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    Schiersteiner Brücke: Bohrfehler löste Chaos aus

    Staus ohne Ende, wirtschaftliche Schäden in dreistelliger Millionenhöhe: Die zeitweilige Vollsperrung und anschließende Teilfreigabe der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden war eine Weile das Topthema der Landespolitik.

    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Dann kam die Flüchtlingskrise, und das Megathema Infrastruktur rückte in die zweite Reihe. Jetzt wurde das mit Spannung erwartete Gutachten zu dem Desaster endlich vorgestellt. Ergebnis: Der verheerende Unfall, der einen Pfeiler in Schieflage brachte, wurde durch einen Bohrfehler ausgelöst.

    Laster dürfen wieder fahren

    Volles Haus im Innen- und Infrastrukturausschuss: Zunächst hatte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) eine gute Nachricht zu verkünden. Irgendwann im November soll die Rheinbrücke auch wieder für den Schwerlastverkehr öffnen. 80 Hilfsstützen aus Stahl im Bereich der Anschlussstelle Mainz-Mombach machen das möglich. Allerdings ist auf einem 70 Meter langen Teilstück in Fahrtrichtung Wiesbaden kein regulärer zweispuriger Betrieb möglich. Die Fahrbahn ist zu eng. Bernd Hölzgen, Chef des Landesbetriebs Mobilität (LBM), rechnet dennoch nicht damit, dass die genervten Pendler "mehr Stau" ertragen müssen. Ob seine Vorhersage stimmt, wird sich in ein paar Wochen zeigen.

    Das eigentliche Schadensgutachten trug dann Walter Wittke vor, Geschäftsführer des Ingenieurbüros WBI in Weinheim (Bergstraße). Der emeritierte Professor gilt als Koryphäe in der Felsmechanik, an der Unglücksstelle in Mainz-Mombach hatte er es aber eher mit losem Untergrund zu tun. Der Kern seiner Ausführungen: Die bauausführende Firma wandte an der Unfallstelle das falsche Bohrverfahren an.

    Wittke präsentierte Detailzeichnungen, Bodenanalysen und schematische Dokumentationen des Bohrvorgangs, um seine Analyse zu untermauern. Fazit: Die Baufirma hat den Untergrund falsch eingeschätzt, auf dem die Notpfeiler errichtet und das Fundament des Hauptpfeilers verstärkt wurde. Die Stützen waren nötig, da die Schiersteiner Brücke nicht für die enormen Verkehrslasten konzipiert war, die sie mittlerweile zu tragen hat.

    Notpfeiler erhöhten Traglast

    Die Ausführungen Wittkes ergeben, vereinfacht formuliert, folgendes Bild: Um die Notpfeiler fest im Boden zu verankern, mussten 12 bis 14 Meter lange sogenannte Gewi-Pfähle in den Boden getrieben werden, die aus Zementmörtel mit einem Stahlkern bestehen. Damit sollten nicht nur die überirdischen neuen Notpfeiler, sondern auch der wuchtige alte Pfeiler unterirdisch gestützt werden.

    Beim Verfüllen der Bohrlöcher mit einer Wasser-Zement-Mischung fiel im Bereich der späteren Unfallstelle auf, dass der Boden in der Tiefe weit mehr Zementmörtel als üblich aufnahm. Für eine Pfeilergruppe wurden zwischen 35 000 und knapp 40 000 Liter in das Erdreich gepumpt. Zum Teil wurden die Standardwerte um mehr als das Zehnfache überschritten.

    Das bedachte auch die Baufirma. Nur zog sie offenbar den falschen Schluss. Wie Wittke schilderte, ging das Unternehmen davon aus, dass der Zement in porösen Algenkalk-Riffen verschwand. Doch der Untergrund war jenseits der festen Kalkschichten lockerer und sandiger als vermutet. Beim Bohrvorgang, bei dem die jeweiligen Bohrlöcher unter Hochdruck ausgespült werden, entstanden so entlang der unterirdischen Zement-Stahl-Stützen Hohlräume und Zonen mit lockerer Erde. Auch der viele Zementmörtel vermochte dies nicht auszugleichen und Stabilität zu schaffen. Als der Grundwasserspiegel bei Niedrigwasser sank, wurde das Fundament im Februar instabil. Der große Brückenpfeiler sackte ab. Die Brücke geriet massive in Schieflage. Der Aufbau mit Fahrbahn senkte sich um ganze 30 Zentimeter. Ein gravierender Lagerschaden und die sofortige Vollsperrung waren die Folge.

    LBM-Chef Hölzgen betonte, dass allein die Baufirma für den millionenschweren Bauunfall zuständig sei. Es sei nicht Aufgabe der Landesstraßenverwaltung gewesen, den Bohrvorgang zu überwachen. Möglicherweise droht hier ein heftiger Schadensersatzprozess.

    CDU-Politiker Gerd Schreiner wunderte sich, dass ein Bohrloch, "in dem statt einer Badewanne aus Beton die Ladung eines ganzen Betonmischers verschwand" keine intensiveren Nachforschungen auslöste. Er glaubt, dass wohl erst vor Gericht klar wird, wie viel Verantwortung Rot-Grün übernehmen muss. Der LBM sieht sich indes durch das Gutachten entlastet.

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