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    Scheidungstrend: Rosenkrieg tobt auch in Rheinland-Pfalz

    Wenn der Streit um Kleinigkeiten den Alltag bestimmt oder die Marotten des Partners unerträglich werden, dann gehen Partner getrennte Wege. 2010 verließen insgesamt 10 483 rheinland-pfälzische Paare den Bund fürs Leben. Ein Familienrichter sagt: "Wenn es kracht, geht die Ehe schneller in die Brüche".

    Szenen einer Ehe: Susann Fabiero und Martin Semmelrogge verkörpern in „Der Rosenkrieg“ das Ehepaar Barbara und Oliver Rose. Foto: Landesbühne
    Szenen einer Ehe: Susann Fabiero und Martin Semmelrogge verkörpern in „Der Rosenkrieg“ das Ehepaar Barbara und Oliver Rose.
    Foto: Landesbühne

    Rheinland-Pfalz. Wenn der Streit um Kleinigkeiten den Alltag bestimmt oder die Marotten des Partners unerträglich werden, dann gehen Partner getrennte Wege. 2010 verließen insgesamt 10 483 rheinland-pfälzische Paare den Bund fürs Leben; 2009 trennten sich 10 609 Eheleute.

     

    Besonders häufig sind Scheidungen in Zweibrücken. Nirgendwo sonst in Rheinland-Pfalz lassen sich mehr Ehepaare scheiden als dort. 3,5 gerichtliche Ehelösungen je 1000 Einwohner gab es im Jahr 2010.

    Gründe für hohe Scheidungsrate: Armut? Arbeitslosigkeit?

    Die Gründe sind schwer zu nennen. Die vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote in der Region? Finanzielle Sorgen? Angaben dazu kann in Zweibrücken niemand machen.

    Laut des Statistischen Landesamtes in Bad Ems belegte Pirmasens Platz zwei der höchsten Scheidungsraten mit 3,4 und Trier-Saarburg Platz drei mit 3,2 Scheidungen je 1000 Einwohner.

     

    Nach Angaben von Matthias Scherer, Direktor des Amtsgerichts in Mainz, sind 2010 insgesamt 896 Scheidungsanträge eingegangen. 2009 waren es 776.

     

    Die niedrigste Scheidungsrate verzeichnete der Kreis Bernkastel-Wittlich mit 1,7 Scheidungen je 1000 Einwohner. Danach folgte Cochem-Zell mit rund zwei Scheidungen und die Stadt Trier mit 2,2 Scheidungen je 1000 Einwohner.

    Paare haben weniger "Bindungstoleranz"

    Hans-Walter Rienhardt arbeitet seit mehr als 17 Jahren als Familienrichter. Seit Januar 2012 ist er Direktor am Amtsgericht Idar-Oberstein. Er ist überzeugt: Paare lassen sich heute wesentlich früher scheiden als noch vor einigen Jahren. „Paare verfügen über heute immer weniger Bindungstoleranz“, glaubt er. „Wenn es kracht, geht die Ehe schneller in die Brüche.“

    Die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit beider Partner spielt seines Erachtens dabei keine unwichtige Rolle. Auch bei frühen Eheschließungen, die aus einer Bekanntschaft aus dem Internet resultierten, seien frühe Scheidungen nicht unüblich. „Diese Eheleute kennen sich eben nicht richtig“, erklärt Rienhardt.

     Gefährlich wird's zwischen dem 10. und 14. Ehejahr

    2010 trennten sich 1929 Paare zwischen dem 10. und 14. Ehejahr. In der Phase zwischen dem 30. und 39. Ehejahr gingen 577 Paare getrennte Wege.

    Selten sind Scheidungen jenseits der Goldenen Hochzeit: Sieben Paare in Rheinland-Pfalz ließen sich nach 50 Jahren scheiden, 113 zwischen dem 40. und 49. Ehejahr.

     

    Auch Hans-Walter Rienhardt hat schon Leute geschieden, die sich erst nach fünf Jahrzehnten zur Trennung entschlossen. „Grund war, dass der 85-jährige Ehemann eine neue Freundin hatte“, erklärt der Richter. Eine Scheidung in diesem Alter sei für beide Ehepartner mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden. „Wenn einer nach der Scheidung stirbt, dann wird die aufgeteilte Rente dem anderen nicht mehr zugeschrieben. Das Geld ist dann weg“, erklärt Rienhardt. Deshalb rät er Paaren in diesem Alter, im Sinne des Gesetzes verheiratet zu bleiben.

    Familienrichter hat Streitende auch schon auf Waffen untersuchen lassen

    „Scheidungen verlaufen nüchtern, wenn beide voneinander weg wollen und keiner in finanziellen Nöten ist. Emotional wird es, wenn nur einer weg will. Dabei werden häufig Kinder als Machtspielball missbraucht und die Scheidung an Unterhaltszahlungen gekoppelt“, sagt Rienhardt. Nicht immer bleibt es da beim Wortgefecht: Der Streit ums Vermögen habe schon oft zu Drohungen geführt, die ihn dazu veranlasst hätten, Ehepartner im Gericht von der Polizei auf Waffen untersuchen zu lassen, erzählt der  sindRichter.

    Schnell geht's, wenn beide sich einig

    „Unterhalts- und Sorgerechtsstreitigkeiten können Scheidungsverfahren erheblich in die Länge ziehen. Eine Scheidung ist rechtlich erst dann möglich, wenn diese sogenannten Folgesachen geregelt sind“, erklärt Rienhardt. Sei das nicht der Fall, könne ein Scheidungsverfahren schon mal fünf bis sechs Jahre dauern. Im schnellsten Fall ist ein Verfahren in sechs Wochen abgeschlossen – vorausgesetzt, beide Parteien sind sich einig.

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