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Hachenburg

Toller Ritterabend trainiert die Lachmuskeln

Kirmesgesellschaft begeistert 1000 mittelalterlich gewandete Gäste mit 1. „Kermescal"

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

Die Stadt Hachenburg ist in diesem Jahr eine reich beschenkte Jubilarin. Zum 700. Geburtstag hat sie jetzt sogar ihr eigenes Musical bekommen – oder besser gesagt ein „Kermescal". Denn am Vorabend der traditionellen Hachenburger Kirmes begeisterte die Kirmesgesellschaft rund 1000 Gäste im zum Rittersaal umfunktionierten Festzelt mit einer grandiosen Show, die eine gekonnte Mischung aus „Kermes", Musical und Mittelalterspiel bot. Das in dieser Form bislang wohl einzigartige Programm mit dem Titel „Graf Heinrich ein gemeiner Mouerstratzer", das vom ehemaligen Kirmespräsidenten Heinz Becker koordiniert und geplant wurde, war ein massiver Angriff auf die Lachmuskeln der mittelalterlich gewandeten Besucher. Zwei Stunden lang erlebten diese – ähnlich wie beim politischen Kabarett auf dem Nockherberg in Bayern – an zünftigen Bierzeltgarnituren mit, wie die (über-)örtliche Prominenz in einer Mittelaltergeschichte von Mitgliedern der Kirmesgesellschaft („Ritter des Krautordens") durch den Kakao gezogen wurde. Im Mittelpunkt stand dabei Graf Heinrich der vorerst Letzte (Heinz Becker), dem auf seinem Hachenburger Schloss allerlei tollkühne Burschen und holde Weibsbilder begegnen.

Aktuelle und historische Begebenheiten wurden dabei mit dem Einsatz echter Tiere sowie mit viel Sprachwitz und teils anrüchigen Anspielungen thematisiert. So wurde beispielsweise die 1. Kuh-Stadt des Mittelalters ausgerufen, die Krämerstochter eröffnete einen Blumenladen, der halb nackte Schatzsucher Gollum, der Mittelalter mit Mittelerde verwechselt hatte, fühlte sich von einem Hering bedroht und musste daher unbedingt den Nürburgring zurück nach Mordor bringen. Die schöne Fischerin Helene flüchtete singend vor Stadtvogt Olli Panne, Ritter Pitter wurde auf der Streckbank in die Länge gezogen, Folterknecht-Bewerber Carlos Zahnbrecher überzeugte mit einer rockigen Einlage, fahrende Musikanten ließen das Märchen von Schneewittchen mit Protagonisten à la Conchita Wurst lebendig werden, und grazile Fanfarenspieler bewiesen tänzerisches Talent.

Am Ende zog ein Dämon der Zukunft ins Hachenburger Schloss ein und versetzte den Grafen zunächst in Angst und Schrecken. Doch der schreckliche Dämon, der auffallend helles Haar hatte, dunkle Sonnenbrille und rotes Jackett trug, entpuppte sich als Kirmespräsident Thomas Webler, der dem Autor des Abends, Heinz Becker, für seinen monatelangen Einsatz sowie allen Beteiligten herzlich dankte. Dank und Anerkennung zollte auch das Publikum allen Akteuren der Vorstellung. Unter diesen waren übrigens auch einige Personen des öffentlichen Lebens in Hachenburg, die sich selbst gewaltig aufs Korn nahmen. Neben Klamauk und politischen Spitzen prägten vor allem auch gesangliche Topleistungen die Show, die von den 1000 Rittern, Burgfräulein, Bettelmönchen und Handwerksgesellen im Saal, die durch ihre Verkleidung selbst Teil des Geschehens waren, mit lang anhaltendem Zwischenapplaus honoriert wurden. Mittelalterliches Essen und Stimmungsmusik mit den Trenkwalder Musikanten rundeten den gelungenen Abend im ausverkauften Rittersaal ab.

Montabaur Hachenburg
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