Archivierter Artikel vom 23.06.2022, 10:08 Uhr
Mainz/Neuwied

Übungen sind für Krisenmanagement unverzichtbar: Workshop macht Kommunen fit für Hochwasserübungen

Extremhochwasser wie im vergangenen Jahr an der Ahr und in der Eifel sind jederzeit auch am Rhein möglich. Mithilfe von Hochwasserübungen können Kommunen ihr Hochwassermanagement verbessern, um Schäden gering zu halten.

Foto: Ute Eifler, Hochwassernotgemeinschaft Rhein

Vor dem Hintergrund zunehmender extremer Hochwasser- und Starkregenereignisse hat die Hochwassernotgemeinschaft Rhein (HWNG) gemeinsam mit dem Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge (IBH), den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB Köln) und dem HochwasserKompetenzCentrum (HKC) kürzlich den Workshop „Hochwasserübungen – Sensibilisierung und Training“ in der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ) in Ahrweiler veranstaltet.

Ziel war es, das Verständnis für diesen Bereich des Hochwasserschutzes zu vertiefen. „Die Flutkatastrophe an der Ahr und in der Eifel im Sommer 2021 hat deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, für den Ernstfall gerüstet zu sein“, betonte Dr. Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer der HWNG und geschäftsführender Vorstand des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz (GStB), in seiner Begrüßungsrede. Trotz Rückhaltemaßnahmen ließen sich Schäden durch Hochwasser und Sturzfluten nicht zu 100 Prozent vermeiden. „Vor dem Hintergrund der neuen Dimensionen steht die bisherige Arbeit auf dem Prüfstand!“ Regelmäßigen Hochwasserübungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Sie zeigen den Stand der Vorbereitung, decken Defizite im Hochwassermanagement auf und sensibilisieren für die Gefahren. „Zur Vorbereitung auf potentielle Ereignisse ist ein integriertes Risiko- und Krisenmanagement notwendig, um die Kompetenz zu erreichen, in Katastrophenlagen zu reagieren“, verdeutlichte Katrin Stolzenburg von der BABZ die Wichtigkeit von Übungen aus der Sicht des Bundes.

Die Möglichkeit, von den Erfahrungen kompetenter Fachleute zu profitieren, lockte 44 Teilnehmer aus Kommunen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – darunter Wehrleiter der Feuerwehr, Bürgermeister, Beigeordnete und Vertreter von Bauämtern, Deichverbänden sowie Wirtschaftsbetrieben – nach Ahrweiler. So berichtete Volker Lüdicke von den StEB detailliert über die Erkenntnisse aus Übungen zum Aufbau von mobilen Schutzanlagen in Köln. Alexander Kern, Leiter der hauptamtlichen Feuerwehr Erftstadt, ließ die Anwesenden an der dramatischen Evakuierung des Krankenhauses in Eftstadt während der Flutkatastrophe 2021 teilhaben. „Die Stadt war durch die Fluten in zwei Teile geteilt und das Krankenhaus mit normalen Fahrzeugen nicht mehr erreichbar“, so Kern. Ein Jahr nach der Katastrophe stehe man im engen Austausch mit dem Krankenhaus, um einen Evakuierungsplan zu erarbeiten und die Infrastruktur des Gebäudes hochwasserfrei zu gestalten.

Stephan Roth von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz (ADD) referierte über die Neufassung des Rahmen-Alarm- und Einsatzplans (RAEP) „Hochwasser“ für Rheinland-Pfalz, der in Absprache mit den kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet wurde. Das Risiko-Analyse-Tool Wasser (RAWAS), das der Einsatzplanung, der Übungsvorbereitung sowie als Grundlage von Stellungnahmen dient und mit dem unter anderem für bestimmte Szenarien mögliche Schadenshöhen für einzelne Gebäude ermittelt werden können, wurde von Sabine Siegmund von den STEB Köln vorgestellt.

Auch das wichtige Thema Sensibilisierung und Einbindung der Bevölkerung wurde thematisiert. „Für die Vorsorge bezüglich der Folgen von extremen Starkregenereignissen sind die Objekteigentümer verantwortlich“, betonte Jutta Lenz vom HKC. Staatliche Hilfe bei entstandenen Schäden sei nicht selbstverständlich. „Die Versicherung gegen Elementarschäden ist daher angesichts der Klimawandelfolgen wichtig!“, so Lenz.

In Arbeitsgruppen hatten die Teilnehmer dann die Möglichkeit, in die Praxis einzusteigen. Unter der Leitung von Ulf Krüger von der BABZ und Volker Lüdicke (StEB Köln) wurden Fragen zur Planung und Durchführung von Stabsübungen sowie kommunalen Hochwasserübungen intensiv bearbeitet und geklärt. „Die Zusammenarbeit des Stabs muss geübt werden, um Abläufe zu verinnerlichen. Das Szenario ist egal! Übungsziel ist die Methodenkompetenz für das Krisenmanagement und die Stabsarbeit“, so Krüger. Und Lüdicke betonte: „Die innerkommunale Diskussion über Hochwasserübung ist wichtig. Wir müssen über den Tellerrand sehen, um neue Ideen zu entwickeln.“ Weitere Informationen: Dr. Ute Eifler, Telefon 06131/2398-186 und per E-Mail unter ueifler@gstbrp.de oder unter www.hochwassernotgemeinschaft-rhein.de.

Pressemitteilung von Ute Eifler (HWNG)