Archivierter Artikel vom 14.06.2013, 07:00 Uhr
Koblenz/Teheran

Sanktionen: Im Land leiden oft die Falschen

Es ist nur ein Blatt Papier. Ein Arztkollege hat die Liste dem Koblenzer Mediziner Naghi Nedjat in einem Krankenhaus in Teheran zugesteckt. Jetzt sitzt Nedjat wieder in seiner Wohnung in Koblenz und hält das Papier fest in der Hand. Es sind die Namen einer ganzen Reihe von Krebsmedikamenten, die für das iranische Klinikum nur schwer zu bekommen sind.

Chirurg mit Herz: Der Koblenzer Arzt Naghi Nedjat sammelt Medikamente für den Iran.
Chirurg mit Herz: Der Koblenzer Arzt Naghi Nedjat sammelt Medikamente für den Iran.
Foto: dit

Die jahrelangen Sanktionen der Vereinten Nationen und der EU gegen das Regime haben im Iran zu einer dramatischen Medikamentenknappheit geführt. Im vergangenen Jahr hat die iranische Stiftung Charity Foundation for Special Disease die prekäre Lage in einem Schreiben an die Vereinten Nationen publik gemacht. Vor allem Medikamente gegen Krebs und Multiple Sklerose seien äußerst schwer erhältlich, „Millionen Leben sind in Gefahr“, appellierte die Stiftung.

Eigentlich sind Arzneien von den Sanktionen ausgenommen. Doch der internationale Zahlungsverkehr mit dem Land ist durch die Einschränkungen praktisch zum Erliegen gekommen. Die Abwicklung der Geschäfte über Drittländer verursacht horrende Kosten. Viele Pharmaunternehmen haben deshalb ihre Geschäfte mit dem Land beendet. Zudem treibt die Inflation von mehr als 40 Prozent auch die Preise der Medikamente in astronomische Höhen.

„Gerade Krebsmedikamente sind in dem Land knapp geworden und sehr teuer“, sagt Nedjat. „Es sind die Menschen mit geringen Einkommen, die unter den Sanktionen am stärksten leiden.“ Der Koblenzer Chirurg ist in den vergangenen Jahren immer wieder in seine Heimat gereist und hat geholfen, wo es nur ging. Nach dem Erdbeben in Bam vor zehn Jahren, bei dem rund 40 000 Menschen starben, organisierte er Medikamententransporte in das Land und stellte auch sicher, dass die Pakete wirklich ankamen.

Nun möchte er die Klinik der iranischen Stiftung Behnam Daheshpour zumindest mit Medikamenten unterstützen. 18 Ärzte arbeiten in der auf Krebserkrankungen spezialisierten Klinik. „Das Personal arbeitet dort ehrenamtlich“, sagt Nedjat. In einem weiteren Gebäude können Angehörige der Patienten während der Behandlung wohnen. „Vor allem der ärmeren ländlichen Bevölkerung wird so eine Behandlung ermöglicht“, berichtet der Koblenzer Arzt.

Das ganze Engagement in dem Land aber nützt nichts, wenn die wichtigsten Medikamente nicht erhältlich sind. Mediziner Nedjat hofft nun, dass er in der Region Unterstützung beim Sammeln der Medikamente bekommt und bald schon wieder in den Iran reisen kann. Diesmal allerdings mit den nötigen Arzneien.

dit