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Rheinland-Pfalz

Lottoblock: Schössler ist ein Ehrenmann

Hätte 2009 ein glücklicher Tipper seine Million Euro einfach abgeholt, wäre er heute reich – und Lotto-Chef Hans-Peter Schössler um ein Problem ärmer. Aber der Tipper meldete sich nicht, die Million blieb liegen – und nun zieht der Fall von Lotto Rheinland-Pfalz Kreise.

Hans-Peter Schössler
Hans-Peter Schössler
Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Ursula Samary

Der Deutsche Lottoblock überlegt, welche Konsequenzen zu ziehen sind; die Staatsanwaltschaft Koblenz prüft nach Schösslers Selbstanzeige, ob ein Anfangsverdacht auf Betrug vorliegt. Grund: Schössler hatte die liegen gebliebene Million, die bundesweit unter allen Gewinnern mit drei richtigen Lottozahlen eigens ausgelost worden war, nicht an den Deutschen Lottoblock abgeführt. Er nutzte das vom Tipper vergessene Geld für eine Lotto-Sonderaktion in Rheinland-Pfalz.

Für den saarländischen Lotto-Geschäftsführer Peter Jacoby, derzeit federführend für den Deutschen Lottoblock, steht vor der längeren Prüfung des komplizierten Falls spontan eigentlich nur eins bereits fest. "Nach meiner persönlichen Einschätzung ist und bleibt Hans-Peter Schössler ein Ehrenmann." Und der habe dem Lottoblock auch angekündigt, dass Lotto Rheinland-Pfalz die Million erstatten will. Dies hat der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Finanzstaatssekretär Salvatore Barbaro (SPD) beschlossen.

Jacoby, früher zwölf Jahre Finanzminister und erst ein Jahr im Amt, will nun erst einmal die Fakten von 2009 rekonstruieren lassen und prüfen, ob und wie Regularien verletzt wurden. Dann werde man sehen, wie die Modalitäten für eine Wiedergutmachung aussehen könnten. "Das braucht mehr als zwei Stunden", sagt der von dem Fall völlig überraschte Saarländer. "Die Abläufe müssen jetzt aufgearbeitet werden – nachvollziehbar und transparent."

Die benachbarte Gesellschaft habe sicher nicht optimal gehandelt – "vermutlich aus einem rheinland-pfälzisch gesteuerten Motiv heraus". Ob es in früheren Jahren auch andere Lotto-Gesellschaften mit den Regeln nicht so genau genommen haben, alle nicht abgeholten Gewinne über 100 000 Euro an den Deutschen Lottoblock abzuführen, vermag er vor der Prüfung nicht zu sagen. Schössler selbst hatte erklärt, er habe sich geärgert, dass sich offenbar nur Rheinland-Pfalz an diese Regel des Lottoblocks halte.

Das Millionending von 2009 schlägt jetzt Wellen, weil Geschäftsführer Herbert Laubach nach vier Jahren plötzlich Aufsichtsratschef Barbaro auf seine Differenzen mit Schössler wie den Fall aufmerksam machte – und dabei, wie er unserer Zeitung sagte, um Vertragsauflösung gebeten habe. Barbaro und der Aufsichtsrat wunderten sich aber, warum Laubach als Jurist das Problem jahrelang nicht zu Sprache gebracht hatte. Der Schuss gegen Schössler ging nach hinten los. Denn der Lotto-Chef konnte glaubwürdig versichern, dass er 2009 bei der unternehmerischen Entscheidung kein juristisches Problem sah. Aber: "Nach vier Jahren ist man schlauer."

Der mutmaßliche Hintergrund dieses Streits um den Lotto-Gewinn: Die Chemie zwischen den Geschäftsführern Laubach, der 2009 mit dem Einstieg des Landes zu Lotto kam, und dem seit 1998 amtierenden Schössler stimmte nicht. Deswegen wurde Schössler vor wenigen Monaten zum Hauptgeschäftsführer ernannt. Aus dem Aufsichtsrat verlautet, Laubach habe sich dadurch deklassiert gefühlt. Laubach selbst bestreitet dies gegenüber unserer Zeitung vehement. Als Ministerialdirigent "pfeife ich doch auf einen solchen Titel".

Weil das Aufsichtsratsgremium das Vertrauen massiv gestört sieht, hat es Laubach von seinem Geschäftsführerposten freigestellt. Wann und ob er als Spitzenbeamter ins Finanzministerium zurückkehren kann, ist nach der Vorgeschichte noch offen, wie es heißt. Sein gut dotierter Fünf-Jahres-Vertrag bei Lotto läuft bis Ende 2014. Wie Laubach unserer Zeitung sagte, will er als bisheriger Prüfer des Deutschen Lottoblocks in Haushalts- und Abrechnungsfragen Schössler "in den Ohren gelegen haben, die Sache in Ordnung zu bringen". Für Barbaro, der dies nicht beurteilen kann, wäre dann aber noch weniger nachvollziehbar, dass er das Problem so lange verschwieg. Die Version passt auch nicht zu Schösslers Darstellung, dass das Millionending längst vergessen war.

Schössler genießt weite das volle Vertrauen des Aufsichtsrats. Der Vertrag mit dem 65-jährigen Moselaner ist kürzlich auch für weitere zwei Jahre verlängert worden. Vor seiner Lotto-Zeit war der Förderer des Sports langjähriger Geschäftsführer des Landessportbundes.

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