Stockholm: Auf den Spuren von Lisbeth Salander

Auf Lisbeths Spuren: Södermalm ist Stockholms  Szeneviertel. Foto: dpa
i
Auf Lisbeths Spuren: Södermalm ist Stockholms Szeneviertel. Foto: dpa

Stockholm. Stadtteil Södermalm ist Szeneviertel der schwedischen Hauptstadt und Spielplatz der Kriminalromane von Stieg Larsson – Insel zieht besonders Künstler und Studenten an

Lesezeit: 3 Minuten

Wie die Schweden wirklich sind, erfährt man am besten in Stockholms Stadtteil Södermalm. Das raue Arbeiterquartier ist zu einem coolen Szeneviertel voller Bars und Läden geworden. Die bekannteste Einwohnerin ist eine Romanfigur: Stieg Larssons Lisbeth Salander.

Schwedens Hauptstadt teilt sich in zwei Welten, die beide den Anspruch erheben, das wahre Herz Stockholms zu sein. Die eine ist der schicke Stadtteil Östermalm rund um den Stureplan. Hier geht Prinzessin Madeleine zum Einkaufen und Tanzen, und an den Wochenenden verprassen Jungspunde hier das Geld ihrer wohlhabenden Eltern in eleganten Klubs und Restaurants. Die andere Welt Stockholms liegt schräg gegenüber auf der Insel Södermalm.

Das ehemalige Arbeiterviertel wird inzwischen auch als „Schwedens Prenzlauer Berg“ bezeichnet, in Anlehnung an den Szenekiez in Berlin. Der Vergleich hinkt zwar etwas, in der Tat ist „Söder“ aber zum alternativen Wohn- und Ausgehquartier für Künstler und Studenten geworden, das zunehmend auch Touristen anzieht.

Zur steigenden Beliebtheit hat nicht zuletzt der Bestsellerautor Stieg Larsson beigetragen, der seine Krimireihe in Södermalms engen Straßen verortete. Im nördlichen Teil des Viertels, an der Götgatan, lag die „Millennium“-Redaktion seines Helden Michael Blomkvist. An der Fiskargatan 9 wohnte der heimliche Star der Bände, Lisbeth Salander.

Im Gegensatz zum inzwischen ziemlich arrivierten Prenzlauer Berg ist Södermalm immer noch ein weitgehend junges, raues Viertel. Schmucklose Blockbauweise dominiert, der Kontrast zur schönen Altstadt Gamla Stan oder Blasieholmen, wo im „Grand Hotel“ jedes Jahr die Nobelpreisträger wohnen, könnte kaum größer sein. Dafür findet man in Cafés und Boutiquen wie „Ten Swedish Designers“ an der Götgatan 25 schnell Kontakt zu den Einheimischen. Kaum irgendwo sonst ist der Charme der Stockholmer so spürbar – skandinavische Direktheit gepaart mit fast südländischer Entspanntheit. Die Götgatan ist die Hauptschlagader des Stadtteils. Sie ist von der U-Bahn-Station Slussen gut zu erreichen, so wie fast alles in Södermalm zu Fuß erledigt werden kann. Auf der steil ansteigenden Straße ist am Wochenende fast rund um die Uhr etwas los. An sonnigen Samstagvormittagen gehen die Anwohner bummeln und einkaufen, darunter viele junge Väter mit Kinderwagen.

Am Medborgarplatsen spielen Rockbands unter freiem Himmel, die Leute sitzen im Straßencafé oder – zu günstigen Preisen – an den Theken der großen Markthalle. Abends macht sich das Volk auf den Weg zu Freunden oder einer Party.

Vom Aufschwung profitierte in den vergangenen Jahren auch der südöstliche Teil des Viertels, „SoFo“ für „South of Folkungagatan“ genannt. Wer schwedischen Trends nachspüren will, sollte den Klamottenladen „Fifth Avenue Shoe Repair“ (Bondegatan 46b) und einen Straßenblock weiter das „Urban Deli“ (Nytorget 4) aufsuchen.

Sehr ansehnlich ist die Umgebung vom Platz Mariatorget. Hier hat Abba-Mitglied Benny Andersson das Hotel „Rival“ in einem umgebauten Kino eröffnet. Für etwas Grün zwischen den Häusern sorgen Kirchen mit hübschen Gärten wie die Maria Magdalena Kyrka, in der Lisbeth Salander Zuflucht suchte, und die gelbe Katarina Kyrka. Nur wenige Schritte entfernt öffnet sich Södermalms beste Aussicht auf Wasser, Inseln und Schiffe. Wer hier in die Ferne blickt, sieht auch die andere, vornehme Welt Stockholms. Aber wer will da jetzt noch hin?

Von Frank Rumpf

Informationen über Schweden gibt es für Touristen unter www.visitsweden.com sowie unter Telefon 069/22 22 34 96. Das Stockholmer Tourismusamt informiert auf der Seite www.visit-stockholm.com