jetzt argumentiert, in Japan habe es mit der Dopplung von Beben und Tsunami eine Sonderlage gegeben, wer jetzt darauf verweist, dass Kraftwerkstypen und Meilerstandorte an der Küste Japans nicht mit denen in Mitteleuropa vergleichbar ist, der rast weiter mit Vollgas in eine absehbar endende Sackgasse.

Gewissheit war, ist und bleibt: Atomkraft ist nicht verantwortbar – weil sie das Maß dessen übersteigt, was der Mensch beherrschen kann und anrichten darf. Schon die Förderung von Uran ist problematisch – weil auch sie schon Radioaktivität freisetzt. Schon der Normalbetrieb von Meilern ist heikel – weil wir die Auswirkungen in der Umgebung wahrscheinlich noch gar nicht richt ermessen können. Die möglichen und damit irgendwann auch realen Störfälle schließlich haben potenzielle Folgen, die kein Mensch rechtfertigen kann. Three Mile Island 1979, Tschernobyl 1986 und jetzt Fukushima zeigen, dass wir nicht die Kraft haben, Atomkraft zu beherrschen.

Noch entscheidender aber ist, dass Meiler neben rasch verbrauchter Energie Abfälle produzieren, die teils noch nach Tausenden von Jahren Leben gefährden. Alle daraus resultierenden Fragen sind weder technisch noch ethisch überzeugend beantwortet worden. Seit 57 Jahren wird Atomenergie kommerziell erzeugt. Ein dauerhaftes Endlager aber hat seither keiner der 41 Staaten, die Atomkraft nutzen, realisiert.

Wirklich verwundern kann das nicht: Wie und wo auf dieser Erde wollen wir denn radioaktive Gifte über Tausende Jahre sicher lagern? Man rekapituliere doch einfach nur, wie viele Katastrophen, Konflikte und Veränderungen in den vergangenen 2000, 500 oder auch nur 100 Jahren alle Kulturen, Staaten und Prognosen der Menschheit irgendwann einmal regelrecht zermalmt haben.

Japan ruft uns allen das noch einmal brutal in Erinnerung. Japan belegt: Mit der Atomkraft muss Schluss gemacht werden. Und schon jetzt ist erkennbar: Japan wird die Debatte um die 2010 von Union und FDP verlängerten Laufzeiten der 17 Meiler in Deutschland neu anheizen. Es macht zornig, dass nüchternes Abwägen dafür nicht reichte, sondern dass es dazu einer Katastrophe bedurfte.