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    Mainz/Wiesbaden

    Stresstest für die Schiersteiner Brücke

    Endet am Montag der Albtraum der Pendler rund um die gesperrte Schiersteiner Brücke? Alles hängt von den Testergebnissen ab - nach einer Belastungsprobe durch vier tonnenschweren Lastwagen. Sie soll zeigen, ob von den Rissen im Bau keine Gefahr mehr ausgeht.

    Foto: dpa

    Von Jonas-Erik Schmidt

    Der Test sieht aus wie das langsamste Lastwagenrennen der Welt. Vier Brummis tuckern gemächlich voran, wenden, schleichen ebenso gemächlich zurück. Um ein Preisgeld oder einen Pokal geht es an diesem sonnigen Morgen vor den Toren von Mainz und Wiesbaden allerdings nicht. Sondern um die Aussicht Tausender Pendler auf hoffentlich etwas entspanntere Tage als zuletzt. Die Schiersteiner Brücke, im Verlauf der A 643 eine der wichtigsten Verkehrsadern des Rhein-Main-Gebiets, ist seit einem Bauunfall vor zwei Monaten komplett dicht. Die vier Lastwagen mit ihrer tonnenschweren Ladung sollen nun testen, ob sich das in der nächsten Woche ändern kann. Sie setzen das gekittete Bauwerk einem Stresstest aus.

    Etappensieg für den Landesbetrieb Mobilität

    Bernd Hölzgen weiß, was auf dem Spiel steht, hat aber merklich gute Laune. "Toi, toi, toi", sagt er und lacht, als sich der erste Lastwagen in Bewegung setzt. Der technische Geschäftsführer des Landesbetriebes Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) ist in den vergangenen Wochen zum Gesicht der Brückensperrung geworden. Unzählige Interviews, Nachfragen und Wasserstandsmeldungen später zeichnet sich ein Etappensieg ab. Wenn die Tests gut verlaufen, könnten von der Nacht zum Montag an wieder Autos die Rheinquerung nutzen - aber zur Sicherheit nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen.

    Die Testlastwagen sind beladen mit Schutt. Zwei bringen 16 Tonnen auf die Waage, zwei fast 22. Ihr Probefahrten folgen einer einstudierten Choreografie. Zunächst simulieren sie durchschnittlichen Berufsverkehr. Danach einen Stau. Und am Ende den höchsten Druck, dem die Brücke künftig standhalten soll. Das wäre ein Stau mit 3,5 Tonnen schweren Fahrzeugen, Stoßstange an Stoßstange.

    Brücke mit vielen Sensoren ausgestattet

    Die vorgelagerte Brücke auf Mainzer Seite war bei dem Bauunfall um bis zu 30 Zentimeter abgesackt. In einem Kraftakt hat sie der LBM mit hydraulischen Pressen wieder angehoben und die Risse mit Kunstharz geschlossen. An diesen sind jetzt Sensoren angebracht. In einem Container auf der Baustelle laufen die Daten ein. Diagramme beschreiben, wie sich das Material unter dem Druck von oben verhält. Von den Linien hängt ab, ob wieder Autos auf die Brücke dürfen - aber eben nur Autos. Schwere Lastwagen müssen vorerst mit allen Mitteln von dem angeknacksten Bauwerk ferngehalten werden. Hölzgen hat dafür auf einem Flipchart, das etwas einsam auf der Brücke steht, einen Werkzeugkasten an Sicherungssystemen vorbereitet. Gewichtssensoren, zentimetergenaue Laserscanner, Engpässe, Warnleuchten und Schranken sollen Schwerlaster, die sich falsch einsortiert haben, erkennen und ausbremsen. Zusätzlich werden über Funk Warnhinweise gesendet - in acht Sprachen.

    Kritiker fürchten, dass dieser Hochsicherheitstrakt zu neuen Staus führen könnte - zum Teil bleibt für Pendler nur eine Spur übrig. Ganz abgesehen von dem Fall, wenn wirklich mal ein Lastwagen auf der Autospur gestoppt werden muss. Hölzgen hält dagegen: Hauptsache der Verkehr kann überhaupt wieder sicher anrollen.

    An diesem Tag wirken derartige Szenarien noch etwas fern. Wer auf der Schiersteiner Brücke steht, fühlt sich wie auf einer schwebenden Insel, abgeschnitten vom üblichen Irrsinn des Berufsverkehrs. Aber der kommt wohl bald zurück. Viele werden sagen: hoffentlich.

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