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Rheinbreitbach

IG BCE zur Schließung von Recticel: Vorgehen ist eine Frechheit

Stellenabbau gehörte beim Automobilzulieferer Recticel in den vergangenen Jahren fast schon zum Alltag – seit gestern ist klar: Auch die verbliebenen Mitarbeiter der Produktion in Rheinbreitbach müssen gehen. Die Automotive GmbH will das Werk bis Ende 2015 schließen. "Es sieht nicht so aus, als würden wir ein neues Projekt bekommen, das sich am Standort ökonomisch produzieren ließe", erklärte einer der Geschäftsführer, Hans-Joachim Beckenkamp, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Recticel Rheinbreitbach
Nach schrittweisem Personalabbau soll Recticel in Rheinbreitbach nun ganz geschlosen werden.
Foto: Müth

Von unserer Redakteurin Christina Nover

Die Planungshorizonte in der Automobilbranche seien sehr lang – selbst wenn jetzt noch ein Auftrag ins Haus flattern würde, wäre das keine Rettung mehr für das Werk. Frühestens im Sommer 2017 würde es dann weitergehen. Über die neuen Restrukturierungsmaßnahmen wurden die Mitarbeiter gestern in Kenntnis gesetzt. Der Betriebsrat, der am gleichen Tag informiert wurde, wollte gegenüber der RZ noch keine Stellungnahme abgeben. "Wir müssen uns erst mal beraten, wie wir jetzt weiter vorgehen", hieß es.

Anfang 2013 hatte Recticel bereits verkündet, dass 150 Mitarbeiter entlassen werden müssen. Der Stellenabbau erfolgte etappenweise, mittlerweile sind nur noch 40 Arbeitnehmer in der Produktion geblieben. Anfang 2015 sollten ursprünglich 15 weitere gehen, von diesem Plan muss nun abgewichen werden. "Unser Kunde will die Produkte bis Ende 2015 haben – um das leisten zu können, brauchen wir mehr Menschen."

"Noch Vorproduktion sicherstellen"

Ob sich die 15 betreffenden Mitarbeiter darüber freuen, dass sie noch länger bei Recticel arbeiten können, ist fraglich. Holger Zimmermann, Bezirksleiter der zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Mittelrhein: "Die sollen jetzt noch ihre Kraft und ihren Schweiß dalassen, um die Vorproduktion sicherzustellen, um dann danach gefeuert zu werden." Zimmermann bezeichnet die Vorgehensweise von Recticel als "Frechheit".

Schon beim bisherigen Stellenabbau habe es immer wieder Probleme gegeben. Abfindungen mussten vor Gericht erstritten werden, Mitarbeiter, die aufgrund von Engpässen zurückgeholt worden waren, hätten nur minderwertige Verträge bekommen. Das Fazit des Gewerkschaftlers: "Recticel hat gezeigt, was es von seinen Mitarbeitern hält. Wenn das die neue Richtung in Deutschland ist, dann Prost!"

Die Automotive GmbH produziert derzeit noch in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) und Wackersdorf (Bayern). Weitere deutsche Standorte wurden bereits geschlossen. Der belgische Konzern Recticel ist international tätig, die Verwaltung der Automotive GmbH sitzt derzeit noch in Rheinbreitbach. Die rund 40 Angestellten in diesem Bereich müssen demnächst umziehen, es wird nach einer neuen Immobilie gesucht: "Das ist die logische Konsequenz. Wir haben hier ein riesiges Areal, das wir veräußern wollen", so Geschäftsführer Beckenkamp. Die neue Zentrale soll im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern entstehen: "Wir wollen keine Mitarbeiter mehr verlieren, das können wir uns nicht leisten."

Wirtschaft
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