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Höhr-Grenzhausen/Mainz

Rockergruppe im Visier der Ermittler: „Osmanen“-Razzia im Westerwald

Stephanie Kühr

Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution und politische Verbindungen in die Türkei: Die deutsche Polizei hat die Rockergruppe Osmanen Germania Boxclub schon lange im Visier. Auch im Westerwaldkreis beobachten die Ermittler seit Längerem Mitglieder der von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) jetzt verbotenen rockerähnlichen Gruppierung.

Im Rahmen des bundesweiten Verbots des türkisch-nationalistischen Vereins hat es am Dienstagmorgen auch Durchsuchungen in Rheinland-Pfalz gegeben. Die Polizei durchsuchte in Höhr-Grenzhausen und in Kaiserslautern Wohnungen und Geschäftsräume von zwei Funktionsträgern der Gruppe, teilte das Mainzer Innenministerium mit.

Diese Jacken dürfen nicht mehr getragen werden. Sie zeigen das Emblem der nun verbotenen Rockergruppe Osmanen Germania.  Foto: dpa
Diese Jacken dürfen nicht mehr getragen werden. Sie zeigen das Emblem der nun verbotenen Rockergruppe Osmanen Germania.
Foto: dpa

„Die Durchsuchungen dienen dazu, Vereinsvermögen zu beschlagnahmen und die Vereinsstrukturen weiter aufzuklären“, erläuterte Innenstaatssekretär Günter Kern. Die Betroffenen stehen im Verdacht, dass sie führende Positionen und Aufgaben in der jetzt verbotenen Gruppierung hatten. An neun Mitglieder des Osmanen Germania BC gingen laut Ministerium Verbotsverfügungen von rheinland-pfälzischen Behörden, darunter auch an das Bandenmitglied in Höhr-Grenzhausen. Auf Anfrage unserer Zeitung zeigten sich Polizeidienststellen und die Pressestelle des Polizeipräsidiums Koblenz jedoch zurückhaltend. Zur Durchsuchung und den gewonnenen Erkenntnissen über die Rockergruppe wollten sie aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen.

Unserer Zeitung liegen indes Informationen zu dem Einsatz im Westerwaldkreis vor. Demnach griffen SEK-Beamte und Beamte der ermittelnden Kriminaldirektion Koblenz gegen 5.30 Uhr in Höhr-Grenzhausen zu und durchsuchten ein Wohnhaus in der Rheinstraße. Ein Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs war, beobachtete zufällig das Geschehen. „Es ging richtig zur Sache. Acht oder neun Polizisten waren in voller Montur vor Ort und sicherten das Haus ab, damit niemand entkommen konnte. Die Beamten hatten die Waffen im Anschlag. Alles ging ganz schnell“, schilderte der Augenzeuge. Dann habe es eine Lautsprecherdurchsage gegeben. Bevor die Beamten das ältere Wohnhaus in der Nähe einer Seniorenresidenz jedoch stürmen und eine Tür aufbrechen mussten, wurde ihnen die Haustür geöffnet. „Das SEK war schnell wieder weg. Danach durchsuchten Kripo-Beamte das Haus“, so der Spaziergänger. Die Polizisten stellten alles auf den Kopf, durchsuchten Haus und Garage und nahmen Kartons mit Kleidungsstücken und anderen Gegenständen in Einsatzwagen und Zivilfahrzeugen mit, berichtete der Spaziergänger. Hinweisen von anderen Augenzeugen, es habe im Zuge der Durchsuchung auch Festnahmen gegeben, widersprach das Mainzer Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung.

Anwohner aus Höhr-Grenzhausen schildern die Bewohner des Hauses, ein älteres Paar und ein jüngeres Ehepaar mit kleinen Kindern, als freundlich und unauffällig. Man habe nichts Besonderes beobachtet. Allerdings habe man sich über die vielen teuren Autos im Hof gewundert.

Dieses Haus in Höhr-Grenzhausen wurde von einem Sondereinsatzkommando durchsucht.  Foto: privat
Dieses Haus in Höhr-Grenzhausen wurde von einem Sondereinsatzkommando durchsucht.
Foto: privat

Nach Informationen unserer Zeitung wohnt ein deutschlandweit hochrangiges Mitglied der Rockergruppe in dem durchsuchten Wohnhaus in Höhr-Grenzhausen. Der Mann soll auch Kopf der Ortsgruppe Westerwald-Koblenz sein. In der Vergangenheit hat es in der Kannenbäckerstadt bereits einen Fall von Körperverletzung im Zusammenhang mit der Rockergruppe gegeben. Der Verein hatte offenbar einen festen Treffpunkt in der Kneipe „Déjà Vu“ in der Rheinstraße in Höhr-Grenzhausen. Das bestätigte auch Stadtbürgermeister Michael Thiesen. Einige Bürger und Ratsmitglieder hatten sich demnach in der Vergangenheit bei der Stadtspitze über abendliche Treffen der Gruppe auf dem Gehsteig vor dem Lokal beschwert. „Die Bürger fühlten sich belästigt und wurden nicht durchgelassen“, sagte Thiesen.

Zu möglichen kriminellen Aktivitäten der Rockergruppe in der Region wollte sich das Innenministerium nicht äußern. Die vereinsrechtlichen Ermittlungen in dem Fall dauern aber an, so Ministeriumssprecherin Sonja Bräuer. Mit den Ermittlungen ist das Landeskrimimalamt beauftragt, sagte Innenstaatssekretär Kern.

Von Stephanie Kühr und Markus Gerhold

Osmanen Germania: Innenminister greift durch

Düsseldorf/Berlin. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rockerähnliche Gruppe Osmanen Germania BC verboten und ihnen jede Tätigkeit untersagt. „Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus“, erklärte das Ministerium in Berlin. Zudem liefen am Morgen Razzien in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und in Rheinland-Pfalz. Nach Schätzungen soll der türkisch-nationalistische Verein bundesweit mindestens 300 Mitglieder haben.

In Stuttgart läuft seit März ein Prozess gegen acht Mitglieder – darunter drei, die zur weltweit höchsten Führungsebene gerechnet werden. Den Männern werden unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution sowie Zuhälterei und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Das nun erlassene Verbot stützt sich auf das Vereinsgesetz. Zweck und Tätigkeit der Osmanen Germania liefen den Strafgesetzen zuwider, erklärte das Ministerium. Betroffen von dem Verbot sind auch alle Teilorganisationen. Aktuell sind im Bundesgebiet 16 Ortsgruppen aktiv. Die Osmanen Germania stehen laut NRW-Innenministerium in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Was es mit der Gruppe auf sich hat

Die rockerähnliche und jetzt verbotene Gruppierung Osmanen Germania nimmt in ihrem Namen Bezug auf eine einstige Herrscherdynastie. Das Osmanische Reich mit Schwerpunkt auf dem Gebiet der heutigen Türkei bestand mehr als 600 Jahre, zeitweise dehnte es sich über den Mittelmeerraum, Südosteuropa und große Teile des Nahen Ostens aus. Benannt wurde es nach dem türkischen Fürsten Osman, der um 1300 in Anatolien herrschte und als Gründer der Dynastie gilt.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) läutete das endgültige Ende des Osmanischen Reiches ein. 1923 wurde unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk die Republik Türkei gegründet.
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