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Bad Kreuznach

Weinbau an Nahe, Mosel und Rhein: Klimawandel gefährdet Riesling

Verdrängt der Klimawandel den Riesling aus den Anbaugebieten an Nahe, Mosel und Rhein? Auch wenn das für viele Winzer und Weintrinker ein Horrorszenario ist: Die Bedingungen für die Königin der Reben könnten sich in absehbarer Zeit dramatisch verschlechtern, warnte Dr. Edgar Müller bei der Wintertagung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Bad Kreuznach. Aber es gibt auch eine Alternative: "Der rote Riesling ist deutlich robuster als der weiße."

Foto: mrz

Von unserem Redakteur Kurt Knaudt

Der DLR-Weinbauexperte hält es für geboten, sich frühzeitig mit dieser Gefahr auseinanderzusetzen. "Das darf kein Tabuthema sein", machte er mit einem Blick auf die Situation in Südtirol deutlich. "Denn dort ist das Klima heute so, wie es bei uns einmal werden könnte." Und dort ist der Riesling inzwischen aus den Tallagen komplett verschwunden und nur noch in höher gelegenen Weinbergen zu finden.

"Bisher haben wir vom Klimawandel profitiert", lautet das Zwischenfazit von Müller. Doch wenn es so weitergeht, könnte das ins Negative umschlagen. Dann könnten an Nahe, Mosel und Rhein zukünftig bisher eher belächelte Rieslinglagen besonders begehrt sein, weil nur noch dort ein Anbau möglich ist, sagte der Winzersohn von der Mosel voraus. Die bereits deutlich spürbaren Veränderungen – seit den 90er-Jahren wird bei höheren Durchschnittstemperaturen ein früherer Reifebeginn beobachtet – erfordern insgesamt eine Neubewertung von Lagen, ist er überzeugt.

Beim Riesling-Jahrgang 2014 lagen laut Müller Frust und Freude dicht beieinander. "Ein solches Desaster habe ich in 50 Jahren bisher noch nie erlebt", zitierte er einen Winzer von der Nahe, den es besonders hart getroffen hat. Flüchtige Säure, der Kollaps der Beerenstruktur, die rasante Zunahme der Essigfäulnis und dadurch ein Einbruch bei den Erträgen: Es kam alles zusammen. Dabei sah Anfang September noch alles gut aus. Doch dann wurde es extrem: Etliche deutlich zu warme Nächte brachten bei einer zugleich viel zu hohen Luftfeuchtigkeit im September eine dramatische Zuspitzung, die im Oktober zum Zusammenbruch führte: "Für viele frühe Sorten war es das Ende, für die frühen Rieslinglagen der Anfang vom Ende." Nässe und Wärme: "Das ist immer eine gefährliche Kombination, weil dadurch das Infektionsrisiko steigt", unterstrich der DLR-Experte. Wobei die Burgundersorten das viel besser wegsteckten als unter anderem der Riesling.

Es zeigten sich aber noch andere Phänomene: So gab es selbst bei benachbarten Parzellen große Unterschiede. Die Essigfäulnis befiel vor allem gut humusversorgte Spitzenlagen. Und besonders eklatant: "Schlechterer Weinbau führte diesmal zu besseren Ergebnissen." Weil alle Gegenmaßnahmen kaum fruchteten, musste schließlich in Windeseile gelesen werden. "Der Vollernter und Lesemannschaften in Kompaniestärke haben noch Schlimmeres verhindert."

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