Archivierter Artikel vom 17.05.2013, 11:20 Uhr
Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfälzer rasten schneller aus

Bei vielen Rheinland-Pfälzern liegen offenbar zunehmend die Nerven blank. Die Polizei registriert einen deutlichen Anstieg von Beleidigungen, die zur Anzeige gebracht werden. Während es 2011 noch 12.934 Fälle gab, waren es 2012 bereits 13.526 Fälle.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

„Häufig ist Alkohol im Spiel“, erklärte LKA-Präsident Wolfgang Hertinger bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2012. „Die Bereitschaft, sich aggressiv auseinanderzusetzen, wächst“, ergänzte der Chef des Landeskriminalamtes. „Zugleich zeigen mehr Menschen ein solches Vergehen an“, so der Kriminalist weiter. Zahlreichen Rheinland-Pfälzern geht offenbar nicht nur deutlich leichter der Hut hoch, sondern sie marschieren auch schneller zur Polizei.

Doch es gab nicht nur negative Entwicklungen. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten um 2,6 Prozent auf 267.471 Delikte gesunken. Das ist der niedrigste Stand der zurückliegenden elf Jahre. Für mehr als die Hälfte der Verbrechen müssen sich die Täter verantworten. In Rheinland-Pfalz liegt die Aufklärungsquote (Stand 2012) bei 60,2 Prozent. 2011 wurde ein Wert von 60,6 Prozent ermittelt. Die rheinland-pfälzische Polizei rangiert damit deutlich über dem Bundesschnitt von 54,4 Prozent. Innenminister Roger Lewentz (SPD) zeigte sich insgesamt zufrieden: „Wir können mit Recht sagen: Rheinland-Pfalz ist ein sicheres Land, in dem die Menschen ohne Angst vor Verbrechen leben können.“ Matthias Lammert, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, warnte indes davor, „die Sicherheitslage in Rheinland-Pfalz schönzureden“. Er erklärte: „Weniger schön ist es, wenn die Zahl der Vergewaltigungen und der sexuellen Nötigung um 12,7 Prozent steigt und Raub und räuberische Erpressung um 6,2 Prozent.“

Angestiegen sind auch sogenannte „Straftaten gegen das Leben“. 2012 waren darunter 35 vollendete oder versuchte Morde. 2011 lag diese Zahl noch bei 21 Fällen.

Viel zu tun hat auch das neu eingerichtete Dezernat für Computerkriminalität (Cybercrime). Mit einem Anstieg von 145 (plus 3,4 Prozent) auf 4393 Fälle wurde der Höchststand im Zeitraum von zehn Jahren erreicht. „Das ist organisierte Kriminalität in Reinform“, erklärte LKA-Chef Hertinger. Allein rund 1000 Fälle von Bankkartenbetrug wurden 2012 registriert. Zugleich gab es 254 Fälle von Computersabotage im Land.

Innenminister Lewentz freute sich, dass die Jugendkriminalität weiter rückläufig ist. Kinder, Jugendliche und Heranwachsende begehen laut Statistik deutlich weniger Straftaten. Der Minister führt diesen Trend auf gute Polizei- und Präventionsarbeit zurück. In allen Polizeistationen wurde seinen Angaben nach inzwischen ein „Sachgebiet Jugendkriminalität“ eingerichtet. Zudem hält der Minister die „Häuser des Jugendrechts“ für ein Erfolgsmodell, in dem Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe zusammenarbeiten. Lewentz hofft, dass eine solche Einrichtung auch nach Koblenz kommt.