Archivierter Artikel vom 23.11.2018, 14:30 Uhr
Neuwied

Weinseminar sorgt für zauberhafte vinophile und kulinarische Augenblicke

Das 19. Weinseminar für Wein-Einsteiger und Wein-Liebhaber an der Volkshochschule Neuwied unter der Leitung von Micha Stalp widmete sich diesmal ausschließlich den Weinländern Neuseeland, Brasilien und Südafrika.

VHS Neuwied

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Zur Begrüßung wurden den Teilnehmern Himbeertrüffel mit weißer Schokolade und geräucherte Caipirinha-Lachshäppchen gereicht, korrespondierend zu einem feinperligen, herrlich fruchtigen Sparkling Rosé aus Südafrika und einem Espumante Moscatel aus Brasilien, welcher mit einer delikat eingebundenen Fruchtsüße zu überraschen wusste.

Im theoretischen Teil des Seminars informierte Micha Stalp ausführlich über die besondere Topografie und die abwechslungsreiche Weingeschichte der drei Länder aus Übersee, gespickt mit Krisen, Rückschlägen und Erfolgen.

Micha Stalp kommunizierte mit Leidenschaft Brasiliens Bestrebungen nach internationaler Etablierung seines hochwertigen Weinsegments, Neuseelands unglaubliche Dynamik in Sachen Knowhow und Innovation sowie Südafrikas bemerkenswertes Wein-Qualitätssystem und den Ehrgeiz und Durchhaltewillen zur Vinifizierung von Top-Weinen.

Unter den Spitzenerzeugern ist Neuseeland mit Abstand das jüngste Weinland. Auf den beiden großen Inseln im Pazifik wird eigentlich erst seit Anfang der 1980er-Jahre professioneller Weinbau betrieben. Die ersten Reben jedoch wurden bereits 1819 in Neuseeland gepflanzt, die Reblausplage und eine jahrzehntelange Prohibition verhinderten allerdings einen entscheidenden Aufschwung. Mitte der 80er Jahre ebnete der Sauvignon Blanc des Weingutes Cloudy Bay quasi über Nacht den Weg für den internationalen Erfolg neuseeländischer Weine.

Auf Grund seines Terroirs und seiner unterschiedlichen Klimata bietet Neuseeland sehr gute Voraussetzungen zur Vinifizierung von „Cool-Climate-Weinen“ mit klaren und präsenten Aromen.

Beim Weinbau in Südafrika konzentriert man sich auf die südwestliche Region rund um Kapstadt. Der politische Wandel Südafrikas in eine moderne Demokratie initiierte auch eine neue Dynamik in der südafrikanischen Weinwirtschaft. Heute wachsen die Reben in vielzähligen Tälern, geschützt von massiven und Millionen Jahre alten Bergketten. Eingebettet zwischen dem Indischen und dem Atlantischen Ozean profitieren die Weinberge von den kühlenden Brisen. Die frische Aromatik der Trauben bleibt dank der längeren Reifeperiode erhalten, entsprechend finessenreich und elegant können Südafrikas Weine schmecken. Der An- und Ausbau von Wein ist in Südafrika entsprechend europäischen Vorbildern gesetzlich streng geregelt.

Die neue Generation in den südafrikanischen Weingütern pflegt Traditionen und kulturelles Erbe, ist aber immer wieder auf der Suche nach Veränderung und Innovation. Dieses stetige Aufbruchsdenken spiegelt sich auch im Portfolio der Rebsorten des Weinlandes wider. Chenin Blanc und der rote Pinotagewein bilden das autochthone Rückgrat Südafrikas. Daneben bieten u.a. Sauvignon Blancs, Chardonnays, Bordeaux-Blends und neuerdings Syrahweine eine bemerkenswerte Weinvielfalt.

Brasilien war in Sachen Weinwirtschaft lange Zeit nur ein Markt für Importeure, als Produzent guter Weine oder gar als Exporteur wird das riesige Land bis heute kaum wahrgenommen. Dabei verfügt Brasilien über einige Gebiete, die klimatisch bestens für den Weinbau geeignet sind. Die unbestritten beste Anbauregion Serra Gaúcha liegt im Süden auf dem 29. Breitengrad und ist mit rund 8000 Hektar Brasiliens wichtigstes Weinbaugebiet. Es wird geprägt von kleinen Familienweingütern, sie erzeugen rund 90 Prozent des gesamten brasilianischen Qualitätsweins. Die Subregion Vale dos Vinhedos gilt als die vielleicht beste Anbauzone des Landes und ist zugleich die erste, die eine offizielle Herkunftsbezeichnung trägt. Die Weine sind geprägt von frischen Aromen, guter Fruchttiefe und einer sehr guten Balance von Extraktsüße und Säurestruktur. Die wichtigsten Rebsorten sind Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay. Übrigens: Ein Drittel des hochwertigen Weinanbaus Brasiliens dient der Erzeugung erstklassiger Schaumweine aus überwiegend Pinot Noir, Chardonnay, Glera (für Prosecco) und Muscatreben.

In der Pause des Seminars konnten die Teilnehmer in einer Weinverkostungszone diskutieren, verweilen und das ausgezeichnete Qualitätsspektrum der drei magischen Weinländer sensorisch wahrnehmen. Ausgewählte und auf die Weine abgestimmte Käsespezialitäten und andere köstlich schmeckende kulinarische Überraschungen wie eine südafrikanische Süßkartoffelsuppe, ein südafrikanischer Hackbraten (Bobotie) oder brasilianisches Pão de queijo (Chipá) sorgten bei den Teilnehmern für Erstaunen und Begeisterung.

Zum Abschluss der Veranstaltung, die in den liebevoll dekorierten Räumlichkeiten der vhs Neuwied stattfand, wurde von Marion Herz-Stalp eine wunderbare Dessert-Trilogie in Verbindung mit einem köstlich authentischem Riesling-Süßwein aus Südafrika aufgetischt. Welch eine überwältigende finale sinnliche Genussreise!

Eine Teilnehmerin brachte ihren Eindruck zum Ende des Seminars auf diesen Punkt: „Dies war für mich ein fürwahr magisches Weinseminar mit einer Vielfalt an Informationen über die so weit von uns entfernten Weinländer, ausgezeichneten Weinen und Kulinarik. Der Fokus des Seminars weckt bei mir Reiselust und macht mich neugierig auf weitere sensorische Erfahrungen jenseits unserer nördlichen Hemisphäre.“

Im November 2019 findet nun die große Jubiläumsveranstaltung statt.

Das 20. vhs-Weinseminar stellt das Weinland Österreich unter dem Leitmotiv „Große Kunst ohne Allüren“ in den Mittelpunkt. Man darf schon heute gespannt sein, mit welch außergewöhnlichen Weinqualitäten Österreich im deutschen Spätherbst seine Aufwartung machen wird.