Archivierter Artikel vom 08.03.2018, 13:51 Uhr
Koblenz

Training macht Kindernotfallteams für den Alltag fit

Die 3. Veranstaltung am Kemperhof simuliert den Arbeitsalltag in der Notaufnahme und wartet mit neuen Ideen auf. Humorvolle Medizin verbessert nachweislich die Beziehung zwischen Patient und Behandler.

Foto: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

Plötzlicher Schneefall und Glatteis über Nacht waren kein Hinderungsgrund dabei zu sein: Die diesjährige Auflage des berufsgruppenübergreifenden Koblenzer Kindernotfalltages in der Kinder- und Jugendmedizin im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Kemperhof, zeichnete sich wieder durch enorme Praxisnähe aus. Rund 20 Notfalltrainer zeigten wie es geht – und die Teilnehmerzahl übertraf erstmals die magische Zahl von 100.

So wurde das richtige Vorgehen bei kritisch kranken Kindern aller Altersstufen intensiv eingeübt. Deutlich kam dabei heraus, dass das bloße Rekapitulieren von Wissen und Leitlinien alleine nicht reicht. Die Qualität des Miteinanders, also der Kommunikation im Behandlungsteam, besitzt einen noch höheren Stellenwert. Eine erfahrene medizinische Fachangestellte aus einer Kinderarztpraxis brachte es auf den Punkt: „Im Team muss jeder auf den anderen achten. Heute habe ich wie selten zuvor gespürt, dass nur gemeinsames Handeln mit einer umsichtigen Leitung zum Erfolg führt.“

In interaktiven Vorträgen und zahlreichen Trainingsszenarien wurde diese Erkenntnis für jeden erlebbar. Die intelligenten Computerpuppen liefen über Stunden auf Hochtouren, und die Trainer hatten in ihren Gruppen alle Hände voll zu tun. Damit ein derartiges Training an „quasi lebendigen“ Puppen mit kleinen Notfallteams perfekt gelingt, braucht es eine extrem gute Vorbereitung. Nur dann kann die Notfallsimulation mit dem Arbeitsalltag in der Notaufnahme, in der Praxis, im Schockraum oder auf der Kinderintensivstation fast identisch werden. „Es mag überraschend klingen, aber ein hilfreiches Erfolgsrezept dabei ist eine Brise Humor. Entspanntes Vorgehen ist beim Notfallteamtraining ein entscheidender Faktor und bewirkt, dass es eben deutlich effektiver läuft, dass alle sich wohler fühlen und die Kernbotschaft der Übung von den Teilnehmern besser verinnerlicht wird“, sagt Dr. Thomas Hoppen, Initiator der Veranstaltungsreihe im Kemperhof, und verweist auf den europäischen Kindernotfalltag in Garmisch, bei dem „Humorvoll arbeiten und leben“ das Kernthema der Eröffnungsrede war.

Humor im Behandlungsteam überträgt sich im wirklichen Leben auch auf die Patienten und ist ein besonderer Stil der Situationsverarbeitung, der hilft auch schwierigen und negativen Situationen positive Seiten abzugewinnen. „Professioneller“ Humor bedarf der praktischen Übung wie das Kindernotfall-Teamtraining in Koblenz gezeigt hat. „Humorvolle Medizin verbessert nachweislich die Beziehung zwischen Patient und Behandler und effektives Kindernotfalltraining zusätzlich die Patientensicherheit und die Ergebnisqualität“, betont Hoppen.

Demonstration einer professionellen Säuglings-Reanimation durch Trainer und Teilnehmer vor über 100 Zuschauern.