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Koblenz

Intendant des Musik-Instituts geehrt: Kulturpreis für Dr. Olaf Theisen

Claus Ambrosius

Ob Oscarverleihung in Los Angeles oder andere Würden: Es gibt eine Kategorie von Ehrungen, in denen der oder die Ausgezeichnete mitunter zusammenzucken mag – den Preis fürs Lebenswerk. Wird dieser verliehen, so klingt immer ein bisschen mit, dass hier eine Entwicklung vollzogen und eigentlich schon zu Ende gebracht und folglich vielleicht nicht mehr viel Neues zu erwarten ist.

Thema: (Dienst-)Alter

Nun ist der seit 1982 verliehene Kulturpreis der Stadt Koblenz zwar nicht per Definition ein Lebenswerkpreis – doch gerade in Bezug auf den aktuellen Preisträger kommt man nicht umhin, dessen (Dienst-)Alter zu thematisieren. Seit sieben Jahren steht Dr. Olaf Theisen dem Musik-Institut Koblenz (MI) vor. Eine lange Zeit für ein arbeitsintensives Ehrenamt, im Hinblick auf seine Vorgänger stellte Theisen bei der Verleihung im Theater Koblenz aber fest: „Gemessen an der durchschnittlichen Dauer der Amtszeit eines MI-Intendanten, befinde ich mich in der Probezeit.“ Vergleichswerte sind beim MI schnell bei der Hand – und immer sind sie beeindruckend: Seit 1808 veranstaltet es Konzerte, bis heute ist die Reihe der Anrechtskonzerte eine der publikumsstärksten im Südwesten. Dirigenten und Solisten kamen und gingen – das MI blieb bestehen.

Also ging es bei der Preisvergabe an Theisen einerseits um das erfolgreiche Forstsetzen einer großen Tradition. Aber auch, wie es der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig in seiner Begrüßungsrede feststellte, um Theisens „Geradlinigkeit, immer geradeheraus zu sagen, was notwendig ist“. Jeder Koblenzer OB ist automatisch Vorstandsvorsitzender des Musik-Instituts – und in ihren jeweiligen Funktionen hatten Hofmann-Göttig und Theisen in dessen „erst“ sieben Jahren andauernder Tätigkeit einige Krisen zu bewältigen, bei denen auch Konflikte nicht ausblieben, die offenbar professionell gelöst werden konnten.

Besonders auf diese Sturmwellen in den vergangenen Jahren ging der Laudator der Verleihung ein. Der Kulturjournalist Andreas Pecht, Lesern dieser Zeitung als Autor wohlbekannt, ordnete die Intendanz Dr. Olaf Theisens in lange Zeitläufe ein. Denn in der jüngsten Vergangenheit waren durch die Sanierung samt Umbau der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle eine Ausweichspielzeit in der Sporthalle Oberwerth zu schultern – und anschließend, die MI-Arbeit im Kern angreifend, eine durch die Verzögerung der Hallensanierung erforderliche Absage einer kompletten Spielzeit. „Allein der Einsatz, das MI durch diese drei Jahre zu bringen, rechtfertigt die Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Stadt Koblenz“, resümierte Pecht in seiner launig-pointierten, trotz raumgreifender Ausführlichkeit sehr unterhaltsamen und mit viel Beifall aufgenommenen Lobrede.

Dabei hob er auch hervor, dass Theisen, der Verleger und Geschäftsführer eines Mainzer Medienunternehmens ist sowie hälftiger Mitgesellschafter des Mittelrhein-Verlags, in dem diese Zeitung erscheint, wie auch schon sein Vorgänger im Intendantenamt konsequent davon Abstand nehme, auf Konzertkritiker Einfluss zu nehmen. Und Pecht lobte den „Basso continuo“ des Musik-Instituts, Bernhard Riebling, der in 44 Jahren als MI-Geschäftsführer mit geschickter Langzeitplanung auch Dr. Olaf Theisen an die MI-Vorstandsmitarbeit und dann rasch an die Übernahme der Intendanz heranbrachte.

Mit einem Dank an Bernhard Riebling begann auch Theisen seine Dankesrede: Er nehme den Preis quasi „gemeinschaftlich“ mit diesem entgegen, ohne Rieblings tatkräftige Unterstützung in seinen ersten Intendantenjahren hätte er das Amt gewiss nicht angetreten.

Zeitpunkt nicht relevant

Zugegebenermaßen habe er sich, so Theisen, über den Kulturpreis im jetzigen Moment zunächst gewundert, aber: „Ich bin über die Maße bereichert durch das Amt, das wäre zu jedem anderen Zeitpunkt auch so gewesen, also ist der Zeitpunkt nicht relevant.“ Die mit dem Preis verbundenen 3000 Euro sollen, von Theisen privat aufgestockt, dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie zugutekommen: So wird der Freundeskreis des Orchesters drei weitere Praktikantenstellen in dem Klangkörper zur Verfügung stellen können.

Die vom Koblenzer Oberbürgermeister gelobte Geradlinigkeit Theisens kam in dem von den hervorragenden Klassik-Jungstars, den Solisten Danae Dörken (Klavier) und Benedict Kloeckner (Cello), sowie einem Überraschungsständchen des MI-Chores unter Leitung von Prof. Mathias Breitschaft musikalisch bereicherten, vorwiegend heiter gestimmt en Festakt dann auch prompt zum Zuge: Nach einem ausführlichen Dank an Hofmann-Göttig für dessen Einsatz für das Musik-Institut kam der frischgebackene Kulturpreisträger kurz, aber prägnant auf die Diskussion über das umstrittene Ruhegehalt des OB und weitere vom Rechnungshof angesprochene Versorgungsregelungen zu sprechen. Ihnbeschäftige, dass die Umstände, unter denen Hofmann-Göttigs Wechsel vom Amt des Staatssekretärs in das Amt des Oberbürgermeisters sich vollzog, Gegenstand eines Rechnungshofsberichts wurden.Der OB kenne seine Meinung hierzu – das genüge. Und Theisen fügte an, dass viele in der Diskussion über diesen Vorgang sagten, es würde doch wohl jeder in dieser Situation so handeln wie Hofmann-Göttig: „Hätte jeder so gehandelt? Machen wir alle dieselben Fehler?“ Zumindest für seine ehrenamtlichen Kollegen und sich selbst wolle er diese Frage verneinen.

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

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