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Lebensversicherung: Die Garantien schrumpfen dahin

Lebensversicherungen galten lange als sichere Altersvorsorge. Im Laufe der Jahre wurden aber die Garantien nach und nach gekürzt, und auch an den Überschüssen werden Kunden heute anders beteiligt. Lohnt sich eine Versicherung also noch?

Vier Wochen lang haben wir Sie rund um das Thema Finanzen informiert – als Dreingabe haben wir noch ein Schmankerl, mit einem Augenzwinkern serviert: Warum sollte man sein Geld denn nicht in Naturalien anlegen? Und, auch wenn unsere Themenwochen nun beendet sind: Am Thema Finanzen bleiben wir natürlich dran. Das ein oder andere Sparschwein werden wir auch künftig vorstellen.
Vier Wochen lang haben wir Sie rund um das Thema Finanzen informiert – als Dreingabe haben wir noch ein Schmankerl, mit einem Augenzwinkern serviert: Warum sollte man sein Geld denn nicht in Naturalien anlegen? Und, auch wenn unsere Themenwochen nun beendet sind: Am Thema Finanzen bleiben wir natürlich dran. Das ein oder andere Sparschwein werden wir auch künftig vorstellen.

Zunächst die gute Nachricht: Bestandskunden, die ihre Versicherung schon lange haben, können mit der einst zugesagten hohen Garantie weiter rechnen. „Dafür haben die Versicherer eine Zinszusatzreserve aufgebaut, ihre Kapitalanlagepolitik geändert, Produkte mit veränderten Garantiezusagen eingeführt und ihre Kosten spürbar gesenkt“, erklärt Thomas Menning vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV).

Von der klassischen Lebensversicherung, die eine komplette Garantieverzinsung bot, hat sich mittlerweile auch die traditionsreiche Debeka verabschiedet. Stattdessen bieten die Koblenzer fondsgebundene Modelle mit wählbaren Garantien an. Vorstandschef Thomas Brahm sagte vor Kurzem: „Die Zinsgarantie war ein gutes Argument und typisch deutsch. Die Welt dreht sich aber schneller, heute lässt sich ein Garantiezins auf 20 oder 30 Jahre nicht mehr geben.“

Die Zinszusatzreserve für die Altverträge betrug Ende 2017 rund 60 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren werden weitere Milliarden hinzukommen. Dies geht aber oft zulasten der Überschüsse, die Versicherer an ihre Kunden auszahlen. Das wiederum bekommen dann gerade die Bestandskunden zu spüren. „Während Versicherte mit alten Verträgen häufig über den Garantiezins hinaus kaum oder gar keine Überschüsse erhalten, gibt es bei Neuverträgen ab 2013 mehr davon“, sagt Theodor Pischke von der Stiftung Warentest. Zu den neuen Produkten mit abgesenkten Garantien, die sogenannte Neue Klassik, sagt er: „Höhere Überschüsse – als Ausgleich für geringere Garantien in Aussicht gestellt – sind ungewiss.“

Skeptisch ist auch die Verbraucherzentrale Hamburg. „Gelohnt haben sich die Renten- und Lebensversicherungen im Vergleich mit anderen Produkten noch nie“, erklärt Verbraucherschützerin Kerstin Becker-Eiselen. Selbst ein hoher Garantiezins ist nicht unbedingt attraktiv. Denn er bezieht sich nur auf den Sparanteil. „Das ist das, was nach Abzug von Kosten und Risikoabsicherung übrig bleibt“, erklärt Becker-Eiselen.

Wollen Kunden mehr sparen als ursprünglich – etwa 1999 – mit dem Versicherer vereinbart, ist eine Erweiterung des Vertrags heutzutage nicht so einfach möglich. „Eine Erhöhung des Altvertrags ist üblicherweise ausgeschlossen“, betont Becker-Eiselen. Es laufe in einem solchen Fall auf einen Neuvertrag mit dem derzeit geltenden niedrigen Garantiezins hinaus.

Bei Bestandsverträgen gilt: Bloß nicht voreilig kündigen, auch wenn es dem Versicherer schwerfällt, den zugesagten Garantiezins zu gewähren. Vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Altverträge sollten nur in größter Not gekündigt werden, sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Vorteile dieser Altverträge sind, dass sie steuerfrei zur Auszahlung kommen und dass die Garantiezinsen bis zu 4 Prozent betragen. „Das kriegen Sie heute mit keiner festverzinsten Anlage mehr. Diese Vorteile holen Sie nicht durch Kündigung und Wechsel auf“, sagt Wortberg. Versicherte sollten aber in jedem Fall nur die garantierte Leistung für ihre Altersvorsorge einplanen.

Ab 2005 abgeschlossene Neuverträge sind bei der Auszahlung nicht steuerfrei und haben in der Regel eine minimale Garantieverzinsung. Wer sich hier eine Kündigung der Police überlegt, sollte dies laut Becker-Eiselen aber nur nach einem Beratungsgespräch tun.

In vielen Fällen rechnet sich eine Kündigung nicht: Der Versicherte erhält nämlich nur den Rückkaufswert seiner Police. Dieser liegt oft deutlich unter dem, was der Versicherte bisher an Beiträgen eingezahlt hat. Zudem gilt: Wer den Hauptvertrag kündigt, verliert auch den Nebenvertrag, zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Wenn diese Police gute Bedingungen bietet, die BU gebraucht wird und man aus Altersgründen keine bezahlbare neue bekommen würde, muss man den Altvertrag behalten, erklärt Wortberg. Lohnen kann sich indes die Kündigung einer Lebens- oder Rentenversicherung, wenn der Vertrag erst seit Kurzem besteht und das Geld auf andere Art in die private Altersvorsorge investiert werden kann.

Aber welche Zukunft generell hat die klassische Lebens- und Rentenversicherung? „Dieses Modell ist immer noch die kapitalgedeckte Altersvorsorge, die eine lebenslange Rentenzahlung garantieren kann“, sagt GDV-Experte Menning – ein durchaus gewichtiges Argument. Sabine Meuter

Mein gutes Geld
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