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Früherer Chef des Aufsichtsrats fordert: Rethage muss gehen

Der ehemalige Hahn-Aufsichtsratschef Hans Endler wehrt sich gegen Vorwürfe, die Aufklärung der Affäre um die Passagierabfertigung an dem Hunsrück-Airport blockiert zu haben. Eine entsprechende Kritik des jetzigen Hahn-Geschäftsführers Heinz Rethage weist er scharf zurück und fordert dessen Entlassung.

Hans Endler
Hans Endler

Nach seinem Ausscheiden am 5. September 2013 hat Endler sich nicht mehr mit dem Hunsrück-Flughafen befasst, so verärgert war er offenbar über die Vorgänge dort. Bei einem ersten Telefonat war ihm nicht bekannt, dass überhaupt staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen. Endler amtierte zehn Jahre lang als Vorstandsmitglied bei der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. 2003 ging er in den Ruhestand. Bei seinem Amtsantritt als Hahn-Aufsichtsratschef im Oktober 2011 wurde er von der Landesregierung als "herausragender Fachmann" gelobt.

Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage wirft Ihnen vor, 2013 seine Aufklärungsbemühungen in der Affäre um die Passagierabfertigung an dem Hunsrück-Flughafen behindert zu haben. Stimmt das?

Nein, das stimmt nicht. Rethage hat die vermeintlichen Unregelmäßigkeiten in der Tat zur Sprache gebracht. Aber ich als scheidender Aufsichtsratsvorsitzender und Finanzstaatssekretär Salvatore Barbaro als künftiger Aufsichtsratschef haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dornbach gebeten, die Fälle zu untersuchen. Der Auftrag trägt meine Unterschrift.

Rethage will Ihnen dieses Vorgehen eher abgetrotzt haben. In Ihrer letzten Aufsichtsratssitzung im August 2013 sollen Sie ihm sogar den Mund verboten haben.

So war das nicht. Wir hatten damals eine Vorbesprechung. Rethage erklärte, zum Komplex Serve & Smile Dienstleistungs GmbH (SSD) und vielen anderen Themen unbedingt vortragen zu wollen. Die Revision lag aber in der Zuständigkeit des zweiten Geschäftsführers Wolfgang Pollety. Ich habe verlangt, dass er seine Informationen an Pollety übergibt. Die beiden hätten gemeinsam vortragen können. Für eine entsprechende Absprache hatte Rethage 24 Stunden Zeit. Mir ging es in erster Linie um ein geordnetes Verfahren.

Und was geschah in der Sitzung?

Rethage hatte immer behauptet, einen Sonderauftrag von Innenminister Roger Lewentz zu haben, um den Hahn zu sanieren und dort aufzuräumen. Doch dieser bestritt, dass eine solche Absprache getroffen wurde. In besagter Aufsichtsratssitzung wollte Rethage nun vortragen, und ich habe ihn gefragt, ob die Übergabe an Pollety erfolgt sei. Das war sie nicht. Daraufhin habe ich Rethage den Vortrag untersagt. Als ich ihn damit konfrontierte, dass er gar keinen Sonderauftrag von Lewentz habe, meinte er sinngemäß: Dann habe ich mir den wohl selbst gegeben.

Und damit war für Sie das Tischtuch mit Rethage durchschnitten?

Mit so jemandem kann ich nicht zusammenarbeiten. Rethage hat einfach gemacht, was er wollte – ohne Absprachen, komplett eigenmächtig. Ein Geschäftsführer, der sich selbst Zuständigkeiten holt, der den Geschäftsbesorgungsplan missachtet, diese Arbeitsweise akzeptiere ich nicht. Zudem lehne ich ab, in welch ehrabschneidender Weise er über manche Leute spricht. Etwa über den Verkehrsleiter Stefan Maxeiner, dessen Rauswurf er vor Zeugen forderte.

Waren Sie in Ihrer Amtszeit denn selbst misstrauisch, was die Vorgänge um die Passagierabfertigung angeht?

Das Thema war vor meiner Amtszeit mehrfach im Aufsichtsrat besprochen worden. Als Rethage damit kam, hatte ich nichts dagegen, Dinge aufzuklären, die aufgeklärt werden müssen. Nur ist die Geschäftsführung keine Strafverfolgungsbehörde. Wenn etwas auffällt, muss es dem Aufsichtsrat gemeldet werden.

Warum mussten Sie am Ende gehen und nicht Rethage?

Ich habe Innenminister Lewentz gesagt, entweder geht Rethage oder ich. Die Gesellschafter wollten Rethage behalten, also bin ich gegangen. Ich werde jetzt 75 Jahre alt. In meinem Alter muss ich mir so etwas nicht mehr antun. Wenn ich heute noch Aufsichtsratschef wäre, würde ich versuchen, einen Gesellschafterbeschluss herbeizuführen, um Rethage aus dem Amt zu entfernen.

Sie waren zehn Jahre Finanzvorstand bei der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. Was muss am Hahn geschehen, damit der Flughafen eine Zukunft hat?

Wir müssen dort über ganz andere Dinge reden. Vor allem anderen muss das Geschäftsvolumen erhöht werden. Und das geht nur mit der Fracht. Der frühere Flughafenchef Jörg Schumacher und sein Verkehrsleiter Stefan Maxeiner haben hier eine sehr positive Entwicklung ausgelöst. Sie war nur nicht stabil. Jetzt geht es darum, neue Kunden in der Fracht zu akquirieren. Solange Platzhirsch Ryanair am Hahn ist, werden wir keine weitere große Passagierfluglinie zu dem Hunsrück-Airport holen können.

Das Gespräch führte Dietmar Brück

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