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Westerwaldkreis

Zehn Flüchtlingshelfer blieben beim DRK

Leer sind die großen Räume in der ehemaligen Erstaufnahmestation in Ruppach-Goldhausen, nur die Betten stehen noch da. Ein Mann vom Sicherheitsdienst bewacht das Gebäude und hält das Grundstück in Ordnung. Eine Szenerie, wie sie seit einigen Wochen in Ruppach-Goldhausen zu beobachten ist.

In Ruppach-Goldhausen entstand die erste Aufnahmestation im Westerwaldkreis, die schon heute Geschichte ist. Archivfoto: Sascha Ditscher
In Ruppach-Goldhausen entstand die erste Aufnahmestation im Westerwaldkreis, die schon heute Geschichte ist. Archiv
Foto: Sascha Ditscher

Von unserer Redakteurin Susanne Willke

So wird es in Kürze auch in Herschbach/Uww. aussehen. Der Zustrom an Flüchtlingen ist abgebrochen, das Land machte nach und nach die kleinen Erstaufnahmestationen dicht, obwohl sämtliche Verträge für zwei Jahre geschlossen waren. Viele Mitarbeiter und Ehrenamtliche sind enttäuscht über das abrupte Ende ihres außergewöhnlichen Einsatzes. "Und wir vom DRK konnten zusehen, wie wir die Mitarbeiterverträge erfüllen", sagt Olaf Reineck als Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Nur 10 von 23 Angestellten sind noch heute beim DRK beschäftigt.

"Das Unkomplizierteste an der ganzen Geschichte waren die Bewohner selbst", sagt Olaf Reineck. Das Schwierigste war am Ende, die 23 neu eingestellten DRK-Mitarbeiter mit anderen Aufgaben zu versorgen. Sieben von ihnen konnten beim DRK Westerwald untergebracht werden, drei weitere übernahm das DRK Rhein-Lahn und brachte sie in der Aufnahmestation für Asylbegehrende (AfA) in Diez unter. Weitere drei Mitarbeiter schlugen ein Angebot des DRK aus. Sieben ehemalige Mitarbeiter fanden selbst eine andere Arbeit, Drei sind noch auf der Suche. Mitarbeiter wie diese bei einer nächsten Flüchtlingswelle zu motivieren, werde sicher schwierig, vermutet Reineck.

Nachdem bekannt wurde, dass die Station in Ruppach-Goldhausen schließen soll, blieben den Mitarbeitern noch zwei Monate Zeit, alles abzuwickeln. Einen weiteren Monat bekamen sie als Abfindung oben drauf. Zeit, in der sie etwas Neues finden mussten. Drei verabschiedeten sich in Richtung Diez. Eine Mitarbeiterin ging als Krankenschwester ans DRK-Klinikum Altenkirchen-Hachenburg. Eine ehemalige Erzieherin ist seitdem im Bereich Hausnotruf tätig. "Wir haben versucht, Dienstleistungen so einzurichten, dass wir die Leute übernehmen können", sagt Reineck. Das gelang aber nicht in allen Fällen. Eine der Büroangestellten zum Beispiel musste enttäuscht feststellen, dass sie wohl auf das falsche Pferd gesetzt hatte, als sie im Herbst 2015 zwei Jobangebote bekam und sich für die Flüchtlingsarbeit entschied.

"Ich weiß noch, wie der erste Bus mit Flüchtlingen ankam", erzählt Reineck. Die Erinnerung daran ist so frisch, als wäre es gestern gewesen. Aber wirklich lange her ist es tatsächlich nicht: Es war Mittwoch, der 21. Oktober 2015, als die ersten Flüchtlinge in der Erstaufnahmestation in Ruppach-Goldhausen im Westerwaldkreis einzogen. Viel Aufregung gab es damals. "Heute vermissen die Leute vermutlich das bunte Menschenbild", sagt Reineck. "Tore, die vorher verschlossen waren, standen am Ende weit offen, die Skepsis war verschwunden."

Innerhalb kürzester Zeit war ein Gefüge entstanden, in dem sich sowohl die Flüchtlinge als auch die Mitarbeiter schnell heimisch fühlten. Die anfängliche Skepsis auch unter der Bevölkerung schlug schnell in eine Welle der Hilfsbereitschaft um, die den DRK-Mitarbeitern vor Ort enorm half. "Es war für den Verband und für jeden einzelnen der Beteiligten eine außergewöhnliche Erfahrung", erzählt Reineck. Es sei letztlich auch eine unglaublich gute Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und kirchlichen Einrichtungen gewesen. Beachtlich auch der Einsatz hiesiger Unternehmen, die Tische und Stühle zur Verfügung stellten und sogar Bettzeug und Handtücher umsonst wuschen.

Aber es seien nicht nur die Festangestellten und Firmen, die enttäuscht waren. Dutzende ehrenamtlicher Mitarbeiter, Vereine, auch viele DRK-Ortsvereine, nicht zuletzt die Angestellten auf 450-Euro-Basis bekamen quasi einen Korb, mussten sich von heute auf morgen neu orientieren, nachdem sie gerade erst eine neue Aufgabe gefunden hatten. "Aber es ist vollkommen klar: Wo keine Flüchtlinge sind, gibt es auch keine Erstaufnahmestation", und letztlich seien immer noch die vielen dezentral untergebrachten Flüchtlinge auf Hilfe und Zuwendung angewiesen.

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