Archivierter Artikel vom 04.04.2013, 06:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Interview: Beim Säen kommt es auf die Mischung an

„Rasen ist eine preiswerte, sich selbst regenerierende, umweltfreundliche Bodenbedeckung“ – so beschreiben es die Experten des in Hannover angesiedelten Bundessortenamtes. Seit 2010 haben sie insgesamt 364 für die „Rasennutzung gezüchtete Sorten“ aufgelistet. Aber auch hier ist es wie so häufig im Leben: Auf die Mischung kommt es an. Im Interview unser Gartenexperte Werner Ollig.

Welche Rasensorten gibt es eigentlich?

Es gibt verschiedene spezielle Mischungen, für leichte Böden, für schwere Böden, Schattenrasen, für sonnige Ecken. Es gibt Zierrasen, Strapazierrasen, Sportrasen oder auch Blumenwiesen.

Welche ist die häufigste Form?

Hans-Werner Ollig
Hans-Werner Ollig

Zwei Formen sind weit verbreitet: der klassische Zierrasen und der Gebrauchsrasen – so heißt dann auch die Samenmischung. Auf dem Gebrauchsrasen kann man nahezu alles machen, er sieht einigermaßen schön grün aus, auf ihm kann man aber auch etwa Fußball spielen oder eine Gartenparty feiern, ohne dass da gleich größere Schäden entstehen. Also auch ideal zum Rumtollen für Kinder.

Macht der Zierrasen eigentlich mehr Arbeit als ein Gebrauchsrasen?

Der Zierrasen soll halt schön aussehen, das sind filigranere Gräser, die aber auch nicht so trittfest sind wie bei einem Gebrauchsrasen oder bei einem Sportrasen. Man legt hier eben mehr Wert auf die Optik. Der Zierrasen ist etwas aufwendiger für den Gärtner, man muss ihn häufiger mähen. Und hier trifft die Einordnung der Fachleute am ehesten zu: Der Rasen ist die Königskultur im Garten, die Kultur mit den höchsten Ansprüchen.

Wie oft sollte man denn mähen?

Pauschal gesagt: je öfter, desto besser. Je öfter ich den Rasen mähe, desto weniger wächst er in die Höhe. Er bekommt dadurch die Botschaft, in die Höhe zu wachsen, lohnt sich nicht, also wächst er eher in die Breite. Man bekommt so einen schönen dichten Rasen, und die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwelche Kräuter wachsen können, ist dann minimiert. Häufigeres Mähen ist also die natürliche Vorbeugung gegen Wildkräuter.

Sollte man mulchen?

Absolut. Die Engländer haben den Rasen erfunden, und kein Engländer käme auf die Idee, den Rasenschnitt von der Fläche wegzunehmen. Die mulchen alle. Denn bei jedem Mähvorgang wird der Rasen auch gedüngt. Die kurzen Grasspitzen trocknen ein, werden mineralisiert und stehen den Pflanzen sofort wieder als Nährstoff zur Verfügung. Und so spart man auch noch Dünger, den man ansonsten für teures Geld kaufen muss. Deshalb die ganz klare Empfehlung: Öfter mähen, den Fangkorb in die Ecke stellen.

Der Rasen für Individualisten, die Blumenwiese: Was ist denn hier zu beachten?

Man mäht ein- bis zweimal zu Beginn des Jahres und nimmt den Rasenschnitt weg. Dann hebt man mit dem Spaten mehrfach die Grasnarbe auf einer Fläche von 20 mal 20 Zentimeter ab und säht eine Blumenmischung ein. Das sollte man im April machen, es ist der optimale Termin. Man lässt die Düngung komplett weg. Die Blumensamen breiten sich dann zunehmend aus und nehmen die ganze Fläche in Anspruch. Man braucht sie kaum noch zu mähen.

Was ist beim Samenkauf besonders wichtig?

Man sollte auf Qualität achten, mit möglichst wenig Beimischungen. Das ist für den Laien aber schwer zu erkennen. Wichtig auch: Die Mischung muss zum Standort passen.

In welche Kategorie passt Ihr privater Rasen?

Eher wild, blumig und üppig, der wird nur selten gemäht. Da sprießt alles, die Gänseblümchen sind schon da. Der bekommt kein Wasser, keinen Dünger, das ist ein geschlossener Nährstoffkreislauf. Und alle Insekten freuen sich, dass er da ist. Und ich auch, denn ich habe wenig Arbeit, und er ist einfach super.


Das Gespräch führte Edgar Konrath