40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Westerwälder Zeitung
  • » Vier Jahre Jugendhaft für fatalen Faustschlag
  • Aus unserem Archiv

    Vier Jahre Jugendhaft für fatalen Faustschlag

    Montabaur/Westerburg - Wegen schwerer Körperverletzung mit fatalen Folgen muss ein 21-Jähriger aus der Verbandsgemeinde Westerburg vier Jahre lang in Jugendhaft. Richter Orlik Frank bezeichnete die Strafe in seiner Urteilsbegründung als relativ harmloses Schicksal für den Handwerks-Gesellen im Vergleich zu dem des Opfers. Der 32-Jährige lag lange Zeit in einem Koblenzer Krankenhaus im Wachkoma, wird mittlerweile von seiner Familie zuhause gepflegt, bleibt aber mit irreperablen Hirnschäden lebenslang ein Pflegefall.

    Ursache ist laut medizinischen Gutachten ein bewusstloser Sturz auf den Hinterkopf nach einem K.-o.-Schlag. Für das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Montabaur steht der Tatverlauf  nach sechs Verhandlungstagen zweifelsfrei fest: Am frühen Sonntagmorgen des 21. November 2010 kommt es in der Westerburger Diskothek Cha-Cha gegen 5 Uhr zu Streitigkeiten auf der Tanzfläche. Der damals 20-Jährige Täter mischt sich aus ungeklärten Gründen ein und schlägt das Opfer ohne Vorwarnung mit der Faust nieder. Die Wirkung des Schlages ist so heftig, dass das junge Mann laut Zeugenaussagen "wie ein Baum umfällt". Der Aufprall des Hinterkopfes auf den Boden ist so heftig, dass der DJ und weitere Zeugen den "Knall" trotz der lauten Musik gehört haben.

    Der damals 31-Jährige erleidet lebensgefährliche Verletzungen. Laut Notarzt zeigt er um 5.02 Uhr im Krankenwagen bereits keine Reaktionen mehr. Im Krankenhaus in Koblenz stellen die Ärzte ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, Hirnquetschungen sowie mehrere Blutungen fest. Mehrere Notoperationen retten sein Leben. Eine medizinische Gutachterin, Dr. Dorothea Hatz aus Mainz, kommt im März 2012 zu dem Ergebnis, dass die Verletzungen auf den Sturz infolge des K.-o.-Schlages zurückzuführen sind und dass der Geschädigte lebenslang ein Pflegefall bleiben wird.

    Als zweite Gutachterin und als Zeugin bestätigte dies nun auch Dr. Beate Schoch von der Neurochirurgie am Stiftungsklinikum Koblenz. Sie hat das Opfer vor 18 Monaten behandelt und jetzt bei seiner Familie besucht. Laut ihrer Einschätzung hat der 32-Jährige nach einer Rehabilitation unerwartete Fortschritte gemacht. Immerhin sei er in der Lage, mit den Augen Kontakt aufzunehmen, seine Mutter und seine Schwestern zu erkennen sowie einzelne Worte zu sprechen. Der Körper sei noch größtenteils gelähmt, mit der linken Hand könne er einfache Bewegungen ausführen.  "Wir sind positiv überrascht, dass er so weit gekommen ist, aber er bleibt schwerbehindert", resümiert Schoch. Eine erneute Kernspintomographie zeige, dass zu viel Hirngewebe zerstört sei. Eine erneute Reha könne aber zumindest erreichen, dass das Opfer nicht mehr über Magensonde, sondern mit fester Nahrung ernährt werden kann.

    Die Jugendgerichtshilfe des Westerwaldkreises sieht in dem Angeklagten eine gefestigte Persönlichkeit ohne Entwicklungsstörungen und empfahl dem Gericht deshalb, ihn nach dem Erwachsenenstrafrecht zu behandeln. Dem Vorschlag folgte Richter Frank nicht, stellte aber unmissverständlich klar: "Das ist keine jugendtypische Verfehlung. So schlecht ist unsere Jugend nicht!" Frank richtete weitere deutliche Worte an den Verurteilten und spielte dabei auf die Aussage einer Polizistin an, die den Fall im November 2010 aufgenommen hatte. Sie sagte aus, dass sie den Angeklagten wenige Wochen nach der Tat auf dem Pfefferkuchenmarkt mit Freunden gesehen  belauscht hatte, als diese über K.o.-Schlag-Techniken diskutierten. "Wie charakterlich verkommen muss man sein, um kurz nach diesem hochdramatischen Ereignis, so zu handeln?", fragte Frank, der jegliche Reue von Seiten der Anklagebank vermisste. Der Angeklagte blickte dabei unter sich und rang mit den Tränen.

    Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer vier Jahre und sechs Monate Jugendstrafe gefordert. Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Werner Wengenroth, hat am letzten Verhandlungstag wie bereits im gesamten Prozessverlauf vergeblich versucht, die Glaubwürdigkeit von Zeugen und die Ergebnisse der Gutachten in Zweifel zu ziehen. Auf den Verurteilten kommen nun auch zivilrechtliche Forderungen des Opfers und seiner Familie zu. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.   

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Montabaur Hachenburg
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Samstag

    9°C - 16°C
    Sonntag

    7°C - 11°C
    Montag

    8°C - 12°C
    Dienstag

    7°C - 12°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerien: Fotos unserer Leser
    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

    Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.