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Touristen und Einheimische an einem Tisch

Mitten in der Altstadt, aber dennoch ruhig gelegen: Im "Roten Kopf" fühlen sich Einheimische und Touristen wohl.

Foto: MRZ

Mainz – Hier herrscht den ganzen Tag reger Betrieb. Für eine Weinstube ist das eher ungewöhnlich. Aber wer den "Roten Kopf" im Herzen der Altstadt aufsucht, wird diesen Eindruck bestätigen.

Momentan sitzen die Gäste des "Roten Kopfs" lieber draußen und genießen, was Armin Vock (Foto) und sein Team ihnen auftischt. Das Ambiente ist idyllisch. Ein idealer Ort, um zu entspannen – mitten in der Mainzer Altstadt. 
Fotos: Harry Braun
Momentan sitzen die Gäste des "Roten Kopfs" lieber draußen und genießen, was Armin Vock (Foto) und sein Team ihnen auftischt. Das Ambiente ist idyllisch. Ein idealer Ort, um zu entspannen – mitten in der Mainzer Altstadt. Fotos: Harry Braun
Foto: mrz

Die Gaststätte ist nicht ganz leicht zu finden. Vom Liebfrauenplatz am Dom geht man in Richtung Rhein vor dem Fischtorplatz nach links in die Rotekopfgasse. Auf der rechten Seite im Haus Nummer 4 befindet sich das Lokal, auf der anderen Seite der Gasse werden die Gäste auch im Freien bewirtet.

Es ist eine ruhige Ecke, denn die großen Passantenströme verirren sich nicht hierher. Der "Rote Kopf" lebt von seinen vielen Stammgästen und "erstaunlich vielen Touristen", berichtet Armin Vock, der das Traditionslokal im Dezember 2006 zusammen mit seinen Kompagnons Thomas Hufnagel und Gerald Reisert übernommen hat.

Trio auf historischem Terrain

"Wir sind seit 25 Jahren in der Gastronomie tätig und waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung." Hufnagel hatte zwischenzeitlich als Sozialarbeiter sein Geld verdient und wollte zurück ins ursprüngliche Metier. "Fast zwei Jahre lang haben wir Ausschau gehalten, bis wir in einer Zeitungsanzeige gelesen haben: Weinstube in Mainz zu verpachten. Wir haben sie angeschaut und gesagt: Das passt." Damit betrat das aus Karlstein bei Aschaffenburg stammende Trio ein Terrain mit historischem Hintergrund.

Vock, Hufnagel und Reisert informierten sich im Stadtarchiv. Hier fanden sie auch alte Fotos, von denen sie Vergrößerungen machen ließen. Sie hängen jetzt an den Wänden der Weinstube neben Drucken des Mainzer Malers Alfred Mumbächer.

Die meisten Informationen hatte aber schon ihre Vorgängerin Edda Trittruf gesammelt, die hier ab 1982 die Chefin war. Ein Mainzer Original, schwärmt Vock. "Wenn jemand ihr nicht gepasst hat, hat sie ihm das auch laut gesagt." Seinen Namen hat der "Rote Kopf" vom Nachbarhaus übernommen, dem einstigen Brauhaus "Zum Rote Kopf". 1872, damals im Besitz des Bierbrauers Johann Gebürsch, erteilte das "Grossherzögliche Kreisamt" die Genehmigung zum Umbau des Brauhauses mit Trockenspeicher, Wohn- und Gesindehaus.

Das Adressbuch von 1916 weist nach, dass in dem Anwesen das Gasthaus "Zum Rote Kopf" den Bürgern zum leiblichen Wohl verhalf. Hier spielt auch eine der berühmtesten Kneipenszenen der deutschen Literaturgeschichte. Carl Zuckmayer hat dem "Roten Kopf" in der "Fastnachtsbeichte" ein Denkmal gesetzt.

In den Nachkriegsjahren 1919 bis 1923 mietete das städtische Fuhramt einen Pferdestall im Erdgeschoss an. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkam das traditionsreiche Haus mehr und mehr. Es wurde nur noch bis Mitte der 60er-Jahre im Erdgeschoss als Werkstatt, und teilweise in den Geschossen als Wohnung genutzt. Bis zu seiner Sanierung 1982 stand das Anwesen leer, dem Verfall ausgesetzt. Wenig später begann die Ära von "Edda", an die sich die Stammgäste noch heute gerne erinnern.

"Edda hat sich immer gerne zu uns gesetzt und uns betreut", berichtet Herta Schulze (77). Sie trifft sich hier alle 14 Tage mittwochs nachmittags mit ihrem Stammtisch. Günter Mühling (69) ist auch mit den Nachfolgern sehr zufrieden. "Uns gefällt die Ausstattung, das gute Essen und auch die netten Bedienungen."

Handkäs' und Ragout

Die Stammgäste haben Hufnagel (52), Vock (51) und Reisert (47) übernommen. Sie haben das Lokal aber auch verändert. Die Küche wurde ausgebaut und das Angebot an Speisen erweitert. Heute gibt es neben den Klassikern wie Spundekäs' und Handkäs' auch Ragout, Schweinelende und hausgemachte Spätzle. Sie führen ausschließlich regionale Weine aus Rheinhessen und dem Rheingau. Naja, einen Frankenwein aus ihrer Heimat schenken sie ebenfalls aus.

Der Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert ist ein Geheimtipp. Hier ist es angenehm kühl auch im Sommer. Mit knapp 40 Sitzplätzen ist er geeignet für kleinere Gesellschaften, die ein besonderes Ambiente schätzen.

Eines hat Armin Vock richtig überrascht: "Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Touristen aus aller Welt nach Mainz kommen." Und da man in Mainz die Besucher gerne an die Tische der Einheimischen setzt, gibt es oft schöne Begegnungen. "Ich wundere mich, wie viele ältere Mainzer englisch, französisch oder spanisch sprechen", sagt Vock.

Das internationale Flair erhält noch eine zusätzliche Note, weil hier Studentinnen aus Moldawien, Bulgarien und Armenien jobben. Und so herrscht den ganzen Tag Betrieb im "Roten Kopf", aber keine Hektik. Armin Thomas

Öffnungszeiten: 11.30 Uhr bis 23.30 Uhr. Die Küche ist durchgehend geöffnet.

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