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    Mainz

    Zur Andau: Dem Kundenstamm wachsen junge Triebe

    In der "Andau" am Schillerplatz geben sich Studenten, Lokalprominenz und Stammgäste die Klinke in die Hand.

    Andau-Wirt Burkhard Geibel-Emden und Mitarbeiterin Johanna Tiecke mit ihren Gästen.
    Andau-Wirt Burkhard Geibel-Emden und Mitarbeiterin Johanna Tiecke mit ihren Gästen.
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Seit 41 Jahren ist Jürgen Hoffmann Stammgast in der Andau. "Ich kam im September 1970 als knapp 24-Jähriger von Trier nach Mainz, um hier am Ketteler-Kolleg das Abitur zu machen. Und damals gab's nur zwei Bitburger-Kneipen in Mainz. Viele Trierer trafen sich hier. Und der Burkhard ist auch schon lange da."

    Gemeint ist Burkhard Geibel-Emden. Der gelernte Starkstromelektriker aus einem Dorf bei Baumholder kam einst zur Bundeswehr nach Mainz als "Z 12": zwölf Jahre Zeitsoldat. 1981 fing er als Kellner in der Andau an. Dann übernahm er die Kneipe am Fuße der Gaustraße mit einem Kompagnon. Und mit dem Beginn des Bezahlfernsehens Anfang der 90er-Jahre gab's samstags nachmittags in einem verrauchten Hinterzimmer Bundesliga live. Mainz 05 war damals in dieser Liga noch gar kein Thema, erinnert sich der 60-jährige Chef mit einem leichten Lächeln. "Da standen die Zuschauer am Bruchweg noch auf einem Erdwall."

    Draußen sitzen in der Gasse namens "Acker"

    Seit 1991 gibt es auch eine Außenbewirtschaftung in der Gasse, die den Namen "Acker" trägt. Einfach nur "Acker". Sie führt vom Schillerplatz hoch zur Breidenbacherstraße. 50 Plätze im Freien gibt's dort. Und im Sommer auch Fußball im Fernsehen.

    Der einstige dunkle Nebenraum hat eine Fensterfront bekommen und einen eigenen Eingang. Folge: "Er wirkt größer als früher. Und die Glaswand kann man komplett öffnen." Geraucht werden darf hier immer noch. "Das ist unsere Hustenkammer."

    Der Andau-Wirt ist ein kommunikativer Mensch, auch wenn er nicht immer viele Worte macht. So liebt er die Rundtheke, ein Charakteristikum seiner Kneipe. "Als Wirt habe ich an der Zapfsäule kurze Wege und kann hier die halbe Kundschaft selbst bedienen." Und er schwärmt: "Der Bierbrunnen ist einmalig im gesamten Rhein-Main-Gebiet." Die Bitburger Brauerei hat ihn nur zweimal gebaut, der andere steht in Ulmen in der Eifel.

    Das Publikum ist auch original: Das Umfeld des Vereinsvorstands von Mainz 05 kehrt hier ein, Politiker und Studenten. Schachspieler treffen sich täglich ab 14 Uhr. Auch Oberbürgermeister Jens Beutel hat hier schon manche Partie gespielt. Aber auch vom benachbarten Innenministerium kommen Leute in die Andau und von der Bundeswehr aus dem Osteiner Hof. Was heißt eigentlich Andau? Burkhard Geibel-Emden lächelt wieder. "In Mainz spricht man das ,Ohdau' aus. Es ist ein nasaliertes A, das in einen O-Laut wandert." Er macht eine kurze Pause und fügt hinzu: "Andau heißt Abfluss, Kanaldeckel." Und dann schiebt er noch einen Spruch hinterher: "Die Andau habt Ihr schnell gefunne, vis-a-vis vom Fastnachtsbrunne." Dieser Slogan entstand vor gut 30 Jahren, als die Thekenmannschaft der Andau bei einem Fußballturnier einsprang und der Moderator sie mit diesem Verslein vorstellte.

    Die Andau gibt's seit 1844. Sie war zunächst eine Weinstube. Um die Jahrhundertwende hieß sie mal kurzzeitig "Weinhaus Mondrion" - nach dem Besitzer.

    "Wir haben viele Gäste, die schon seit 30 Jahren herkommen", berichtet der Chef, der die Kneipe seit 20 Jahren alleine führt. Vorher hatte er einen Kompagnon. "Einige, die in meiner Anfangszeit Studenten waren, sind heute im Vorruhestand." Trotzdem zieht die Andau auch junges Publikum an. "Ab 21 Uhr ist das hier wieder eine Studentenkneipe." Für Studenten gibt's auch einen kleinen Rabatt. Für das kleine Pils etwa, das 2,20 Euro kostet, zahlen Studenten 2 Euro.

    Jeden Montag Abend brät der Chef persönlich Frikadellen

    Auch der Mittagstisch von 12 bis 14 Uhr mit einem Tagesgericht für 5,90 Euro zieht viele Gäste aus der Nachbarschaft an. Suppen, Flammkuchen, Currywurst stehen auf der Speisekarte. Eine Spezialität bereitet der Chef jeden Montag ab 18 Uhr selbst zu: Frikadellen. Die Gäste sind verzückt davon. "Futtern wie bei Muttern, heißt bei uns die Devise. Es gibt deutsche Küche, nichts Exotisches."

    "Am 11.11. geht hier der Punk ab", schwärmt der 60-Jährige. Die Eröffnung der Fastnachtskampagne im November findet direkt vor der Tür statt. "Die Lage ist klasse", sagt Geibel-Emden und senkt die Stimme ein wenig. Als wolle er sagen: "Aber behalten Sie es für sich." Straßenbahn und Busse halten in unmittelbarer Nähe. Ein Traum für einen Gastronomen.

    Stammgast Jürgen Hoffmann bestellt derweil noch ein Bier. "Ich bin immer noch genau so begeistert von der Andau wie damals, als ich 24 war." Er zeigt auf sein gefülltes Glas: "Hier gibt's Bier mit Champagner-Qualität. Da stimmt alles: die Gläser, die Kohlensäure, die Temperatur - und die Leute. Die Andau hat Klasse. Es gibt keine Kneipe im Umkreis von 200 Kilometern wie die Andau. Sie ist, wie der Engländer sagt, unique: einzigartig." Armin Thomas

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