Archivierter Artikel vom 20.12.2011, 17:28 Uhr

Medien 2011: Gottschalk und (k)ein Ende

Kerkeling übernimmt „Wetten, dass ..?“ vom beliebten Vorgänger. Das war monatelang die Vision vieler Zuschauer, aus der nichts wurde. Wie eine TV-Personalie zur nationalen Frage zu werden schien.

Fernsehen bleibt das Leitmedium – über welche verbindenden Inhalte soll man sonst auch im Büro oder bei Facebook schreiben, könnte man spitzzüngig fragen. Viele Millionen Menschen schauten auch 2011 wieder Fußball im TV, die ARD-„Tatort“-Krimis oder die RTL-Shows „Bauer sucht Frau“, „Das Supertalent“ oder „Deutschland sucht den Superstar“.

Auch wenn es sich viele gewünscht haben: Hape Kerkeling (links) wird nicht der Nachfolger von Thomas Gottschalk.
Auch wenn es sich viele gewünscht haben: Hape Kerkeling (links) wird nicht der Nachfolger von Thomas Gottschalk.
Foto: picture alliance / dpa
Den neuen Super-Showmaster suchte derweil das ZDF, nachdem Thomas Gottschalk am 12. Februar seinen Ausstieg bei „Wetten, dass ..?“ bekannt gegeben hatte. Bis zur Abschiedssendung Gottschalks im Dezember stand noch kein Nachfolger fest. Kandidaten – ob gefragt oder ungefragt, sei dahingestellt – gab es viele. Ins Spiel gebracht wurden etwa Johannes B. Kerner, Günther Jauch, Stefan Raab, Anke Engelke, Barbara Schöneberger und Ina Müller.

Die inzwischen 30 Jahre alte Samstagabendshow gilt als das „Lagerfeuer der Nation“ schlechthin. Und das Land schien sich einig, wer der ideale Nachfolger ist: Hape Kerkeling sollte die Sendung übernehmen. Er gehört zu den ganz wenigen der Unterhaltungsbranche, auf die sich fast alle einigen können. Der Komiker ist beliebt für seine Figuren, aber auch als Moderator und Bestsellerautor. Das Buch „Ich bin dann mal weg“ über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg begeisterte Millionen. Kerkeling kam am 9. Dezember 1964 als Hans-Peter (HaPe) Wilhelm Kerkeling in Recklinghausen zur Welt. Die Mutter starb früh, Hape und sein Bruder wuchsen bei Oma und Opa auf. Erster Höhepunkt seiner Karriere war vor 20 Jahren die ARD-Show „Total Normal“, für die er etwa als Königin Beatrix am Schloss Bellevue vorfuhr. 2006 gelang es ihm, als schmieriger Journalist Horst Schlämmer den Stuhl mit Günther Jauch bei „Wer wird Millionär?“ zu tauschen.

Ein eingespieltes Team: Showmaster Thomas Gottschalk und seine Co- Moderatorin Michelle Hunziker. Thomas Gottschalk tritt als Zugpferd von «Wetten dass..?» ab. Nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch im vergangenen Dezember gab Gottschalk am Samstagabend vor einem Millionenpublikum seinen Rückzug von der beliebtesten TV-Show Europas bekannt.

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Ein Abschiedskuss von Topmodell Naomi Campbell,...

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...die nicht sehr lange auf der Couch verweilte.

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Mit der insgesamt 193. Ausgabe der Wettshow feierte das ZDF gleichzeitig das 30- jährige Bestehen der Show. Tausende Hallenser bei der Außenwette auf dem Marktplatz in Halle: 500 Teilnehmer ließen das Halleluja auf Glasflaschen erklingen.

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Michelle Hunziker, freut sich gemeinsam mit Teilnehmern der Stadtwette über die erfolgreiche Umsetzung der Aufgabe.

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Robbie Williams (l) und Take That- Sänger Howard Donald winken ihren Fans zu,...

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...die sich über den Auftritt der wieder vereinten Band freuten.

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Wettkandidat Andreas Runkel schraubt im Handstand mit seinen Füßen Glühlampen in ihre Fassungen.

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Jörg Pilawa unterhält sich mit den Models Jerry Hall (l) und Toni Garrn.

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Schauspielerin Maria Furtwängler

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Chansonnier Max Raabe

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Schauspieler Jan Josef Liefers mit Ehefrau, Schauspielerin und Silly- Frontfrau Anna Loos.

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Ralf Rabung spielt unter Assistenz von Co- Moderatorin Michelle Hunziker Golf mit Salami.

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Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker bei der Buchwette mit den Kindern Merete und Kristoffer Looft.

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Rockmusiker Udo Lindenberg...

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...präsentierte gemeinsam mit seinem Double Serkan Kaya einige Ausschnitte aus dem Musical über sein Leben.

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Weiterer Show-Act: Per Gessle und Marie Fredriksson vom Pop- Duo Roxette.

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Thomas Gottschalk wird die laufende Staffel nach der Sommersendung auf Mallorca abschließen. Sein Nachfolger steht noch nicht fest.

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Und dann das: Am 5. November macht Kerkeling es wie Ole von Beust oder Roland Koch, die Politiker, die entgegen aller Erwartungen aufhörten, wobei es bei Kerkeling ja sogar darum ging, gar nicht erst anzufangen. „Nein, ich möchte nicht, lautet die kurze Antwort“, sagte er auf der TV-Couch Gottschalk ins Gesicht. „Die lange heißt: Nein, ich werde es nicht machen.“ Er wolle lieber Filme und andere Projekte machen – also nicht Herrscher über das nationale Lagerfeuer werden.

Was wäre bei einem „Ja, ich will“ gewesen? Thomas Gottschalk und Hape Kerkeling haben einiges gemeinsam, und doch unterscheidet sie viel. Beide werden von Millionen gemocht und hatten im Leben sowohl viele TV-Tops als auch Fernseh-Flops. Modisch sind sie total verschieden: Der 61-jährige Gottschalk kleidet sich schrill und extravagant, der 14 Jahre jüngere Kerkeling versucht, „alles so zeitlos wie möglich zu gestalten“, wie er dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ im Oktober verriet. Gottschalk ist der blonde ewige „Sonnyboy“, eine Art großer Bruder der Nation, Kerkeling erklärte seine Beliebtheit mal damit, dass zumindest ältere Leute ihn als „das ewige Enkelkind“ sähen und ihm alles verzeihten.

Gottschalk ist der fromme Familienvater, der kürzlich im Magazin „Der Spiegel“ seitenlang über seinen (katholischen) Glauben redete, während der inzwischen offen schwule Kerkeling („Ich finde alles, was die Schwulenbewegung fordert, richtig. Und ich unterstütze das, soweit ich kann.“) seinen Glauben mal als „Mischung aus Christentum und Buddhismus“ erklärte.

Buddhisten glauben ja an die Wiedergeburt. Ob Kerkeling in seinem nächsten Leben Ja zu „Wetten, dass ..?“ sagen wird? Thomas Gottschalk jedenfalls wird wohl nicht sein eigener Nachfolger, wie manche schon wieder munkelten, weil sich kein geeigneter Nachfolger finden lassen wollte. In einem Interview verglich sich der Entertainer mit Altkanzler Helmut Schmidt. „Den haben sie damals vom Platz gepfiffen, und heute wollen ihn alle wiederhaben, aber der wird genauso wenig wieder Bundeskanzler wie ich ,Wetten, dass ..?'-Moderator.“

Die Abschiedsrede von Thomas Gottschalk bei Youtube

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