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Koblenz

Von Militärgeschichte und Jesuitenbibliothek beeindruckt

Die Kameradschaft der Fernmelder Koblenz/Lahnstein besuchte die militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“ in Andernach und nahm an einer Führung durch die Abtei Maria Laach teil.

Foto: Kameradschaft der Fernmelder Koblenz-Lahnstein

Die Kameradschaft besuchte am 10. März mit 38 Mitgliedern und Gästen von 13 bis 15 Uhr die militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“ in der Krahnenberg-Kaserne in Andernach. Nach Begrüßung durch Oberstleutnant a.D. Dieter Ulrich Schmidt, Vertreter des „Fördervereins Wiege der Bundeswehr Andernach“, erfolgte ein kurzer geschichtlicher Ablauf über die Nutzung der Krahnenberg-Kaserne, die Bedeutung für die Aufstellung der Bundeswehr 1955/56 und die später gegründete militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“.

Erbaut 1937, genutzt bis 1945 als Luftwaffenlazarett //XII „Hermann Göring“, ab März 1945 Gefangen-und Fremdarbeiterlager der US Armee, kurze Zeit später Militärhospital „Andre-Curtillet-Lazarett“ der französischen Armee bis Juni 1955, ab Januar 1956 erste Kaserne der aufzustellenden Bundeswehr. Ab 2. Januar 1956 rückten die ersten gedienten und circa 550 ungedienten Freiwilligen der drei Teilstreitkräfte in das Truppenlager aus 37 Baracken ein. Am 20. Januar 1956 begrüßte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer die auf dem Antrete-Platz versammelten circa 1500 Soldaten und Angehörigen der neuen deutschen Streitkräfte unter reger Anteilnahme der zahlreichen, auch internationalen Presse und stelle damit die erste Parlamentsarmee in Dienst. Hieraus entstanden in den nächsten Monaten die Führungs-und Ausbildungskader der neuen Streitkräfte der Bundeswehr. In den folgenden Zeiten wurde ab Juli 1956 die Truppenschule Quartiermeistertruppe aufgestellt, später verlegt nach Bremen, ab April 1959 bezog das Heeresfliegerausbildungsbataillon die Liegenschaft, später verlegt nach Zweibrücken, danach folgte das Rundfunkbataillon 990, aus dem ab April 1962 das PSV-Bataillon 850 entstand, welches von hier den Bundeswehr-Radiosender „Radio Andernach“ betrieb. Nach der Wiedervereinigung entstand aus dem PSV-Btl 850 das Fernmeldebataillon 950 OpInfo, später umgegliedert in Bataillon für Operative Information, welches später nach Mayen verlegt wurde. Danach verlegt das Institut für Wehrmedizinalstatistik und Berichtswesen der Bundeswehr in die Kaserne, aus dem im Oktober 2017 das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr hervorging. Ab 1984 wurde die Liegenschaft durch umfangreiche Baumaßnahmen in den heutigen Zustand umgestaltet, 2009 wurde die letzte verbliebene Baracke von den ehemals 37 Baracken unter Denkmalschutz gestellt. Am 29.Oktober 2010 gründete sich ein Förderverein zur Erhaltung des Andenkens an die Gründungszeit Bundeswehr in den Aufbaujahren 1955 bis 1956, die „Wiege der Bundeswehr“.

In Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium wurde in der nunmehr denkmalgeschützten letzten Baracke eine militärgeschichtliche Sammlung zur Gründungzeit der Bundeswehr eingerichtet und im Zuge der Feierlichkeiten zu „60 Jahre Bundeswehr“ im Januar 2015 eröffnet. Die militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“ enthält keine militärischen Geräte, sondern nur Aussagen von 37 Zeitzeugen. Die Interviews dieser Zeitzeugen sind in Videoaufzeichnungen dokumentiert und können in verschiedenen Themenräumen zu: Herkunft, Motivation, Die Ersten Tage, Die Ausbildung, Der 20. Januar 1956, Die Garnisonstadt Andernach, Die Verwaltung, Die Militärseelsorge, Der Gedenkraum und anderen Themen abgerufen werden.

Diese Aussagen verdeutlichen die persönlichen Beweggründe, militärpolitischen Hintergründe und Hoffnungen der ehemaligen Wehrmachtssoldaten und der ersten ungedienten Freiwilligen auf eine neue parlamentarische deutsche Armee vor dem Hintergrund der Wiedererlangung der Souveränität Deutschlands. Nach ergänzenden ausführlichen Informationen und Führung der Teilnehmer durch die einzelnen Themenräume durch OTL a.D. Dieter Ulrich Schmidt, Danksagung und Übergabe einer unterstützenden Spende an den Förderverein durch den Vorsitzenden der Kameradschaft der Fernmelder, O a.D. Jürgen Siegel,wechselte die Besuchergruppe zur Abtei Maria Lach.

Nach Begrüßung der Teilnehmer durch Bruder Elias in der Johanneskapelle, dem ehemaligen Pförtnerhaus, erfolgten ab 15.30 Uhr Erklärungen zur Gründungsgeschichte des Klosters und der Kirche. Nach den einführenden Erklärungen erfolgte ein Rundgang mit weiteren Einzelhinweisen durch die in der Regel für die Öffentlichkeit nicht einsehbaren Klosteranlagen, wie ehemalige Landwirtschaftsgebäude (heutige Nutzung als Schreinerei, Wäscherei, Keramikwerkstatt, Buchdruckerei) sowie die Wohngebäude der Mönche (Klosterzellen – wurden nicht gezeigt) und den Höhepunkt, die großartige Klosterbibliothek – die Jesuitenbibliothek – die heute auf zwei Gebäude verteilt ist. Der ursprüngliche Bibliothekbau von 1865 mit seiner gusseisernen Treppen- und Brüstungskonstruktion gehört nach Ansicht der Landesdenkmalpflege zu den kulturgeschichtlich und denkmalpflegerisch bemerkenswertesten Bibliothekbauten des 19. Jahrhunderts in der Nachfolge der barocken Klosterbibliotheken. Die beiden Bibliotheken umfassen heute über 60.000 Bände.

Abschließend erfolgte ein kurzer Besuch in der allgemein bekannten Klosterkirche mit besonderem Hinweis auf den Kochaltar und die Grabanlage des Klostergründers Heinrich II. von Laach.

Nach der Verabschiedung durch Herrn Oberst a.D. Siegel um 17.30 Uhr mit Dank an Bruder Elias und Spende an die Abtei erfolgte ein gemeinsames Abendessen ab 18 Uhr im Gasthaus „Waldfrieden/ Vulkan-Bräu“ und die Rückfahrt um 20 Uhr nach Koblenz.

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