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Westerwaldkreis

Russland-Sanktionen sorgen Firmen

IHK spürt Verunsicherung und befürchtet Vertrauensverlust.

Von unserem Chefreporter
 Markus Kratzer

Der Ukraine-Konflikt zieht immer weitere Kreise. Die Europäische Union hat, im Zusammenwirken mit den USA, Wirtschaftssanktionen gegen Moskau verhängt, Russlands Präsident Wladimir Putin macht im Gegenzug mit Einfuhrverboten Druck auf den Westen. Diese Entwicklung, deren Ende noch nicht abzusehen ist, macht vor rheinland-pfälzischen Unternehmen nicht Halt, auch nicht im Westerwald. „Die Vergabe von Projekten wird seit Anfang der Sanktionen verschoben", berichtet Werner Sturm, Geschäftsführer von Steuler Anlagenbau in Höhr-Grenzhausen. „Es gibt auch schon die ersten Informationen seitens der Kunden, dass die Finanzierung der Projekte immer schwieriger wird", schildert er bereits deutlich spürbare Folgen. Das Unternehmen der Steuler-Gruppe ist in Russland bei verschiedenen Projekten im Bereich Stahlindustrie, Metallaufbaubereitung und Energie tätig. Die Sinnhaftigkeit von Wirtschaftssanktionen als politischem Druckmittel stellt Sturm in Zweifel: „Bisher gibt es für mich keinen Fall, wo Wirtschaftssanktionen direkten Einfluss auf politische Entscheidungen in den jeweils boykottierten Ländern gehabt haben." Dass sich die Lage zeitnah wieder normalisiert, erwartet man in Höhr-Grenzhausen nicht.

Etwas entspannter sieht dies Mahmoud Salehi, Geschäftsführer der Steuler-KCH in Siershahn. „Wir spüren die Auswirkungen bisher kaum, da unsere Produkte aus der Sparte industrieller Korrosionsschutz als nicht kritisch bewertet werden", erklärt er auf Anfrage. Auch die Erfolgschancen von Restriktionen bewertet er offener. „Sofern es sich um echte Sanktionen handelt, die unmittelbaren Handlungsdruck auf Wirtschaft und Gesellschaft ausüben, können diese wohl tatsächlich als Druckmittel eingesetzt werden", so seine Einschätzung. Doch bei vielen Firmen im Kreis und darüber hinaus, die im Russland-Geschäft aktiv sind, ist eine wachsende Sorge spürbar. Einige bringen im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Bedenken zum Ausdruck, wollen sich aber nicht offiziell äußern.

Die Firma Schumacher.plus in Eichelhardt (Kreis Altenkirchen) ist an zwei Standorten in Russland aktiv und unterhält Geschäftsbeziehungen zu Maschinenherstellern im Bereich Landtechnik. „Wir befürchten einen erheblich negativen Einfluss auf unser Geschäft", beschreibt Marketingexpertin Christiane Pechstein die Situation. „Die ersten Sanktionen im Agrarbereich sind verhängt und können sich schnell auf Maschinen und Ersatzteile im Landtechnikbereich ausweiten", so ihre Befürchtung. Auch sie beurteilt Wirtschaftssanktionen generell kritisch: „Die Wirtschaft zahlt nun den Preis für eine misslungene europäische Außenpolitik in Bezug auf die Ukraine."

Dass heimische Unternehmen die Auswirkungen der Sanktionen spüren, stellt auch Ralf Lawaczeck von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz fest, auch wenn sich für den Geschäftsführer Innovation, Umwelt und Energie das genaue Ausmaß noch nicht beziffern lässt. 2013 betrug das rheinland-pfälzische Exportvolumen in Richtung Russland rund 1,3 Milliarden Euro. Lawaczeck räumt zwar ein, dass die Sanktionen ausdrücklich keine Altverträge betreffen. Dennoch sieht er das Zahlungsausfallrisiko heute als erhöht an. „Durch die Sanktionen wird die derzeit schon schwache russische Wirtschaft noch weiter verlieren. Unsere Unternehmen bemerken eine starke Verunsicherung der russischen Geschäftspartner", erklärt er gegenüber unserer Zeitung. Diese Verunsicherung und ein eventueller Vertrauensverlust stehen für die IHK Koblenz einer schnellen Normalisierung im Weg.

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