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    Panne bei Musterprojekt in Neuwied: Gärsaft aus Biogasanlage löst Fischsterben aus

    Schleimige Ablagerungen auf der Wasseroberfläche und ein säuerlich-vergorener Geruch: Die Quelle des Burbachs in Thalhausen (Kreis Neuwied) stinkt, das Wasser ist milchig und mit weißlichen Flocken bedeckt. Zudem hat ein Fischsterben eingesetzt. Schuld daran ist mutmaßlich die erst vor wenigen Wochen in Betrieb genommene Biogasanlage, aus der nach derzeitigem Stand Mais-Gärsaft in den Untergrund gelaufen ist.

    Erstickt: Dieter Fiedler hat eine 63 Zentimeter lange Regenbogenforelle aus dem Teich gezogen.
    Erstickt: Dieter Fiedler hat eine 63 Zentimeter lange Regenbogenforelle aus dem Teich gezogen.

    Auf den Gärsaft als Ursache der Verunreinigung und des Fischsterbens weisen Analysen des Mittelrheinlabors hin. Wie Wolfram Gebel, Referent für Gewässergüte bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, sind sowohl im Regenwasserspeicher der Biogasanlage als auch in der Burbachquelle Milchsäurebakterien gefunden worden. „Für mich ist der Nachweis damit erbracht. Ich sehe sonst niemanden, der als Verursacher infrage kommen könnte“, folgert er. Schon bei der Abnahme sei der Hinweis erteilt worden, dass die Versickerungsanlage nicht so gebaut ist wie beantragt.

    Angler erstatten Strafanzeige

    Auch der Energieversorger Süwag hat als Mehrheitsbetreiber der Anlage nach einem Besichtigungstermin eingestanden, dass es „Optimierungsbedarf“ gibt. Laut Dirk Gerber, Geschäftsführer der Bioenergie Kirchspiel Anhausen, soll nun im Bereich des Maissilos eine neue Abwasserrinne gebaut werden. „Wir wollen alles tun, um Verunreinigungen auszuschließen. Die Biogasanlage ist ein Musterprojekt mit 150 beteiligten Bürgern und damit genau das, was man für die Energiewende braucht. Da tut es umso mehr weh, wenn so etwas vorkommt“, bedauert er.

    Die Angler des ASV Thalhausen beruhigen diese Worte allerdings nicht. Der Verein hat vielmehr Strafanzeige gestellt, die Mitglieder sind entsetzt: Immer wieder müssen sie erstickte Fische aus dem Wasser ziehen. Erst kürzlich hat der frühere Gewässerwart Dieter Fiedler eine 63 Zentimeter lange Bachforelle aus dem Wasser geborgen.

    Wie hoch der Schaden genau ist, können die Angler allerdings nicht sagen, weil ein Großteil der toten Fische einfach auf den Boden des Teiches sinkt. Darüber hinaus hat die drastische Verminderung des Sauerstoffgehalts im Wasser durch den für Menschen nicht giftigen Gärsaft wahrscheinlich auch dazu geführt, dass die Fisch-Nährtiere eingegangen sind. Folglich dürfte der Weiher Jahre brauchen, um sich wieder zu regenerieren. Ob es da viel hilft, dass die Feuerwehr insgesamt rund 200 000 Liter Wasser vom nahen Reilbach in den Weiher pumpte, wird sich noch zeigen müssen.

    Rettungsmaßnahmen zu spät

    Dass sich die Probleme weiter ausweiten, befürchtet Stefan Herkenroth, Erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sayntal: „Ich habe größte Bedenken, dass diese Brühe in das Saynbachsystem gelangt und unser Lachsprojekt gefährdet“, sagt er und schimpft, dass nicht sofort nach Bekanntwerden der Verschmutzung Rettungsmaßnahmen angelaufen sind: „Ich habe schon viel erlebt, aber noch nicht, dass man hier über zehn Tage Fische verrecken lässt.“

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh und unserer Mitarbeiterin Angela Göbler

     

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