Archivierter Artikel vom 25.04.2019, 15:40 Uhr
Koblenz

Frauenwahlrecht im Fokus der Koblenzer „KarTage“

Gemeinsam mit Pastoralreferentin Jutta Lehnert vom Dekanat Koblenz nahmen 14 Frauen aus der Region an den „KarTagen für Frauen“ teil, die aus Anlass des 100. Jubiläums des Frauenwahlrechts in Berlin stattfanden.

Starke und unerschrockene Frauen aus der eigenen Lebensgeschichte standen am ersten Abend im Mittelpunkt der Gesprächsrunde.

Unter dem Thema „Vergessene Heldinnen“ führte Claudia von Gélieu von der Rosa-Luxemburg-Stiftung am darauffolgenden Tag durch die Geschichte von Frauenrechtlerinnen und Kriegsgegnerinnen. Von der ehemaligen Wohnung Rosa Luxemburgs in Friedenau ging es über die Grablegen und Gedenkstätten von Hedwig Dohm und Minna Cauer auf dem Matthäusfriedhof zum Denkmal für Marie Juchacz, das erst 2017 auf dem Mehringplatz errichtet wurde.

Den Besucherinnen war es wichtig, die Wirkungsgeschichte der Frauenrechtlerinnen kritisch zu sichten und deren Enttäuschungen und Verzweiflung ernst zu nehmen. „Dass hinter den berühmt gewordenen Frauennamen Tausende Gleichgesinnte stehen, ist eine Tatsache, die noch den Weg in die Geschichtsbücher finden muss“, betont Jutta Lehnert.

Zitate aus Reden, Sätze aus der Zeitschrift „Die Gleichheit“ und Porträts von Frauen wurden mit Hilfe der Berliner Künstlerin Gesine Finder kreativ zu Papier gebracht.

Die Teilnehmerinnen sind sich sicher: Auch die Befreiungsgeschichten der Bibel sind ohne die Mitwirkung von Frauen undenkbar. Damit zum Beispiel ein Mann wie Mose Befreier genannt werden könne, sind genau sechs Frauen an der Vorarbeit beteiligt. „Das kann kein Zufall des Textes sein, sondern rückt die Beteiligung von Frauen ins rechte Licht“, ist sich Jutta Lehnert sicher und hat noch ein weiteres Beispiel: Die lange vergessene und verfremdet erzählte Geschichte der Thekla. Diese ergreift selbst die Initiative und wird, unabhängig von Paulus, Verkündigerin des Evangeliums und damit Vorbild für Frauen in den ersten Christengemeinden. Für die Koblenzer Gruppe führte das zu reichlich Gesprächsstoff und vielen Fragen. „Warum sind heute so wenige Frauen politisch aktiv? Warum ist ihnen die Verkündigung in der Kirche verwehrt?“

„Auferstehung heißt in diesem Zusammenhang, dass Frauen Neues entwerfen; dabei Altes, was dienlich ist, einbauen und Verletzungen in Kauf nehmen“, zeigt Jutta Lehnert auf. „Der Weg wird sein, dass Frauen neue Allianzen schmieden, auch über enge religiöse Grenzen hinweg.“

Die KarTage für Frauen gehen weiter, im nächsten Jahr, an einem anderen Ort, aber, so Jutta Lehnert, immer „ermutigend und befreiend.“