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    Die neue Rolle von Andrea Nahles – Bei den Posten ist die SPD ganz schnell

    Viel zu feiern gibt es für die Genossen nach dem historisch schlechten Wahlergebnis nicht. Trotzdem ist beim seit Monaten terminierten Gartenfest des „Seeheimer Kreises“ eine Menge los. Ein entfesselter Martin Schulz schwört die Genossen auf ihre neue Rolle in der Opposition ein. Unter der Oberfläche brodelt es. Doch vor der Aufarbeitung des Wahlergebnisses geht es erstmal um Posten.

    Andrea Nahles ist als Fraktionschefin durchaus umstritten – 
Folgen Genossen heute ihrem Parteichef?
    Andrea Nahles ist als Fraktionschefin durchaus umstritten – 
Folgen Genossen heute ihrem Parteichef?
    Foto: dpa

    „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, dröhnt Martin Schulz ins Mikrofon. Natürlich würden Grüne und FDP jetzt noch „ein bisschen Spirenzchen machen“, bevor sie einer Koalition mit der Union zustimmen. Aber Jamaika wird kommen, da ist er sicher. Er klingt, als hätte er nie um den Einzug ins Kanzleramt gekämpft. Jetzt ist die Stunde der Opposition. Die SPD habe fünf Prozentpunkte verloren, mehr verloren aber hätte doch die Union, betont Schulz. „Dieses Land braucht endlich die Auseinandersetzung der demokratischen Rechten mit der demokratischen Linken.“ Schulz hatte sich noch am Wahlabend mit Arbeitsministerin Andrea Nahles darauf geeinigt, sie für den Fraktionsvorsitz vorzuschlagen. „Wir sind auf die Opposition gut vorbereitet“, sagt Schulz. Ein „Dream-Team“, ein echtes Traum-Duo also, könnten er und Nahles an der Spitze der Partei und der Fraktion womöglich werden. Unter den Zuhörern sehen das nicht alle so.

    Der Seeheimer Kreis ist der rechte, eher wirtschaftsfreundliche Flügel der SPD, Nahles gehört der Parlamentarischen Linken an. Sie hat sich als Arbeitsministerin in der vergangenen Legislaturperiode viel Respekt erworben, das schon. Aber nach der Wahl will eben jeder ein Wörtchen mitreden. „Vorschnelle Festlegungen über die Fraktionsführung helfen nicht weiter und daher lehnen wir diese ab”, sagte der Vorsitzende der Seeheimer, Johannes Kahrs, noch vor dem großen Fest im Garten.

    Nahles lauscht der Rede von Martin Schulz vor der Bühne. Die 47-jährige Frau aus Weiler in der Eifel, das wird an diesem Abend wieder deutlich, ist vernetzt wie kaum jemand anderes in der Partei. Jusos wollen Selfies mit ihr, ein Parteifreund nach dem nächsten kommt zum Gratulieren vorbei. Sie könnte die neue starke Frau in der SPD sein – wenn sie heute in der Fraktion mit einem entsprechenden Ergebnis gewählt wird. Bei ihr selbst währte die Katerstimmung nach dem Wahlergebnis wohl auch deshalb nur kurz. Ein so schlechtes Ergebnis hatte aber auch sie nicht erwartet, und Opposition ist harte Arbeit. Dafür muss sie die Fraktion hinter sich wissen. Um die Seeheimer zu befrieden, wird sie den „Seeheimer“ und Finanzpolitiker Carsten Schneider als Parlamentarischen Geschäftsführer vorschlagen, ebenfalls ein einflussreicher Posten in der Bundestagsfraktion. Nahles muss jetzt netzwerken, aber das konnte sie schon als Generalsekretärin.

    Bei der ersten Fraktionssitzung der SPD am Dienstag ist dann auch erstmal keine offene Kritik an der Personalie Nahles zu hören. Gustav Herzog, der als einziger SPD-Kandidat in Rheinland-Pfalz ein Direktmandat gewann, tut das Aufmucken der Seeheimer als „übliches Krawallgetue“ nach der Wahl ab. „Andrea kann das“, meint er.

    Es wäre ohnehin ein harter Schlag ins Kontor, wenn Nahles jetzt nicht gewählt würde. Es wäre nicht weniger als ein offenes Misstrauensvotum gegen Martin Schulz als Parteivorsitzenden. „Es war keine einsame Entscheidung, es war ein Vorschlag des Parteivorsitzenden“, verteidigt denn auch Florian Pronold, Staatssekretär im Umweltministerium, die Personalie Nahles. Ansonsten ist in der ersten Fraktionssitzung mit den „alten“ und den neuen Bundestagsabgeordneten Trösten, Begrüßen und Schulz für seinen Wahlkampf danken angesagt. Der langjährige SPD-Abgeordnete Joachim Poß meint, man müsste das Wahlergebnis analysieren und überlegen, wie man weitermacht. „Das haben wir schon häufig gesagt. Aber diesmal müssen wir es wirklich dringend tun“, sagt er. Im Fraktionssaal sind auch Außenminister Sigmar Gabriel und Noch-Fraktionschef Thomas Oppermann. Beider große Zeit in der allerersten Reihe scheint vorbei zu sein. Die Kameras sind nun auf andere gerichtet. Eine der wohl kürzesten Amtszeiten an der Spitze des Familienministeriums hatte die Trierer SPD-Abgeordnete Katarina Barley. Sie war erst im Juni ins Amt gekommen, nachdem Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin nach Mecklenburg-Vorpommern wechselte. Auch sie könnte auf einen vorderen Posten bestehen.

    In vielen Fragen scheint bei den Genossen längst nicht das letzte Wort gesprochen. Kann sich Schulz als Parteichef halten? Was denken die Mitglieder nach dieser Wahl? Was, wenn die Jamaika-Verhandlungen scheitern? Will man dann Neuwahlen zulassen? Doch in eine neue Große Koalition gehen? Niemand hier will das. Ausgeschlossen ist es trotzdem nicht.

    Rena Lehmann

    Rheinland-Pfalz
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