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    Brandanschlag auf Haus von Pastoralreferenten war versuchter Mord: Hohe Haftstrafen für 17- bis 23-Jährige aus Neonazi-Szene

     Limburg/Wetzlar - Wegen versuchten vierfachen Mordes und schwerer Brandstiftung hat das Limburger Landgericht am Mittwoch vier Angeklagte aus der Neonazi-Szene zu hohen Haftstrafen  verurteilt.

    Der Initiator und Werfer des Molotowcocktails, Francesco M. (17,) muss fünf Jahre und drei Monate Jugendstrafe absitzen.
    Der Initiator und Werfer des Molotowcocktails, Francesco M. (17,) muss fünf Jahre und drei Monate Jugendstrafe absitzen.
    Foto: Dieter Fluck

     Limburg/Wetzlar - Wegen versuchten vierfachen Mordes und schwerer Brandstiftung hat das Limburger Landgericht am Mittwoch vier Angeklagte aus Wetzlar zu Haftstrafen von fünf Jahren und neun Monaten bis zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

    Die vier jungen Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren, die der rechtsextremen Gruppierung „Anti Antifa Wetzlar“ angehörten, hatten in der Nacht zum 5. März vorigen Jahres mit einem Molotowcocktail einen Brandanschlag auf das Wetzlarer Wohnhaus des Pastoralreferenten Joachim Schaefer geworfen.

    Der Staatsanwalt hatte Haftstrafen von sieben bis fünf Jahren gefordert. Die Angeklagten hatten gestanden, sich an dem 48-Jährigen rächen zu wollen, der sich unter anderem in seinem "Jugendnetz Wetzlar" aktiv gegen die rechte Szene einsetzte, die Neonazis unter anderem bei ihren Aktionen filmte und im Internet der Lächerlichkeit preisgab.

    "Gummiboot"-Video bei YouTube & MySpace

    So hatte er sie bei einer Schlauchbootfahrt auf der Lahn anlässlich des Rudolph-Hess-Todestages 2009 aufgenommen und den Streifen musikalisch mit dem "knallroten Gummiboot" unterlegt. YouTube löschte das Video ohne genauere Erklärung, Schaefer hat es aber auch bei MySpace hochgeladen - hier zu sehen:

     

    Schaefer sagte später, es sei eine "Provokation" gewesen. Danach sei ihm zum ersten Mal Gewalt angedroht worden. Und der 17-Jährige nicht vorbestrafte Haupttäter Francesco M. hatte angekündigt, "dem Schaefer einen Molli reinflacken" zu wollen.

    23-Jähriger trat als Kronzeuge auf

    „Sie wollten seinen Aktivitäten ein Ende setzen“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter dem jungen Mann. Der 23-jährige mitangeklagte Giancarlo F. habe zwar vor den Gefahren gewarnt, doch seinen Kameraden sei das "scheißegal" gewesen. Sie hätten sich darüber lustig gemacht, hatte der 23-Jährige berichtet, der zum Tatort gefahren war. Für ihn wandte das Gericht wegen seiner unmittelbaren Aufklärungshilfe die Kronzeugenregelung an.

    Die Tat sei gut vorbereitet gewesen. Der Initiator habe eine 0,5-Liter Limoflasche zur Hälfte mit Benzin gefüllt und mit einer Stofflunte versehen. Die Kennzeichen des Pkw hätten sie mit Kreppband überklebt, die Nacht gewählt und sich davon überzeugt, dass im Haus kein Licht mehr brenne, so das Gericht. Sodann habe der 17-Jährige die Flasche gegen die Haustür der Familie des 48-jährigen katholischen Theologen geworfen, der sich zur Tatzeit aber nicht im Haus befand.

    Die zwischen Tür und Boden hindurch laufende Flüssigkeit hatte einen hinter der Tür befindlichen Vorhang und eine Zugluftschutzrolle entzündet. Das Feuer griff von dort auf das Holztürblatt über. Das Feuer wurde durch die 44-jährige Wohnungsinhaberin und eine Nachbarin entdeckt. Es konnte von den beiden Frauen noch vor dem Übergreifen auf die Holztreppe gelöscht werden. Die 44-Jährige und drei ihrer Kinder im Alter von 19, 17 und 15 Jahren, die in dem Haus schliefen, blieben unverletzt.

    „Die Angeklagten haben heimtückisch gehandelt und den Tod der Bewohner in Kauf genommen“, begründete die Kammervorsitzende den Urteilsspruch. „Alle vier entstammen schwierigen Familienverhältnissen, hatten Probleme in der Schule, drei haben keine Ausbildung. Sie fühlten sich ausgegrenzt und suchten Halt in einer Gemeinschaft, in der Gewalt und Alkohol vorherrschten“, führte die Kammervorsitzende aus.

    Nach Beendigung des Prozesses betonte Staatsanwalt Frank Späth: „Diese Tat war nicht politisch motiviert. Die Angeklagten haben in ihrem Leben nicht in die Gesellschaft gefunden, sich gegen Ausländer gestellt und Worthülsen des rechten Gedankenguts verwendet, die sie nicht auszufüllen wussten.“

    Von unserem Mitarbeiter Dieter Fluck

    Sie wollten "dem Schaefer einen Molli reinflacken"
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