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Mainz

Undurchsichtige Finanzen beim Sozialverband

Der umstrittene VdK-Landesvorsitzende Andreas Peifer will nach RZ-Informationen ab wieder die Amtsgeschäfte übernehmen. Peifer hatte nach einem schweren Autounfall im Februar lange an den Folgen laboriert und die vergangenen Wochen in der Rehabilitation verbracht. An seinem ersten Arbeitstag wird Peifer, dem der Landesvorstand vor wenigen Tagen noch demonstrativ den Rücken gestärkt hatte, einiges zu tun bekommen.

Foto: privat

Denn der Verband hat ordentlich Schlagseite. Unter anderem wird er die mit ihm in Verbindung gebrachten finanziellen Verluste des Verbandes aufzuarbeiten haben. Wie berichtet, hat der VdK- Landesverband Rheinland-Pfalz allein durch den Fahrdienst VdK mobil Verluste in Millionenhöhe aufgetürmt. Auch das Beratungsunternehmen IBL, das Bauherren in Sachen Barrierefreiheit beraten soll, schreibt mangels Aufträgen Verluste. Bislang allein mehr als 200 000 Euro. Und auch weitere geschäftliche Betätigungen des Sozialverbands, dessen Kerngeschäft es eigentlich sein sollte, sich der Probleme seiner 170 000 Mitglieder anzunehmen, werfen nach wie vor große Fragezeichen auf. Und die Liste der Unternehmen ist lang, die im direkten oder sehr nahe in Kontakt zum Sozialverband stehen, wie ein Blick in die Anzeigen der Verbandspostille "VdK Zeitung" zeigt: Da gibt es – auch in anderen Bundesländern – die "VdK Telecom GmbH", die für den "VdK-Sparanschluss" wirbt. Oder den "VdK Reiseservice", der hoch defizitär arbeitet. Einen "VdK Versicherungsservice" gibt es ebenso wie ein "VdK Kurzentrum" in Bad Kissingen.

Viele Mitglieder befürchten, dass bei dieser Häufung für den Verband nichts Geringeres als die Gemeinnützigkeit auf dem Spiel steht. "Es kann nicht sein, dass der VdK Unternehmer spielt. Was bleibt da von der Kernarbeit übrig?", fragt sich beispielsweise der Vorsitzende des Kreisverbands Mainz-Bingen, Wolfgang Linke.

Und die Befürchtung ist nicht unbegründet, denn verzettelt sich der Verband in wirtschaftlichen Unternehmungen und erweckt so den Eindruck, als sei er in erster Linie ein Wirtschaftsbetrieb, könnte das fatale Folgen haben. Und es kommen weitere Faktoren hinzu. Etwa, dass die tatsächliche Geschäftsführung nicht mehr nachprüfbar ist.

Gerhard Koch, geschasster Leiter der Finanzen, sprach gegenüber unserer Zeitung von "chaotischen" Buchhaltungsverhältnissen, die kaum mehr nachvollziehbar seien. Nach RZ-Informationen sind die Revisoren zurzeit damit beschäftigt, mühsam die Bilanzen der Jahre 2010 und 2011 zu prüfen.

Würde der Verband die Gemeinnützigkeit einbüßen, hätte dies vor allem steuerliche Nachteile. Man würde die Privilegien bei der Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer verlieren. Viel Zeit wird Peifer wohl nicht bleiben, die Finanzen zu ordnen. Wie die RZ aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, soll der Finanzausschuss noch in diesem Monat eine umfassende Aufklärung verlangt haben.

Von unserem Redakteur Andreas Nöthen

Rheinland-Pfalz
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