Archivierter Artikel vom 22.04.2011, 21:18 Uhr
Rheinland-Pfalz

Viele Wildschweine in Rheinland-Pfalz sind noch belastet

Auch 25 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl sind viele Wildschweine in Rheinland-Pfalz laut Experten immer noch zu stark radioaktiv belastet.

Lesezeit: 2 Minuten
Viele Wildschweine in Rheinland-Pfalz sind noch belastet
Foto: dpa

Rheinland-Pfalz – Auch 25 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl sind viele Wildschweine in Rheinland-Pfalz laut Experten immer noch zu stark radioaktiv belastet.

„Grenzwertüberschreitungen messen wir ausschließlich bei Schwarzwild“, sagte Gisela Ruhnke vom Landesuntersuchungsamt. Die stellvertretende Leiterin des Instituts für Lebensmittelchemie Speyer erinnerte daran, dass im Pfälzer Wald und im Hochwald im Hunsrück Reviere ausgewiesen sind, in denen jedes erlegte Wildschwein untersucht werden muss, bevor es zum Verbraucher kommt. Nach dem Unglück waren hier radioaktive Wolken abgeregnet.

Von April 2010 bis März dieses Jahres wies fast ein Fünftel der knapp 2200 untersuchten Schwarzwildproben eine Belastung mit radioaktivem Cäsium auf, die über dem Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilo lag. Diese 400 kontaminierten Tiere kamen nicht auf den Markt.

Der höchste Wert wurde in dieser Zeit mit 5389 Becquerel gemessen. „Natürlich ist das ein hoher Wert“, sagte die Lebensmittelchemikerin Ruhnke. „Doch auch wenn man ein Stück Fleisch mit einem so hohen Gehalt isst, passiert gesundheitlich eigentlich noch nichts.“ Zum Vergleich: „Der Verzehr von 200 Gramm Wildschweinfleisch mit einer Belastung von 4000 Becquerel entspricht der Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria.“

Warum Wildschweine am stärksten belastet sind, erklärt die Expertin so: Im ökologischen Kreislauf der kontaminierten Wälder gelangt die Radioaktivität unter anderem über die abfallenden Nadeln und Blätter der Bäume immer wieder in den Boden. Dort nehmen vor allem die Hirschtrüffeln das radioaktive Cäsium auf. „Für den Menschen sind das ungenießbare Pilze, aber das Wildschwein verzehrt sie sehr gern“, sagte Ruhnke. Weil die Halbwertszeit – das ist die Zeit, nach der die Hälfte der Atome zerfallen ist – von Cäsium mit 30 Jahren recht hoch ist, muss laut Landesuntersuchungsamt in den betroffenen Gebieten die Belastung von Schwarzwild noch jahrzehntelang kontrolliert werden.