Archivierter Artikel vom 27.01.2020, 12:00 Uhr
Neuwied

Gut besuchter Vortrag über Ernährung an der Waldorfschule

Dr. Petra Kühne, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin des Arbeitskreises für Ernährungsforschung, referierte an der Rudolf-Steiner-Schule Mittelrhein über „Anthroposophische Ernährung – individuell, sozial, ganzheitlich.“

Das Foto zeigt Dr. Petra Kühne.
Das Foto zeigt Dr. Petra Kühne.
Foto: Andrea Briel

Der Wohlstand in Mitteleuropa ermöglicht ein vielfältiges Nahrungsangebot unabhängig von Saison, Ort und Tageszeit. In dieser Vielfalt suchen Menschen nach Orientierung für eine gesunde und bewusste Ernährung. Dies zeigte sich im mit interessiertem Publikum gefüllten Festsaal der Schule.

Dr. Petra Kühne erläuterte, dass es sich bei der anthroposophischen Ernährung nicht um eine weitere Lehre mit Richtlinien und Empfehlungen handele. Rudolf Steiner sei es vielmehr ein Anliegen gewesen, die bereits bestehende Ernährungswissenschaft zu ergänzen. Laut Steiner soll Ernährung Freude machen und individuelle sowie altersgemäße Aspekte berücksichtigen. Grundsätze der anthroposophischen Ernährung sind Kulturoffenheit, die Qualität der Lebensmittel durch biodynamischen Anbau, Beachtung der kosmischen Kräfte und das Kreislaufdenken, nach dem alles miteinander zusammenhängt. Diese umfassende Betrachtung zeigt, dass es in der anthroposophischen Ernährung um mehr geht als um eine reine Ernährungslehre. Dies führt zu der Kernaussage einer anthroposophisch orientierten Ernährung: Empfehlungen sind nur Hilfen, der Bedarf ist immer individuell.

Dr. Kühne führte mit Humor, Fachkenntnissen und gezielt eingesetzten Zitaten Steiners sehr anregend durch den Abend. Ohne dogmatisch zu sein, gab sie Empfehlungen für eine bessere Ernährung, die auf Erkenntnissen Rudolf Steiners beruht und durch dessen Nachfolger und ihre eigene Forschung weiterentwickelt wurde. Sie warnte vor einer allzu radikalen und damit Probleme schaffenden Haltung: Essen sei Genuss und dafür da, dass wir Freude am Leben haben. Dabei sollte das Ich wach sein, um sich beschränken zu können und nicht durch den Wohlstand übermäßig verführen zu lassen. Schaffen Eltern es, diese Haltung an ihre Kinder weiterzugeben, dann sei eine gute Basis für eine achtsame Ernährung geschaffen. Als symbolischen Dank überreichte der Eltern-Lehrer-Kreis Dr. Kühne eine Tasche voll frischem Bio-Gemüse von der Solidarischen Landwirtschaft Stopperich.